Skalierungsgeschichten aus der Praxis… climb

Das Sozialunternehmen climb bietet in mehreren Städten Deutschlands Lernferien für Kinder aus einkommensschwachen Familien an und hilft ihnen so, ihre Potenziale zu entfalten. Ihr besonderes Angebot möchten sie nun noch weiter verbreiten. Wie das gelingt, berichten sie in diesem Beitrag.

Dass Projekttransfer kein Selbstläufer ist, sondern viel harte und kontinuierliche Arbeit bedeutet, weiß auch das Team von climb. 2017 nahm die Organisation am openTransfer Accelerator mit ihrer Idee von Lernferien für Kinder aus einkommensschwachen Familien teil. Der Ausgangspunkt: Viele Kinder und junge Erwachsene können ihr Potenzial nicht entfalten – weil soziale Herkunft häufig wichtiger ist als schlummernde Fähigkeiten und Träume. Angst und niedrigen Erwartungen setzt climb Mut und eine Kultur der Möglichkeiten entgegen.

Bei den climb-Lernferien lernen pro Standort rund 45 Kinder aus einkommensschwachen Familien zwei Wochen lang von und mit jungen Erwachsenen. Die Tage sind strukturiert mit Lernzeiten in Deutsch und Mathe und Projektangeboten sowie gemeinsamen Ausflügen. Klein und Groß lernen mit- und voneinander – das ist in Deutschland einzigartig.

(c) gemeinnützige CLIMB GmbH

Das Angebot gab es bereits in Hamburg, Dortmund und Mainz. Doch das Ziel war klar: climb möchte an noch mehr Standorten wirken! Im Rahmen des Accelerator bekamen sie hierfür das notwendige Werkzeug an die Hand. Wir freuen uns sehr, dass die Organisation seitdem gewachsen ist und in diesem Jahr drei weitere Standorte eröffnet.

Wie die Skalierung funktioniert, stellt euch Jennifer Busch von climb anhand vier kurzer Fragen vor.

An wie vielen Standorten seid ihr jetzt?

Seit 2012 arbeiten wir in Hamburg – vorrangig im Süden der Stadt. Außerdem sind wir seit 2014 in Dortmund, seit 2016 in Mainz und ab diesem Jahr auch in Osten Hamburgs, Bremen und Mannheim vertreten. Durch den openTransfer Accelerator konnten wir viele mögliche Transfer-Modelle durchdenken und von Praxisbeispielen und dem Austausch mit anderen Sozialunternehmen profitieren. Das ganze Programm war einfach unglaublich bereichernd und kam für uns genau zur richtigen Zeit.

Wie genau funktioniert euer Transferkonzept?

Nach dem Start in Hamburg entschieden wir uns Anfang 2017 gegen ein Social Franchise und für ein zunächst langsameres, dafür stetiges und steigendes Wachstum mit einer Zentrale in Hamburg und Filialen in verschiedenen Städten. An jedem climb-Standort gibt es ein Lokalbüro mit ein bis zwei Stellen für die Lokalkoordination, welche für die climb-Schulen, die lokalen Leitungsteams und Ehrenamtlichen sowie die Qualitätssicherung, lokales Fundraising und Pressearbeit verantwortlich sind. Transfernehmer sind dabei immer die Kommunen selbst. Sie beteiligen sich an den Kosten der Lernferien in Höhe von 200 € pro Kind und Lernferien. Weitere Mittel kommen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes, welches kommunal verwaltet wird sowie Spenden von lokalen Stiftungen und Unternehmen. Weitere im Transfer entscheidende Partner sind die Schulen, an denen wir Lernferien durchführen, sowie Hochschulen, an denen Lehramtsstudierende an climb teilnehmen können.

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Was waren Herausforderungen und Stolpersteine und wie habt ihr diese überwunden?

Zu Beginn fehlte es vor allem an Mitteln für den Overhead, um eine Skalierung organisieren zu können. Gegen Ende 2017 haben wir schließlich Skalierungspartner gefunden, die uns mit Geld sowie mit ihrem Know-how unterstützten und super begleiteten. Die Finanzierung im Gesamten stellte uns immer wieder vor komplexe Herausforderungen. Welchen Finanzierungsmix wählen wir? Welche Finanzierung lässt sich langfristig etablieren? Wie können wir diese Ideen erproben? All das ließ sich vor allem durch viel Geduld, tolle Skalierungspartner und ein starkes Team gut bewältigen. Wichtig war uns dabei stets, genügend Zeit für die Metaebene zu reservieren und uns durch gegenseitigen Support zu stärken. Auch die Einführung von Projektmanagementsystemen sowie die Professionalisierung und Automatisierung einiger Abläufe halfen dabei, uns weiter zu entwickeln.

Um mehr Lernferien in bestehenden climb-Standorten anbieten zu können, standen wir außerdem vor der Herausforderung genug, ehrenamtliche climb-Lehrer:innen zu finden. Das lösten wir unter anderem dadurch, dass wir anfingen, unsere Netzwerke stark auf- und auszubauen, Werbung zu schalten und die Zielgruppe leicht zu diversifizieren. Auch, um dem immer akuter werdenden Problem des Fachkräftemangels in Schulen und Kitas etwas entgegen zu setzen, sprechen wir neben Studierenden auch Schüler:innen und Geflüchtete mit guten Deutschkenntnissen an und versuchen sie, durch die Teilnahme an climb für einen pädagogischen Beruf zu begeistern.

Wie geht es weiter?

Wir freuen uns, dass wir 2019 drei neue Lokalbüros eröffnen können – in Mannheim, Bremen und im Osten von Hamburg. Für 2020 planen wir vier weitere Standorte. Dabei stehen die Städte allerdings noch nicht final fest, aber wir sind aktuell in einigen Gesprächen mit Kommunen deutschlandweit. Neben der Skalierung wollen wir vor allem unsere Qualität sicherstellen und unsere Wirkung evaluieren.

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Über den openTransfer Accelerator

Das Team von climb ist Teil der openTransfer Accelerator Community und Alumni des Stipendienprogramms. Dieses ist das erste Skalierungsstipendium Deutschlands, das die vielversprechendsten Organisationen bei ihrer Verbreitung unterstützt – mit geballtem Praxiswissen, individueller Begleitung und finanzieller Unterstützung. Das Programm bündelt unsere mehr als 10-jährige Erfahrung bei der Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen auf Wachstumskurs. In den letzten Jahren haben wir bereits über 40 Organisationen erfolgreich beim Transfer unterstützt. Hier findet ihr mehr Informationen zum Accelerator. Oder schreibt uns gerne eine kurze Mail, wenn ihr Fragen zum Programm habt: accelerator@opentransfer.de!

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