NeuLand Köln – Urban Gardening schafft Gemeinschaft und sorgt für Teilhabe

Icon__btn_Dokumentation_grossDirk Kerstan, Kölner NeuLand, beim openTransfer CAMP am 9. Mai 2014 in Köln

Dirk Kerstan ist Mitgründer des Vereins Kölner NeuLand und berichtete in seiner Session von der Entwicklung einer ehemaligen Brachfläche in der Kölner Südstadt. Was als Guerilla-Projekt 2011 mit einem sogenannten „Smartmob“, einer kollektiven Pflanzaktion von 170 Menschen begann, ist nun in eine reguläre Zwischennutzung übergegangen.

 

Maßgeblich verantwortlich für den Erfolg ist der systematische Aufbau einer Community gewesen. Zunächst gab es wöchentliche Treffen, dann eine Besetzung des ehemaligen Brauereigeländes, dann folgte die Gründung eines gemeinnützigen Vereins. Zudem fand von Anfang an eine umfangreiche Berichterstattung statt, vor allem in sozialen Netzwerken wie Facebook, über einen regelmäßigen Newsletter oder über das eigene Blog. Aber auch gruppenintern steckte man viel Zeit in die Entwicklung einer gemeinsamen Vision. Es wurde ein Narrativ entwickelt, das die Bedeutung von „Garten“ in den Mittelpunkt stellte. Ebenso wurde die unmittelbare Nachbarschaft involviert sowie ein Semesterprojekt der Fachhochschule Deutz im Bereich Landschaftsplanung angeregt.

Gerade wenn – gerne unvorhersehbare – Probleme anstehen, hat sich die Community bewährt. Über das Internet konnten schon viele Materialien kostengünstig entworfen und produziert werden, die der Verein sonst nicht hätte stemmen können. Dirk Kerstan meinte zwar, dass es alles seine Zeit braucht, sich aber am Ende rentiert, solange man eine ergebnisoffene Haltung hat. Auf diesem Weg sind ganz neue Beziehungen zu Leuten entstanden, die zuvor gar nichts mit dem Projekt zu tun hatten.

Barcamp Köln

Alles gehört allen

Das Besondere des Gemeinschaftsgartens: das Allmendeprinzip. Die Fläche wird also als ein gemeinsames Gut angesehen und respektiert. Die Gemeinschaft hat 400 Beete und diese werden auch gemeinsam gepflegt. Dieses Prinzip setzt eine unheimliche Kommunikationsleistung voraus, was z.B. mithilfe eines Protokollsystems für alle Beete umgesetzt wird. So kann es aber auch vorkommen, dass jemand den Salat, den er vor ein paar Wochen ausgesät hat, nicht ernten wird, sondern die Kindergartenkinder, die gerade sehen, dass er reif ist. Die Ernte besteht also nicht in den landwirtschaftlichen Produkten, sondern in der Erfahrung des Gärtnerns.

Projekte über Projekte

Diese Erfahrung wird auch im Rahmen von verschiedenen Bildungskonzepten, die im Garten erprobt werden, weitergegeben. Es gibt verschiedene Arbeitsgruppen: Gastro, Bewässerung, Bienen, Kompost u.v.m. Die Gärtner helfen sich zudem mit eigenen Workshops gegenseitig oder laden Experten ein. Mittlerweile gibt es auch eine Küche vor Ort, in der regelmäßig die angebauten Pflanzen direkt verarbeitet werden.

Umzug in Sicht?

Für das Gelände wurde erst im Januar 2014 ein Mietvertrag unterschrieben, und weil es sich weiterhin um eine Zwischennutzung handelt, wurden mehr als 400 Kisten (hohe Beete) gebaut, sodass eine mobile urbane Gartenanlage entstanden ist, die bei Bedarf umziehen kann, sofern es doch zu einer Bebauung der Fläche kommt. Stadtplanerisch soll der Kiez tatsächlich bald umgestaltet werden. Gegen eine Bebauung der Fläche des Gartens bildete sich nun auch eine Bürgerinitiative, die den Garten und seine angrenzenden Projekte erhalten will. Der Gemeinschaftsgarten wird auf diese Weise auch zu einer Plattform für Bürgerengagement in Köln.

http://www.neuland-koeln.de

Foto: Thilo Schmülgen

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