Engagement 4.0

Johannes Richter von ProjectTogether und Nadja Wenger von der youngcaritas Stuttgart auf dem openTransfer CAMP #Digitalisierung am 20. April 2018 in Stuttgart

Viele gemeinnützige Organisationen stehen vor der Herausforderung, junge Menschen dazu zu motivieren, sich zu engagieren. Johannes Richter von ProjectTogether und Nadja Wenger von der youngcaritas in Stuttgart gingen in ihrer Session der Frage nach, welche Formen es braucht, um Jüngere anzusprechen.

Sowohl ProjectTogether als auch youngcaritas möchten auf niederschwellige Weise neues Engagement fördern. ProjectTogether ist ein digitaler Inkubator für junge Social Innovators. Sie unterstützen sie bei der Entwicklung von Lösungen für soziale Problemstellungen. Das Ganze findet überwiegend digital statt, sodass Coach und Gecoachte zeitlich und geografisch flexibel sind. Im Rahmen der youngcaritas können junge Menschen Projekte umsetzen und sich engagieren – und zwar ohne großen Aufwand und langfristige Verpflichtung. In zwei Gruppen überlegten Johannes Richter und Nadja Wenger gemeinsam mit den Teilnehmenden der Session, welche Möglichkeiten es gibt, Engagement zu fördern, vor allem im Bereich der Digitalisierung.

Eine Menschengruppe sitze im Stuhlkreis, zwei Referenten sprechen.

Ist das klassische Engagement noch zeitgemäß?

Für viele Menschen sind klassische Engagementformen nicht mehr attraktiv. Hierfür gibt es viele Gründe. Da wäre zum Beispiel das Zeitproblem. Viele Menschen möchten sich nicht mehr auf lange Zeit verpflichten. Doch genau das wird im klassischen Engagement oft vorausgesetzt. Zudem wünschen sich viele Menschen, die sich engagieren möchten, mehr Flexibilität, die viele Vereine nicht bieten, weil ihre Strukturen zu starr sind. Auch die starke Ortsgebundenheit, die oft Voraussetzung von Engagement ist, ist aufgrund einer hohen Mobilität von vielen Menschen nicht mehr leistbar. Oft stehen auch finanzielle Faktoren dem Engagement im Weg, gerade wenn das Ehrenamt sehr zeitintensiv ist. Für junge Menschen stellt sich dann oft die Frage: Ehrenamt oder Nebenjob? Nicht zuletzt ist der Eintritt ins Engagement heute anders als früher. Immer öfter fehlen Gemeinschaften, wie sie zum Beispiel durch die Kirche oder Pfadfinder entstehen und über die sich ehrenamtliches Engagement ergeben kann.

Lösungsansätze für mehr Engagement

Es gibt natürlich immer noch Viele die sich engagieren, auch in klassischen Vereinen. Aber wie schaffen wir es, alle mitzunehmen, vor allem auch jüngere Menschen – das wollten die Sessiongeber wissen. Einige der Teilnehmenden bieten bereits Formen an, die sich vor allem durch einen niedrigschwelligen Zugang, kurze zeitliche Verpflichtungen sowie geografische Flexibilität auszeichnen. So berichtete ein Teilnehmer von einer Art Engagementbörse, die er eröffnet hat. Zunächst wurden die Bedarfe in Flüchtlingsunterkünften erfragt und dann im Kreis der Ehrenamtlichen, welche Unterstützung sie leisten möchten. So konnte Nachfrage und Angebot perfekt aufeinander angepasst werden, und es gab die Möglichkeit, sich auch kurzfristig zu engagieren.

Ähnlich ist es bei ProjectTogether. Zwar geht das Coaching über mehrere Monate. Wie oft, in welcher Form und wie intensiv das Coaching stattfindet, wird aber individuell entschieden. So bieten sie zugleich Struktur als auch Flexibilität. Es gibt außerdem mittlerweile jede Menge Formate, bei denen Berufstätige ihre Kompetenzen für einen kurzen Zeitraum für einen gemeinnützigen Zweck einsetzen können. Beim Corporate Volunteering zum Beispiel engagieren sich Unternehmen für einen Tag für einen gemeinnützigen Verein. Bei Hackathons, wie „8 Überstunden“ oder „Nachtschicht“, beraten Kreative gemeinnützige Organisationen eine Nacht lang. Auch beim Verein Youvo entwickeln Kreative pro bono Logos, Webseiten, Flyer und ähnliches für gemeinnützige Organisationen. Die Zusammenarbeit ist hier länger, aber trotzdem sehr flexibel. So berichtete ein Teilnehmer von der Zusammenarbeit mit einer Designerin, bei der die Kommunikation nur über Skype und E-Mail gelaufen sei, persönlich getroffen hätten sie sich nie. Und doch war die Zusammenarbeit sehr fruchtbar.

Digitale Tools nutzen

Die Diskussion zeigte, dass digitale Tools für das moderne Engagement immer wichtiger werden. Durch Skype, E-Mails, aber auch Cloud-basierte Instrumenten, wie Trello (Projektmanagement), Slack (Kommunikation) oder Google Drive (Ablage) können helfen, Standortunabhängig und flexibel zusammenzuarbeiten. Zur Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Standorten hat Rock Your Life! ein Intranet entwickelt, youngcaritas setzt hier auf den Austausch über Facebook. Auch die Vermittlung von Ehrenamtlichen kann durch digitale Tools vereinfacht werden. Die Plattform Helpteer bietet zum Beispiel die Möglichkeit, die Vermittlung von Ehrenamtlichen zu organisieren. Dabei bleiben die Daten natürlich bei der jeweiligen Organisation, nicht bei Helpteer. Doch sollte hierbei bedacht werden, dass die Einarbeitung in neue digitale Instrumente auch eine Hürde sein kann.

Klar ist: Viele möchten sich engagieren, auch junge Menschen. Damit dies gelingt, müssen Engagementstrukturen Möglichkeiten bieten, sich je nach Bedarf und persönlicher Situation einzubringen.

https://www.projecttogether.org/

http://www.youngcaritas-stuttgart.de/

Foto: © Henning Schacht

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