Vom Projekt zum Programm: „Balu und Du“

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Dr. Dominik Esch, Balu und Du e.V., beim open Transfer CAMP am 7.6.2013 in Köln

 

 

Balu und Du ist eines der erfolgreichsten Mentorenprogramme in Deutschland. Dominik Esch erläuterte das Finanzierungskonzept und verriet, warum das Geheimnis des Erfolges auch in der Einfachheit des Konzeptes liegt.

 

Dr. Dominik Esch, zuständig für Öffentlichkeitsarbeit, Beratung und Support der Projektstandorte beim Balu und Du e.V., stellte zu Beginn der Session das Patenschaftsprojekt vor. Die Bezeichnung „Pate“ werde von den Teilnehmern allerdings meist nicht verwendet, man nenne sich „Freunde“ oder „Gespann“. Seit 2002 sind ca. 5.000 solcher Gespanne vermittelt worden. Der Name des Programms ist an Rudyard Kiplings Dschungelbuch angelehnt: Die „Balus“ sind in diesem Fall 17- bis 30-jährige Freiwillige, die sich für ein Jahr verpflichten, an drei Stunden in der Woche, Zeit mit einem Grundschüler, dem „Mogli“, zu verbringen. Alle zwei Wochen treffen sich die Balus untereinander und geben sich Ratschläge, tauschen ihre Erfahrungen aus und vernetzen sich beispielsweise auf Facebook.

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Dr. Esch (rechts) im Gespräch mit einem Vertreter der Schülerpaten Deutschland

 

Das Wichtigste also, das ein zukünftiger Balu mitbringen sollte, sei Zeit und eine sehr hohe Eigenmotivation. Die Grundschüler werden wiederum auf Vorschlag eines Lehrers in das Programm geholt. Die Vermittlung bedarf keiner großen Formalitäten, Diagnostik oder der Zustimmung der Eltern, Dr. Esch betonte die Niedrigschwelligkeit des Programms. Die Aussage eines Lehrers,er mache sich Sorgen um das Kind, kann bereits ausreichen.Nach einem Gespräch des Pädagogen mit den Eltern, die einverstanden sein müssen, kann es losgehen.

Starke Partnerhalten Engagierten den Rücken frei

Dr. Esch stellte heraus, dass die unkomplizierte Herangehensweise an die Vermittlung von Patenschaften sowie der starke Hauptförderer, das Erfolgskonzept von Balu und Du seien. Beim Projektstart sei es die Stiftung Jugendmarke gewesen, die für drei Jahre die Finanzierung des Projekts übernommen und es somit dem Verein ermöglicht hatte, sich auf die eigentliche Arbeit zu konzentrieren.

Desweiteren sollte man sich auf lokale Strukturen verlassen und bei der Partnerwahl vor Ort offen denken.Die Partner müssten eigenständig bleiben und sollten aus eigener Motivation an dem Projekt teilnehmen. So stellten beispielsweise die Universitäten der Bundeswehr München und Hamburg, aber auch Jugendämter, der Automobilkonzern Ford oder die Polizei Freiwillige für das Programm zur Verfügung. Ein buntes Netzwerk sei so entstanden, erläuterte Dr. Esch.

Die Netzwerkpartner können sich bei jährlichen Konferenzen des Vereins kennenlernen, ansonsten werden sie weitestgehend „in Ruhe gelassen“. Auf den Vorschlag einiger Sessionteilnehmer, Alumnitreffen zu organisieren, ging Dr. Esch nur zögernd ein: Die Zeit der Netzwerkpartner solle nicht überstrapaziert werden. So werde weder von Partnern noch von den Eltern aktive Mitarbeit im Verein verlangt. Im Mittelpunkt stehe die 1:1 Betreuung zwischen „Balu“ und „Mogli“.

Große Werbeaktivitäten für den Verein sind ebenfalls nicht nötig. Nur 5-6 Mal im Jahr wird Balu und Du im wissenschaftlichen Kontext oder auf Treffen wie dem openTransfer CAMP vorgestellt, daraus entstünden Kontakte, mehr sei nicht notwendig. Man lege auch Wert darauf, möglichst wenig Geld und Zeit in Werbematerial zu investieren. Eine Projektbroschüre habe der Verein mittlerweile, was auch ausreiche.

Finanzierung

Laut Esch funktioniereBalu und Du unter anderem, weil es neben einem Hauptförderer viele verschiedene Netzwerkpartner gäbe, die die Personalkosten der Freiwilligen selbst organisieren und übernehmen. Die Netzwerkpartner zahlen einen freiwilligen Beitrag von 250,- Euro.

Das Programm stehe nicht in Konkurrenz zu Schulen, Jugendämtern oder sonstigen Einrichtungen.Es sei weder ein Therapie- noch ein Bildungsprogramm, sondern eine reine Begleitung von Grundschülern. Die natürliche Kompetenz der Kinder solle beibehalten werden. Die Familien der Kinder müssten dafür nicht finanziell aufkommen. „Balus“ bekämen lediglich einen Brustbeutel, in dem 10,- für einen ganzen Monat enthalten sind. Gerade kostengünstige Aktivitäten sollen gefördert werden, einerseits damit die Kreativität des Gespanns gefordert wird, andererseits damit die Eltern die Aktivitäten ohne Probleme fortsetzen können.

Ein Vorschlag der Sessiongeber war, einen Unkostenbeitrag von einem Euro zu verlangen, damit mehr Verbindlichkeit bei den Familien entsteht und sie sich gebraucht fühlen, was Dr. Esch wohlwollend zur Kenntnis genommen hat.

Fazit

Die Skalierung funktioniert in diesem Fall, weil die Idee simpel ist und lokale Netzwerkpartner Gestaltungsmöglichkeiten haben.

Foto: Milos Djuric

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