Phineo: Bonding, Bridging, Linking – 3 Handlungsgansätze für gesellschaftlichen Zusammenhalt

Sven Braune von Phineo beim openTransfer CAMP #Zusammenhalt am 17. Januar 2020 in Halle (Saale)

Was haben soziale Bindungen mit gesellschaftlichem Zusammenhalt zu tun? Welche Arten von sozialen Bindungen gibt es und auf welche Weise können diese gestärkt werden? Sven Braune gab eine theoretische Einführung in die verschiedenen Handlungsansätze und stellte Beispiele aus der Praxis vor.

Phineo ist ein gemeinnütziges Analyse- und Beratungshaus mit Sitz in Berlin. Seit 2018 beschäftigt sich Phineo mit dem Thema Zusammenhalt und möchte mit dem „Themenreport Gemeinsam Stark“ eine Empfehlung für Förder:innen geben sowie Ansätze zur Stärkung von sozialen Bindungen und Gelingensbedingungen zusammenfassen. Dafür wurde eine Vielzahl an bundesweit aktiven Projekten und Initiativen analysiert und 25 gemeinnützige Projekte mit hohem Wirkungspotenzial ausgezeichnet.

Ein Seminarraum mit einem Referenten und einem großen Stuhlkreis

Einen Schritt zurück – die Theorie

In der Analysearbeit hat sich Phineo auf unterschiedliche Kernbegriffe gestützt: Nach Szreter und Woolcock (2004) werden drei verschiedene Arten von sozialen Bindungen unterteilt:

  • Bonding: Bindungen zwischen Menschen mit vielen ähnlichen Merkmalen
  • Bridging: Bindungen zwischen Menschen mit vielen unterschiedlichen Merkmalen
  • Linking: Bindungen zwischen Menschen und staatlichen/politischen Institutionen

Nach Sven Braune schaffen soziale Bindungen unter anderem Zugehörigkeitsempfinden, gegenseitiges Vertrauen, Verbundenheitsgefühle und Solidarität. Gerade in Zeiten, in denen soziale Ungleichheit oder Rechtspopulismus den Zusammenhalt gefährden, wird die Stärkung dieser Bindungen immer wichtiger.

Aus der Praxis: Bonding

Bonding verbindet Individuen mit vielen gemeinsamen Merkmalen. Laut Sven Braune können dazu die Lebensweise, Biografie oder auch demografische Merkmale gehören. Diese Bindung findet vor allem in der Familie, im Freundeskreis, in der Dorfgemeinschaft oder auch in Interessengruppen statt. Das Identitäts- und Zugehörigkeitsempfinden wird gestärkt. In dem ausgezeichneten Projekt filia.die frauenstiftung erhalten junge Mädchen und Frauen mit verschiedenen Diskriminierungsmerkmalen die Chance, ihr Leben selbst zu bestimmen und werden im Mädchenbeirat der Stiftung zu Entscheider:innen: Sie selbst sind verantwortlich für die Vergabe von Fördergeldern an Mädchenprojekte in ganz Deutschland. Das Gefühl von Zugehörigkeit und ein Miteinander auf Augenhöhe sind essenzieller Bestandteil des Projekts und tragen zum Bonding bei.

Aus der Praxis: Bridging

Beim Bridging werden Verbindungen zwischen Gruppen, die kaum Berührungspunkte haben oder sich in vielen Merkmalen unterscheiden, gefördert und Brücken geschlagen. Die Gruppen treffen in der Arbeitswelt, in Schulen und Kitas oder auch in Tandem- und Patenprojekten aufeinander. Durch den Kontakt können Vorurteile und Stereotypen abgebaut, Akzeptanz, Vertrauen und Solidarität gestärkt werden. Ein weiteres ausgezeichnetes Projekt, das auf Bridging basiert, ist Bike Bridge e.V. Dort bringen ehrenamtliche Trainerinnen geflüchteten Mädchen und Frauen das Radfahren bei. Dies ermöglicht ihnen eine neue Mobilität und mehr Teilhabe. Bei gemeinsamen Fahrradtouren und Treffen werden Vorurteile abgebaut und aus Kontakten entstehen Freundschaften.

Aus der Praxis: Linking

Sven Braune erläutert Linking als Verknüpfung, die Individuen und Gruppen mit staatlichen oder politischen Institutionen verbindet. Die Diözesestelle der Katholischen Jungen Gemeinde im Erzbistum Köln e.V. beispielsweise veranstaltet alle drei Jahre eine Kinderstadt. Eine Woche lang können rund 200 Kinder und Jugendliche Politik nicht nur kennenlernen, sondern im „Rat aller Kinder“ auch selbst erleben. Die Kinder lernen auf diese Weise Demokratie und politische Strukturen ganz real kennen.

Die Publikation kann, so die das Fazit einiger Teilnehmenden, einen guten Überblick sowie zugleich Förderempfehlungen für Förder:innen im Bereich des gesellschaftlichen Zusammenhalts geben. Eine Teilnehmerin fasste ihr Take-away aus der Session so zusammen: „Die Wirkung vor dem Fördern in den Fokus nehmen.“

https://www.phineo.org/publikationen

Fotos: CC BY-NC-SA 2.0 / Jörg Farys I openTransfer.de

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