„Murks? Nein Danke!“: Haltbarkeit in Kampagnen aufbereiten

Stefan Schridde, „Murks? Nein Danke!“, auf dem openTransfer Green CAMP am 2. August 2019 in Berlin

Wie kann der geplanten Obsoleszenz bei Produkten kampagnenwirksam begegnet werden? Das war die Leitfrage der Session von Stefan Schridde. Er hat mit dem Verein „Murks? Nein Danke!“ bereits höchst erfolgreich das öffentliche Bewusstsein für das Thema des „eingebauten Verfallsdatums“ sensibilisiert.

Nachhaltigkeit als Gegenentwurf zur geplanten Obsoleszenz

Von geplanter Obsoleszenz – also die von Herstellern eingebauten verkürzten Lebenszeit eines Produkts – sind vor allem Software, Textilien und Gebrauchsgegenstände wie Autoreifen oder elektrische Zahnbürsten betroffen. Seit Stefan Schridde „Murks? Nein Danke!“ gegründet hat, findet das Thema mehr und mehr Resonanz – ein Zeichen für die gesellschaftliche Relevanz von Nachhaltigkeit. Angefangen hatte alles mit dem Film „Kaufen für die Müllhalde“. Langsam, so Schridde, sei die Tendenz zum Umdenken in der Wirtschaft zu erkennen. Mehr Produzenten setzen auf Nachhaltigkeit und verabschieden sich von der geplanten Obsoleszenz von Produkten. Hierfür entscheidend sei eine Kampagnenführung, die Unternehmen nicht dämonisiere, aber den nachgewiesenen Nutzen von Nachhaltigkeit auch für Hersteller:innen deutlich betone.

An Mann steht an einer Flipchart und erklärt etwas. Rund 20 Menschen sitzen um ihn herum.
Jörg Farys I opentransfer.de I CC BY-NC-SA 2.0

Vorteile für Unternehmen durch zufriedenere Kund:innen

Bei der Kommunikation um geplante Obsoleszenz und Nachhaltigkeit ist es laut Schridde besonders wichtig, von der Schuldfrage wegzukommen. Unternehmen beispielsweise können kommunikativ auf praktische Alltagstipps für einen pfleglichen Umgang mit Geräten setzen und nachhaltige Produkte beispielsweise in Online-Portalen besser ausweisen. Dies kann die gefühlte Qualität der Produkte steigern und damit die Bindung der Kund:innen (über Generationen) stärken. Dies führt zu einem Mehr an Authentizität des Unternehmens und auch zu einer gesteigerten Bekanntheit über persönliche Empfehlungen. Mit diesen Argumenten kann eine Kampagne arbeiten. Es geht also darum, den Nutzen für die Gesellschaft als seine Maxime zu etablieren.

Respekt – Return – Resonanz: Der Zielgruppe richtig zuhören

Durch die Kaufentscheidung, aber auch über ihr direktes Umfeld haben Konsument:innen Einflussmöglichkeiten: Oft arbeiten sie entweder selbst in einem herstellenden Unternehmen oder haben Zugang zu der Belegschaft über Freund:innen und Familie. Daher lohne es sich, so Schridde, sein Netzwerk genauer unter die Lupe zu nehmen und konkrete Handlungsempfehlungen weiterzutragen. Grundsätzlich sei es immer von Vorteil, in der Kampagnen lebendige Beispiele zu bringen. Die leitende Frage müsse sein, wer im Fokus der Kampagne steht. Diese ließe sich mit einer Formel auflösen: Respekt – Return – Resonanz. Zunächst ginge es darum, der eigenen Zielgruppe gut zuzuhören und den Rahmen der Kampagne nicht zu groß zu spannen: Was sind die tatsächlichen Bedürfnisse, die ich ansprechen möchte? Auf den Perspektivwechsel folge eine Rückmeldung, die in die Ausarbeitung der Kampagne einfließen müsse. Aus Fehlern lernen, Erfahrungen erweitern, die eigene Sprache anpassen. Besonders wichtig sei es, auf die Kampagne Feedback einzuholen.

Brennst du wirklich für das Thema oder möchtest du Held:in sein?

Eine zentrale Frage der Session war darüber hinaus, wann es sinnvoll ist, mit Zweifler:innen sprechen? Die klare Antwort: Ressourcen solle man sinnvoll einsetzen und die Zielgruppen nach und nach erreichen. Dies bedeute, sich nicht an Einzelnen abzuarbeiten, sondern auf die Bedürfnisse einer wachsenden Zielgruppe zu reagieren und seine Ansprache kontinuierlich anzupassen. Gleichzeitig liege eine Trägheitsgefahr beim Verweilen im Biotop Gleichgesinnter: also raus aus der Komfortzone und hinein in neue, unbekannte Netzwerke.

http://www.murks-nein-danke.de/

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