Viva con Agua – ein digitales Netzwerk trägt die Verbreitung

Kaum ein Musikfestival ohne Viva con Agua – das Netzwerk aus Hamburg sammelt gern auf angesagten Events Spenden für Wasserprojekte und informiert darüber, wie mehr Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser bekommen. Eine Organisationsplattform managt die lokalen Gruppen und über 4.000 Supporter. Christian Wiebe, Pressesprecher des Vereins, erzählt, wie sie funktioniert.

Pfandbecher sammeln auf Festivals-®Arne Stanelle

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wie nutzt Viva con Agua digitale Kanäle, um die vielen Freiwilligen zu vernetzen?

Viva con Agua (VcA) versteht sich als offenes Netzwerk. Es lebt vor allem von der Initiative engagierter Menschen vor Ort. In Deutschland gibt es in 12 Städten „Zellen“, das sind die etablierteren Gruppen, und 20 „Local Crews“, die etwas loser als die „Zellen“ an die Organisation gebunden sind. Diese Gruppen, aber auch Leute, die nicht fest eingebunden sind, organisieren dann Events wie Spendenläufe an Schulen oder auch Aktionen zum Weltwassertag. Früher haben wir dezentral gearbeitet mit unzähligen Telefonlisten und Excel-Tabellen. Die Zentrale in Hamburg hatte keinen Überblick über das Ganze. Seit dem Sommer 2012 wird VcA von unserer Organisationsplattform Pool zusammengehalten.

Wie kann man sich Pool vorstellen – ein soziales Netzwerk für VcA-Aktivisten?

Ja und nein. Es ist ein Netzwerk, in dem sich jedermann in Deutschland oder der Schweiz anmelden kann, der sich mit uns für Wasserprojekte engagieren möchte. Man erstellt ein Profil, setzt dann Häkchen, in welcher Region man aktiv werden will, und, für welche Aktivitäten man sich interessiert: beispielsweise das Pfandbecher Sammeln auf Musikfestivals oder Aktionen an Schulen. Als registrierter Nutzer erfahre ich dann, was in meiner Region los ist und wo ich mich einklinken kann. Wenn wir im Brunnenbüro – unserer Zentrale in Hamburg – Leute für Aktionen brauchen, spielen wir das Gesuch in den Pool und erreichen so alle, die sich als aktive Supporter in der betreffenden Region angemeldet haben. Wir lassen die Leute wissen, was für eine Aktion wir starten – zum Beispiel einen Informationsstand auf einem Festival – und geben dann auch Informationen zur Band etc. Wer Interesse hat, meldet sich einfach im Teilnehmerfeld an. So erreichen wir zielgerichtet unsere Freiwilligen. Natürlich organisieren sich auch die Zellen und Local Crews über Pool. Das alles passiert offen und transparent. Jede Zelle kann sehen, was die andere macht.

Das heißt, Pool macht es möglich, sich flexibel zu engagieren …

Ja. Wer bei einer Zelle mitmacht, ist ein „Supporter“, ein Unterstützer der Idee von Viva con Agua. Wir nennen die Aktiven bewusst nicht „Mitglieder“, das ist uns zu starr. Wir möchten maximal niedrigschwellig sein. Natürlich gibt es aber in jeder Zelle eine Gruppe von Leuten, die sich verbindlich um das Eventmanagement, die Finanzen und das Freiwilligenmanagement kümmern.

Unterstützt Pool auch ganz praktische Dinge wie Buchhaltung und Abrechnungen?

Das wünschen wir uns sehr, und unsere Entwickler arbeiten auch schon daran. Aber jeder weiß, dass Finanzen ein ziemlich komplexer Bereich sind. Einige Zellen nehmen selbst Spenden oder Wirtschaftsgeld ein, beispielsweise über den Verkauf von T-Shirts. Das alles muss sauber verwaltet werden. Die Verwaltung der Spenden- und Wirtschaftskonten der Zellen über den Pool ist deshalb noch Zukunftsmusik. Im Laufe des Jahres 2014 werden wir aber etwas Vorzeigbares haben, da bin ich mir sicher.

Viva con Agua Team in +äthiopien 200-®john broemstrup

Wie lernen die einzelnen Zellen, Local Crews oder Netzwerk-Teilnehmer voneinander?

Das ist unsere nächste Baustelle. Derzeit gibt es bei Pool noch keine umfassenden Austauschfunktionen. Was wir aktuell haben: eine Kommentarfunktion zu jeder Aktion, die vor allem als Feedbackkanal dient. Dort werden regelmäßig die „lessons learnt“ hinterlassen. Diese Informationen erreichen dann automatisiert die Ansprechpartner der jeweiligen Aktionen und die zuständigen Bereichsleiter im Brunnenbüro. Natürlich sind die Feedbacks für alle im Netzwerk sichtbar. Das ist kein klassisches Wiki, in dem Wissen gespeichert und permanent erweitert wird, eine solche Erweiterung ist aber in Planung.

Woher bekomme ich Informationen, wenn ich zum Beispiel eine Zelle gründen will?

Für Gruppen in Gründung gibt es diverse digitale Leitfäden direkt bei den Bereichsleitern im Brunnenbüro. Das sind Dokumente, die per Download-Link verfügbar sind und das bisherige Erfahrungswissen bündeln. Diese Dokumente werden regelmäßig aktualisiert und erweitert. Ein solcher Gründungsprozess läuft aber natürlich nicht nur digital ab. Ganz wichtig ist ein persönliches Treffen. Man setzt sich mit den Leuten vor Ort ein ganzes Wochenende zusammen, lernt sich kennen, schaut, ob es passt, und gibt die wichtigsten Informationen rein. Zwei Mal im Jahr gibt es dann für alle Zellen und Crews ein großes Treffen zum Erfahrungsaustausch und zur Planung kommender Projekte.

Wie entwickelt sich Pool – geht das Konzept auf?

Ganz sicher. Unser deutschsprachiges Netzwerk wächst kontinuierlich. Derzeit haben wir in 36 Städten 14 Zellen und 20 Local Crews. Insgesamt sind 4.779 Supporter im Pool registriert. Das kann sich sehen lassen!

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