Wie man Konflikten mit dem Förderer vorbeugt

nestwärme ist ein bundesweit agierendes Sozialunternehmen, das bisher über 22.000 Familien mit chronisch kranken und behinderten Kindern geholfen hat und ein Netzwerk aus über 1.400 freiwilligen Helfern unterhält. Die Gründerin Petra Moske erzählt, wie es mit einem Förderer zum Konflikt kam und was andere Non-Profits daraus lernen können.

 

Wir verstehen uns als lernende Organisation. Dabei arbeiten wir in einem ständigen Spannungsfeld zwischen unserem Anspruch, authentisch unsere Werte im Miteinander zu leben, und den materiellen Zwängen, die jede gemeinnützige Organisation kennen dürfte.

Um unsere Arbeit als gemeinnütziger Verein leisten zu können, brauchen auch wir Förderer und Sponsoren und haben das eine oder andere Mal nicht nur positive Erfahrungen gemacht. So gab es zum Beispiel. ein Unternehmen, das unseren Verein vor einigen Jahren gefördert hatte. Wir kamen beim Aufbau eines gemeinsamen Projekts miteinander intensiver ins Gespräch. Da diese Art von Unternehmenskooperation zum damaligen Zeitpunkt für uns noch Neuland war, hatten wir nur wenig Erfahrung mit den Strukturen sowie der Kultur der anderen Seite. Wir waren wie immer aufgeschlossen, neugierig und hoch motiviert und konnten es kaum erwarten, die Teamarbeit zu beginnen. Und natürlich gingen wir davon aus, dass wir uns auf Augenhöhe begegnen würden. Auf den ersten Blick starteten wir auch genau so — waren uns schnell einig, und alles sah nach einer wunderbaren Win-win-Situation aus.

 

Willi Müller-Wittkuhn

Wie sich dann aber sehr schnell herausstellen sollte, ging es diesem Unternehmen vor allem um eine kurzfristige PR in eigener Sache. Im Rahmen der „Zusammenarbeit“ sollten wir zum Beispiel verschiedene Zusagen machen, die wir verbindlich so gar nicht garantieren konnten und in dieser Form auch nicht wollten. Vonseiten des Unternehmens wurde ein gewaltiger Druck aufgebaut. Es wollte selbst in der Öffentlichkeitsarbeit präsent sein, was bei uns sehr unangenehm ankam und sogar letztlich unseren guten Kontakten zur Presse schadete.

Wir fühlten uns in die Ecke gedrängt. Sicher ging es um viel Geld, das wir gut hätten gebrauchen können. Aber der Umgang mit uns und unseren Werten verstieß derart gegen unsere nestwärme-Philosophie und stellte gerade das infrage, was uns alle bei nestwärme verbindet und uns ausmacht: der respektvolle Umgang miteinander. Dies bedeutet für alle von uns — Mitmacher, Partner, Mitarbeiter, Unterstützer —, dass wir uns auf Augenhöhe achtsam begegnen, Zielkonflikte, Grenzen und Chancen erkennen und Vertrauen in den anderen haben, das es jedem ermöglicht, über „Fehler“ bzw. Schwächen zu sprechen und Lösungen zu finden.

Dieses Kooperationsbeispiel hat uns gezeigt, wie wichtig es ist, den Mut zu haben, auch und gerade aus einer vermeintlich schwächeren Position heraus, authentisch zu bleiben. Für uns funktionieren Beziehungen — intern wie extern — nicht, wenn eine Seite die andere zum eigenen Vorteil unter Druck setzt, die Schwäche des anderen ausnutzt, um die eigenen Bedingungen durchzudrücken. Einen solchen Umgang zu akzeptieren, ist uns zu kostspielig. Nachdem wir das erkannt hatten, haben wir bewusst, wenn auch mit einem weinenden Auge, auf das Geld verzichtet und die Kooperation beendet.

Gelernt haben wir daraus vor allem dies: Bei Vorgesprächen mit Förderern fragen wir immer zuerst die gegenseitigen Erwartungen ganz genau ab. Der Förderer sollte ehrlich und präzise sagen, mit welcher Motivation er das Projekt unterstützen will. Der Verein bzw. das Sozialunternehmen kann dann aufzeigen, wo seine Grenzen liegen und was für die Organisation unabdingbar ist. Nur so kann eine langfristige Förderung und Beziehung funktionieren.

Schwächen zuzugeben, ist übrigens bei nestwärme kein Makel, sondern gewünscht und zwingend notwendig, um das Potenzial aller Mitmacher nutzen zu können. Ein proaktiver Umgang mit „Fehlern“ ist Teil unserer Kultur und Zeichen unserer Authentizität.

www.nestwaerme.de

 

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