Robert Bosch Stiftung: Brauchen wir eine Digital-Strategie?

Session von Michael von Winning und Thomas Leppert, Robert Bosch Stiftung, beim openTransfer CAMP #Digitalisierung am 15.09.2018 in Dresden

Ausgangspunkt der Überlegung war der Programmschwerpunkt der Stiftung „Zivilgesellschaft stärken“, der sich auch mit den Folgen, Chancen und Herausforderungen der Digitalisierung für NGOs beschäftigt. In diesem Kontext wurden bzw. werden mehrere Aktivitäten gefördert, z. B. der „Digital Social Summit“ Anfang 2019 oder auch das jetzige Barcamp mit dem noch folgendem E-Book. Die zentrale Frage der Session war, wie insbesondere kleinere gemeinnützige Strukturen bei der Umsetzung von Digitalisierungsvorhaben nicht nur durch Qualifizierung, sondern auch bei der Strategieentwicklung unterstützt werden können.

Ansatzpunkte
Michael von Winning stellte zunächst die bisherigen Überlegungen der Stiftung vor. Fragen sind hier u. a.: Was bietet einen echten Mehrwert für Organisationen? Was brauchen sie und was müssen sie anders machen? Dabei geht es nicht um eine bloße Anpassung von Bestehendem oder die Einführung von möglichst vielen digitalen Tools, sondern vielmehr um eine „Strategie für den digitalen Wandel“. Gedacht ist an die Unterstützung eines strukturierten Wandlungsprozesses für Akteure, die schon „auf dem Weg“ sind. Es soll auch darum gehen, wie die bestehenden Aufgaben und Anforderungen der Organisationen mithilfe der Digitalisierung besser bewältigt werden können. Hier scheint es bei vielen lokalen Einrichtungen Unterstützungsbedarf zu geben. Es geht also nicht darum, eine abstrakte gesellschaftspolitische Debatte zu führen, sondern einen konkreten Nutzen zu generieren. Diese Überlegungen sind laut Michael von Winning und Thomas Leppert jedoch noch nicht abgeschlossen und so wünschten sie sich Anregungen und Kritik aus dem Kreis der Teilnehmenden.

Auf einer Tafel ist zu lesen: Digital-Strategie?

Diskussion
Die Überlegungen der Robert Bosch Stiftung wurden von den Teilnehmenden der Session überwiegend positiv bewertet. Insgesamt wurde die Initiative begrüßt und eine externe Begleitung und Unterstützung von gemeinnützigen Organisationen als wichtig angesehen. Eine ganze Reihe von Redebeiträgen bezog sich auf einzelne Aspekte von Unterstützungsmöglichkeiten. Einige thematisierten grundsätzliche Fragen und betonten die Brisanz des gerade stattfindenden Wandlungsprozesses. Teilnehmende fragten: Brauche ich zuerst eine Strategie und wofür genau? Was kann die Digitalisierung für meine Organisation Positives bewirken? Und wo liegen Risiken?
Um eine nachhaltige Wirkung zu erreichen, wurde angeregt, bei Digitalisierungsvorhaben zunächst die Vorstände und andere Verantwortungsträger anzusprechen und nicht nur IT-affine Personen in den Organisationen. Auch die Netzwerke oder Verbände der lokalen Einrichtungen könnten einbezogen werden, um „Insellösungen“ zu vermeiden. Es wurden zudem methodische Vorschläge gemacht, um Innovationen voranzutreiben, wie etwa Design Thinking oder das Organisationsmodell Soziokratie. Eine mögliche Zielgruppe könnten ältere Menschen bzw. Organisationen sein, die mit diesen zusammenarbeiten; hier wurde ein großer Bedarf vermutet. Das ganze Vorgehen sollte lösungsorientiert sein, evtl. die Entwicklung von Prototypen beinhalten. Dabei sollte auch die Datensicherheit eine Rolle spielen.

Zwischenfazit
Die angedachte Initiative der Robert Bosch Stiftung trifft offensichtlich einen Bedarf, der vor allem kleinere gemeinnützige Organisationen anschlussfähig für den digitalen Wandel machen könnte. Diese drohen ansonsten teilweise von der dynamisch verlaufenden Entwicklung abgekoppelt zu werden. Es geht sowohl um die Vermittlung von Know-how als auch um die Einbettung der Digitalisierung in das strategische Handeln der Akteure. Auf diese Weise kann den Beteiligten Mut gemacht werden, das Thema anzupacken.

https://www.bosch-stiftung.de/de

Foto: Henning Schacht, www.berlinpressphoto.de, CC BY-NC-SA 2.0

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