Kulturloge: Wie weiter nach dem Transfer?

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Christine Krauskopf, Gründerin der Kulturloge, beim openTransfer CAMP in Frankfurt am 8. November 2014

Die Kulturloge wurde 2008 von Christine Krauskopf gegründet, um Menschen mit geringem Einkommen die Teilhabe am kulturellen Leben zu ermöglichen. Bis heute hat sich das Konzept erfolgreich in 40 Städte verbreitet. Ein Konkurrenzstreit um die Marke „Kulturloge“ und die Organisationsform stellt das Projekt aktuell vor große Herausforderungen.

Christine Krauskopf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die „Kulturloge“ erlaubt es Menschen mit geringem Einkommen, kostenfrei an kulturellen und sportiven Veranstaltungen teilzunehmen. So wird Menschen, die sich dies meist nicht leisten können, Kulturgenuss und Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglicht. Die Kulturloge vermittelt individuell jeweils zwei Freikarten an berechtigte Interessenten, damit diese eine Begleitperson mitnehmen können.

Wie funktioniert die Kulturloge?

Eine Kulturloge ist ein lokales Angebot in einer Stadt oder Region. Veranstalter stellen über die Kulturloge Freikarten zur Verfügung, welche von dieser an Interessierte mit geringem Einkommen vermittelt werden. Eine Kulturloge kann sowohl ehrenamtlich von Einzelpersonen koordiniert werden als auch an Institutionen angebunden sein und dort hauptamtlich (unterstützt von Ehrenamtlichen) betrieben werden. Die Zielgruppe der Kulturloge hat die Chance, über die Auslage von Flyern und / oder persönliche Ansprache durch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sozialer, öffentlicher Einrichtungen wie der „Tafel“ auf das Angebot aufmerksam zu werden. Interessenten melden sich über diese Einrichtungen oder selbstständig bei der Kulturloge an. Sie geben ihre Kontaktdaten an, weisen einmalig ihr geringes Einkommen nach und machen Angaben zu ihren kulturellen Interessen und Vorlieben.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Kulturlogen nutzen eine eigens entwickelte Datenbank für die Hinterlegung der Kontaktdaten der berechtigten Interessenten und ihrer kulturellen Vorlieben sowie als Grundlage für die telefonische Vermittlung der Karten. Sagt der Interessent zu, erhält er beim Veranstalter einen Gästelistenplatz für sich und seine Begleitperson. So wird beim Eintritt nicht die Vorlage eines Berechtigungsnachweises verlangt und mögliche Stigmatisierung vermieden.

Bisherige Entwicklung der Kulturloge

Christine Krauskopf hat Ende 2008 die Idee zur Kulturloge gehabt. Ihre Idee hat sie Anfang 2009 mit Frau Hilde Rektorschek von der „Tafel“ geteilt und besprochen, welche nach einem halben Jahr ins Projekt eingestiegen ist. 2010 nahmen Christine Krauskopf und Frau Rektorschek mit dem Konzept der Kulturloge am startsocial-Wettbewerb teil.

Anfang 2010 wurde die erste „Kulturloge“ in Marburg gegründet. Kurz darauf folgte Berlin. Seither haben sich ca. 40 weitere in ganz Deutschland sowohl in Großstädten wie Hamburg, und München als auch in ländlichen Regionen etabliert. Sie tragen trotz der gleichen Vermittlungsmechanismen zum Teil andere Namen, wie z. B. Kulturdrehscheibe Leverkusen, Kulturlisten Köln und Düsseldorf, KulturRaum München, Kulturpforten Göttingen und Soest etc. Bislang konnten 100.000 Freikarten an mehr als 30.000 Gäste in Deutschland vermittelt werden. (Stand Mai 2014. Die Zahlen beziehen sich auf 15 Kulturinitiativen, die sich in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Kulturlogen engagieren)

Aktuelle Situation

Die Interessen von Christine Krauskopf und Frau Rektorschek bzgl. der Verbreitung und Organisation der Kulturloge haben sich mittlerweile auseinander entwickelt. Die Zusammenarbeit wurde inzwischen beendet. Ohne beidseitiges Einvernehmen hat Frau Rektorschek das Logo und die Marke „Kulturloge“ eintragen lassen und einen Bundesverband in Form eines Vereins gegründet, über den die Kulturloge nach einem Social-Franchise-Prinzip verbreitet wird.

Frau Rektorschek möchte aktuell den z. T. bereits seit 2010 bestehenden und neu hinzukommenden Kulturlogen, welche nicht dem von ihr gegründeten Bundesverband angehören oder beitreten wollen, die Verwendung des Namens „Kulturloge“ und des Logos im Sinne des Markenschutzes untersagen, so Christine Krauskopf. Die Kulturloge Berlin möchte ihren Namen und auch ihr eigens entwickeltes Logo behalten. Hierfür hat sie eine Feststellungsklage in Berlin eingereicht. Im Januar 2015 soll verhandelt werden.

Kulturinitiativen, die unabhängig bleiben möchten, haben eine Bundesarbeitsgemeinschaft der Kulturlogen initiiert, welcher sich die Kulturlogen anschließen können. Derzeitiger Zweck der Bundesarbeitsgemeinschaft ist der demokratische Erfahrungsaustausch, die Weiterentwicklung von Ideen sowie Öffentlichkeitsarbeit. Hierfür finden jährliche Tagungen statt.

Aktuelle Herausforderung

Wie ist es trotz der konkurrenzartigen Situation möglich, die Kulturlogen (und anderslautende Initiativen) ohne Umbenennungen gemeinsam anzusprechen, zu repräsentieren und die Zielgruppe zu erreichen? Vorschläge kamen von den Teilnehmern der Session:

• Unabhängig von den zwei unterschiedlichen überregionalen Organisationen und persönlichen Interessen der Initiatorinnen sollen die Interessen der Zielgruppe stets im Vordergrund stehen: gesellschaftliche Teilhabe durch Zugang zu kulturellen Veranstaltungen für möglichst viele Menschen in Deutschland mit geringem Einkommen.

• Die weitere Verbreitung des Prinzips der Kulturlogen soll auch unabhängig von Markenname und Logo möglich sein und vorangetrieben werden.

• Möglichkeiten einer rechtsstreitfreien Ko-Existenz sollen (im Idealfall gemeinsam) entwickelt werden, z. B. durch Herausarbeitung von Schwerpunkten, Profilen, speziellen Zielgruppen, Leistungen etc.

• Bestehende Kulturlogen sollen in die Erörterung über Profil-Fragen einbezogen werden, um die Identifikation zu stärken.

• Eine aktive Vernetzung und der Erfahrungsaustausch unter den bestehenden Kulturlogen soll gefördert und genutzt werden, z. B. zur Weiterentwicklung des Angebots, zur Gewinnung weiterer Veranstalter oder einer verbesserten Auffindbarkeit für die Zielgruppen.

• Neu entstehende Kulturlogen oder ähnlich lautende Initiativen müssen die Wahlfreiheit haben, ob sie sich dem Bundesverband oder der Bundesarbeitsgemeinschaft anschließen wollen.

• Eine Profilschärfung mit klarer Beschreibung der Angebote, Leistungen und Verpflichtungen erleichtert bei den Projektnehmern die Entscheidung für die eine oder andere überregionale Organisationsform.

Fotos: Andi Weiland / opentransfer.de

Ein Kommentar bei “Kulturloge: Wie weiter nach dem Transfer?

  1. November 14, 2014
    Kulturloge: Wie weiter nach dem Transfer?
    Anmerkungen:
    1.) Wie weiter ? Diese Fragen hat Frau Krauskopf nicht im Auftrag der Kulturlogen gestellt. Sie ist weder die Gründerin der bundesweiten ersten Kulturloge Marburg e.V. noch ist oder war sie Sprecherin des Bundesverbandes Deutsche Kulturloge e.V.
    2.) Den Namen KULTURLOGE hat Hilde Rektorschek nicht eintragen lassen. Frau Dr. Astrid Wetzel aus Marburg hat in Verbindung mit dem Konzept im September 2009 den Namen KULTURLOGE erfunden. Sie hat einen verantwortlichen Umgang mit dem Namen KULTURLOGE eingefordert. Um einen sich ankündigenden Wildwuchs entgegenzuwirken und das Kulturlogen-Prinzip nicht zum Spielplatz gewinnorientierter Kartenvermittlung werden zu lassen, entschied sie sich den Namen KULTURLOGE beim HAPM schützen zu lassen und übertrug dies auf den Bundesverband Deutsche Kulturloge e.V. . Die Vergabe des Namens sollte an die Grundsätze gebunden sein.

    3.) Die in dem Artikel vom 14.04.2014 erwähnte Feststellungsklage der nichtlizenzierten Kulturloge in Berlin gegen den Bundesverband wurde vor dem Landgericht Berlin eindeutig entschieden. Das Landgericht Berlin hat am 11.06.2015 verkündete, dass die Kläger Dobrowohl/Meyenburg des Vorstandes der Kulturloge Berlin zu unterlassen haben, im gesellschaftlichen Verkehr in der Europäischen Union das Kennzeichen „Kulturloge“ zu führen.“
    4. Es gibt Dank der Kulturlogen inzwischen Nachahmer, die zwar behaupten nach dem Konzept der Kulturloge zu handeln, sich aber gegen die Grundsätze der Kulturlogen aussprechen. Die Initiativen nennen sich KulturPforte, KulturListe, KulturPass, KulturParkett, KulturDrehscheibe, KulturLeben, Kulturticket, KulturWerk, KulturRaum, KulturTafel, KulturWunsch, Kultür, Kukuk, Kultur für Alle, dabei sein, Kulturpott, Kostbar, Kulturlive usw. Sie arbeiten nach unterschiedlichen Konzepten. Z.B. müssen benachteiligte Menschen einen Ausweis an der Abendkasse vorzeigen und wenn letztendlich noch Karten übrig bleiben, muss zugezahlt werden. Kontrollen der Bedürftigkeit finden regelmäßig statt. Wer Karten nicht abholen kann, wird vom Verteiler gestrichen. Vermittlung von Karten geht nur über das Internet und per Mail, wer zuerst antwortet, bekommt Karten usw.

    4. Seit geraumer Zeit hat sich das Konzept der Kulturloge bundesweit zu einer erfolgreichen Kulturlogen-Bewegung entwickelt. Insgesamt 30 Kulturlogen haben sich dem Bundesverband angeschlossen. Sie handeln sehr bewusst nach den Grundsätzen „behutsam, würdevoll und nachhaltig“. Sie stellen ihre Kulturgäste mit ihren Interessen und Wünschen in den Mittelpunkt -keine Sanktionen, keine bürokratische Hürden und keine Diskriminierung.

    Die 30 Mitglieds-Kulturlogen des Bundesverbandes stehen in einem regelmäßigen Austausch und treffen sich jährlich zur Mitgliederversammlung. Dort werden Erfahrungen ausgetauscht, Schwerpunkte erarbeitet, neu Ideen entwickelt und Beschlüsse gefasst. Die Mitglieds-Kulturlogen setzen sich auch in Zukunft für ihre Grundsätze ein und sehen in anderen Projekten, die nach anderen Vorgaben handeln, keine konkurrenzartige Situation.
    Der Name KULTURLOGE hat sich zudem mit seinen Grundsätzen und mithilfe der vielen Ehrenamtlichen, der Kooperationspartner und Unterstützer als Qualitätssiegel entwickelt.
    Der Vorstand
    Bundesverband Deutsche Kulturloge e.V. http://www.kulturloge.de

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