Flurfunk Dresden: Fake News – was tun?

Session von Peter Stawowy von Flurfunk beim openTransfer CAMP #Digitalisierung am 15.09.2018 in Dresden

Nach der verzerrten Darstellung der Vorfälle in Chemnitz durch rechte Parteien, einzelne Medien und Trolle fragte Peter Stawowy, wie der richtige Umgang mit Fake News und Hass im Netz aussehen kann. In der Session diskutierten knapp 20 Teilnehmende über Faktenchecker sowie Counterspeech und darüber, wie wir in Zukunft möglichst viele Menschen über Falschmeldungen aufklären können.

Zu Beginn der Session waren sich alle einig: Das Ziel von Fake News und Trollen ist es häufig, Menschen anzustacheln und die Wut (vor allem in den Kommentarspalten) weiter anzufachen. Eine Möglichkeit, Fake News zu begegnen, sieht Peter Strawowy in einem seiner Projekt, einem Faktenchecker im Internet. Hier liefern er und sein Team Hintergründe zu konkreten Themen und jede Menge Insider-Wissen, vermitteln Wissen und machen Abläufe und Zusammenhänge in Medien und Politik transparent. Mittlerweile gibt es laut Peter Strawowy ca. zehn Websites, die sich dem Thema Fake News annehmen, jedoch selten politisch neutral bleiben.

Der Kerngedanke des Projektes von Peter Stawowy: Fake News neutral zu kommentieren und durch geprüfte Fakten zu entlarven. Die Leserschaft seines Blogs soll verstehen:
– Was sind die harten Fakten hinter den Fake News?
– Welche politischen Ansichten stehen dahinter?
– Wie können mehr Menschen über Fake News aufgeklärt werden?

Konsens in der Diskussion im Anschluss war, dass ein reiner Faktencheck sicher gut ist, aber mitunter nur das eigene Netzwerk stärkt und selten neue Zielgruppen erreicht. Im schlimmsten Fall verhelfen Fakten-Checker-Blogs sogar der ursprünglichen Falschmeldung zu mehr Wirkung, da nicht die Korrektur der Nachricht, sondern die ursprüngliche Falschmeldung im Kopf der Menschen hängen bleibt.

Ein Mann sitzt vor einer Tafel und gestikuliert.

Die Teilnehmenden stellten sich daraufhin die Fragen: Wie reagieren wir am besten auf Hass im Netz und wie gehen wir am besten gegen Fake News und Trolle vor? Nachdem die Diskussion uneins darüber verlief, ob eine Diskussionskultur neutral bzw. mit oder ohne Emotionen stattfinden kann, einigten sich die Anwesenden darauf, dass es vor allem eine Gegendarstellung zu Fake News für Menschen ohne festgelegtes Siding (rechts oder links) geben muss, damit diese nicht auf den „Hass-Zug“ aufspringen. Die Teilnehmenden der Session sammelten außerdem folgende Vorschläge und einige praktische Tipps:- Die Fakten an Fallbeispielen gut erklären und so die Meinungsbildung der Leser unterstützen.
– Menschen schon im Schulalter beibringen, wie sie sich Meinungen bilden, recherchieren, Thesen hinterfragen.
– Eine Plattform schaffen, die Fakten zum politischen Tagesgeschehen neutral abbildet
– Aktiv die Schweigespirale durchbrechen.
– Trolle entlarven: aufzeigen, dass immer wieder die gleichen wenigen Accounts Hass-Kommentare verbreiten.
– „Stille Mit-Leserinnen und -Leser“ auf diese Weise davon abhalten, alles Geschriebene einfach nur hinzunehmen.
– Möglichkeiten der Zensur wahrnehmen und Beleidigungen und Angriffe von rechts blockieren oder löschen.

In der Arbeit mit Fakten-Checker-Blogs sollte laut Sebastian Schütz von Youvo.org in erster Linie aus der bestehenden Berichterstattung und Situation herausgezoomt werden, der Kontext dargestellt werden und die Frage nach Augenzeugen und anwesenden Journalisten gestellt werden. Das rechte Framing wird gerade durch den fehlenden Kontext erleichtert. Ebenso entscheidend ist es, die Haltung der Menschen zu stärken und sie darin zu befähigen, sich selbst eine Meinung zu einem Thema zu bilden. Dafür ist es wichtig zu wissen, über welches Medium ich mit welcher Zielgruppe über welches Thema sprechen kann. Gerade in Hinblick auf die Landtagswahlen in Sachsen nächstes Jahr ist es elementar, den Menschen zu vermitteln, dass die demokratischen Kräfte zusammen gegen die Rechten vorgehen und sich nicht in links und spalten lassen.

Zur Verbreitung der Informationen und Stärkung der Reichweite sprachen sowohl Peter Strawowy als auch die Teilnehmenden vor allem Multiplikatoren aus der Zivilgesellschaft und Events wie dem openTransfer CAMP eine Schlüsselfunktion zu.

Sessiongeber Peter Strawowy fand zum Abschluss folgende Worte: „Es bringt wenig, FakeNews mit reinen Faktenchecks zu begegnen. Besser ist, Narrative und Haltung für Demokratie zu stärken und Wissen zur Meinungsbildung unter die Leute zu bringen.“

www.flurfunk-dresden.de

Foto: Henning Schacht, www.berlinpressphoto.de, CC BY-NC-SA 2.0

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