Ein Bundesverband – das Mittel zur Vernetzung von Initiativen im Bereich Mentoring?

Zusammen mit Florian Amoruso-Stenzel (Kein Abseits e.V.) ging Lars Maertins (Netzwerk Chancen gestalten) in seiner Session der Frage nach, ob ein Bundesverband ein geeigneter Ansprechpartner für Fragen und Herausforderungen von Patenschafts-Initiativen sein kann.

Dass Netzwerkarbeit für Initiativen aus dem Bereich Mentoring hilfreich ist, wird nicht nur durch die hohe Zahl an Teilnehmer*innen auf dem openTransfer Camp #Patenschaften in Berlin deutlich. Der Bedarf nach Austausch und Vernetzung ist für viele Initiativen tägliche Herausforderung. Lokale Netzwerke dauerhaft zu pflegen, bedarf sehr viel Arbeit und Pflege. Oft fehlen hier die nötigen Ressourcen. Lars Maertins und Florian Stenzel-Amoruso diskutierten in ihrer Session die Frage, ob die Etablierung eines Bundesverbandes, der als zentraler Ansprechpartner agiert, eine sinnvolle Netzwerkarbeit leisten und Herausforderungen der lokalen Initiativen bearbeiten helfen könne.

Die Teilnehmenden waren sich einig, dass zu Beginn erörtert werden sollte: Was sind die eigentlichen Problemstellungen der Initiativen und an welcher Stelle kann ein Bundesverband in diesem Kontext helfen?

  • Inhaltlich: das Modell ‚Patenschaften‘ und ‚Mentoring‘ bekannter machen. Ein Bundesverband macht im besten Fall Lobbyarbeit für das Konzept – im Sinne und Interesse aller Mitglieder des Verbandes.
  • Austausch und Hilfe bei der Bearbeitung von Problemen (Beispiel: Wie verhindern Initiativen sog. „Patentourismus“ von Teilnehmenden?)
  • Gemeinsam eine Struktur entwickeln und gemeinsame Ressourcen sinnvoll einsetzen
  • Finanzierungsfragen klären
  • fachlichen Diskurs stärken (Beispiel: Wie erreichen wir eine Professionalisierung und eine gleichbleibend hohe Qualifikation der Initiativen?)
  • Funding Über einen Verband wäre es möglich, sich gebündelt an Ausschreibung zu beteiligen, die für einzelne Initiativen nicht infrage kämen.

 

Exkurs Schottland: Hier gibt es mit dem befriending network und dem mentoring network eine zentrale Koordination auf Landesebene, die eine lebendige Vernetzung gewährleistet. Dazu bieten die Netzwerke einen sog. Quality Award – hier ist es für die Initiativen möglich, sich zu Beratern und Coaches (Online/Offline-Coaching für 1 Jahr) ausbilden zu lassen.

 

Damit einhergehende Fragestellungen lauten:

  • Wer sind die Mitglieder des Verbandes?
  • Wie finanziert sich der Verband?
  • Wer benennt und kontrolliert die konkreten Aufgaben des Verbandes?
  • Reicht ein Verband für die verschiedenen inhaltlichen Schwerpunkte der Initiativen aus? Oder braucht es Untergruppierungen wie z.B. mit dem Fokus Bildung?

Die Gruppe diskutierte im Anschluss darüber, wer den Vorstand des Verbandes bilden könnte. Empfohlen wurde, Akteure aus dem Netzwerk, die über Vertrauen innerhalb der Community verfügen, zu aktivieren und für die Arbeit im Bundesverband zu gewinnen. Es brauche zudem systemisch denkende Förderer, die im Idealfall in eine Art Lobby-Struktur investieren können/wollen. Grundsätzlich waren sich alle einig, dass Patenschaften stärker strukturell gefördert werden sollten, weniger einzelne Projekte.

Als potenzielle Hürden wurden ausgemacht:

–        Nicht alle Projekte sind an einer Vernetzung interessiert, da einige das als Konkurrenz und Wettbewerb sehen, weniger als Bereicherung.

–        Die Idee des Ressourcen Teilens wird nicht immer gut aufgenommen, da viele Angst um sein eigenes Projekt haben – daraus kann fehlender Kooperationswille resultieren.

–        Die Arbeit des Bundesverbandes muss finanziert werden.

–        Es muss ein konstruktives, ko-kreatives Zusammenarbeiten entstehen.

Mehrere Menschen sitzen in einem Kreis zusammen.
otc_2018

Ideen für die nächsten Schritte formulierten die Teilnehmenden am Ende: „Im besten Fall wird in einem partizipativen Prozess eine gemeinsame Vision und ein entsprechendes Leitbild entwickelt“, schlug Manuel Güll vom Singa Business Lab vor. Im Anschluss kann es sinnvoll sein, sich der Entwicklung einer Wirkungskette zu widmen.

Zum Abschluss äußern die Teilnehmenden noch die Bitte, genau abzuklären, ob die Struktur eines Bundesverbandes von der Zielgruppe, den Initiativen im Bereich Mentoring, überhaupt gewollt und akzeptiert würde. Trotz aller Vorteile, könne es auch schwierig sein, „noch eine weitere Organisationsebene aufzusetzen“, merkte ein Teilnehmer an. Wichtig sei die Möglichkeit, Informationen, Wissen und Ressourcen zu teilen.

Geht es am Ende also um einen Bundesverband oder vielleicht eher um ein Netzwerk? Welche Zielsetzung sollte dieses Netzwerk haben? Ob Verband oder Netzwerk – eine übergeordnete Instanz lebt vor allem von Inhalten und einer lebendigen Arbeit der Vorsitzenden. Am Ende der Session ermutigt Uwe Amrhein, Stiftung Bürgermut, die Teilnehmenden und entlässt sie mit der Frage, wie – ausgehend von den Überlegungen zu einem Bundesverbandes oder Netzwerks – kommt man dahin, Ressourcen zu teilen, Wissen bereitzustellen und effektiv die Herausforderungen der Initiativen anzugehen?

Ihr habt Ideen, Anmerkungen oder Vorschläge? Schreibt Florian oder Lars eine Nachricht oder wendet euch an das openTransfer-Team, um einen Kontakt herzustellen.

Foto: Jörg Farys

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