Dein Weg in die Politik

Nikolas Wagner Bozzolo, Diversify (Deutschlandstiftung Integration)

Foto: Linda Müller | openTransfer

Das Programm:

Diversify fördert die politische Repräsentation und Partizipation von gesellschaftlich benachteiligten jungen Menschen. Mit Mentoring- und Hospitationsprogrammen sowie Podiumsveranstaltungen wie dem Diversify Talk am Vorabend des Barcamps begleitet und unterstützt das Programm diese Menschen auf ihrem Weg in die Politik.

Worum ging es in der Session?

Nikolas von Diversify diskutierte gemeinsam mit den Teilnehmenden, wie vor allem junge Menschen aus gesellschaftlich benachteiligten Gruppen effektiv und resilient politisch aktiv werden und sein können, damit die Parlamente und Parteien in Deutschland die Perspektiven aller Mitglieder der Gesellschaft widerspiegeln. Es ging um bestehende Barrieren für parteipolitisches Engagement und darum, wie diese proaktiv abgebaut werden können, damit mehr Menschen politisch aktiv werden und Parteien inklusiver und vielfältiger werden.

Die wichtigsten Erkenntnisse

  • Hürden für parteipolitisches Engagement:
    • Parteimeinung vs. eigene Meinung
    • Anfeindungen/Drohungen im ländlichen Raum v.a. in Sachsen
    • Bundesebene vs. Kommunale Ebene – fehlende politische Bildungsarbeit, wer ist für was zuständig
    • Zeitliche Ressourcen & Vereinbarkeit von z.B. Kinderbetreuung und Engagement
    • Neumitglieder kommen schwer rein, Strukturen sind teilweise undurchsichtig; Teil schon bestehender Netzwerke zu werden ist nicht immer einfach
    • Engagement als Risiko
    • finanzielle Hürden
    • Selbstausbeutung vs. dennoch in Kommunalpolitik zu gehen, um Stimme für andere einzutreten, auch die nicht wählen können
    • Vorbilder und Zugänge fehlen
    • Parteibürokratie – Anträge etc. wirkt abschreckend und Aushandlungsprozesse mit Vielzahl von Mitgliedern können anstrengend sein
    • Privilegien und Ressourcen: Hürden sind größer für Menschen ohne Privilegien, z.B. fehlendes Wahlrecht, Bedarf für einfache Sprache etc.
    • Hoher Akademiker:innenanteil von Parteimitgliedern, Akademisierung
    • parteiinterner Umgang mit Minderheiten oft problematisch (Stichwort: Tokenism)
  • Lösungsideen:
    • Politische Bildung: Wissensvermittlung und Aufklärung über Möglichkeiten z.B. für migrantische Personen zur Beteiligung ohne Deutsche Staatsbürgerschaft
    • Demokratie lernen wichtig auch für migrantische Gruppen, Wissensvermittlung und Empowerment – z.B. werden Demonstrationen für Menschen, die aus Diktaturen fliehen oft als staatstragend und regierungsnah wahrgenommen aufgrund von Kontext – Aufklärungsarbeit
    • Selbstwirksamkeit: Vorbildfunktion und sichtbar sein – aktives Zuhören schafft Selbstwirksamkeit
    • Angebote von parteinahen Stiftungen wahrnehmen oder auch von Dachverbänden und anderen Netzwerken (z.B. Migranetz) zu Themen wie „Wie können Migrant:innen politisch partizipieren?“, „Wie kann man sich aufstellen lassen?“, „Wie funktioniert die Einbürgerung?“ etc.; auch innerhalb von Parteien sind oft Angebote vorhanden (aber noch ausbaufähig)
    • Awareness-Teams und Vertrauenspersonen als Unterstützungsstruktur bei Diskriminierung innerhalb einer Partei
    • Antidiskriminierungsberatungsstellen
    • „Institutioneller Ungehorsam“ – Klageinstanzen bis Satzung geändert wird
    • Gegenderte Redelisten und Debatten-Ende, wenn keine FLINTA*-Personen mehr sprechen möchten
    • Popularisierung als Antwort auf Akademisierung
    • Mentoring-Buddies, um Teil von bestehenden Netzwerken zu werden
    • Sitzungen online und Kinderbetreuung anbieten, um mehr Personen die Teilnahme zu ermöglichen

Das openTransfer CAMP Zusammenhalt fand im Rahmen des Programms openTransfer Zusammenhalt der Stiftung Bürgermut statt. Das Projekt wird gefördert durch die Stiftung Mercator. Partner:innen des Barcamps sind das Projekt Diversify der Deutschlandstiftung Integration und die Pochen Biennale.

Hannah Vongries

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert