Internet für Geflüchtete / Computergestütztes Lernen / Der mobile Alltagsguide

Icon__btn_Dokumentation_grossRefugees-Online, Asylplus e.V. und Integreat TUM/ Tür an Tür e.V. auf dem openTransfer CAMP Refugees am 30.04.2016 in München

 
Es gibt viele Gründe, warum Geflüchtete auf das Internet angewiesen sind. Drei Initiativen, die sich in diesem Bereich etabliert haben, teilten ihre bisherigen Erfahrungen und Lessons Learnt.
Unterkünfte ans Netz

Refugees Online versorgt bereits seit Sommer 2014 Erstaufnahmeeinrichtungen, Gemeinschaftsunterkünfte und Turnhallen, die mit Geflüchteten belegt sind, mit Internetzugängen. Den Anfang machte die ehemalige Kaserne Fürstenfeldbrück. Bereits hier habe sich herausgestellt, was sich in anderen Heimen bestätigen sollte: Oftmals sei die Kommunikation mit Betreibern – zumindest zu Beginn eher holprig. Das bloße Verlegen eines Kabels könne schon ein Problem darstellen. Das Projekt, so der Mitinitiator Volker Werbus, habe inzwischen eine Standardkonfiguration zum Selbstkostenpreis entwickelt. Dafür arbeite das Team mit einem Open-Source-Hot-Spot, den Geflüchtete über voucher codes nutzen könnten. Dies ermögliche eine namentliche Registrierung und die Deckung entstehender Kosten. Das Angebot komme an und Refugees Online schaffe es kaum, alle Anfragen zu bedienen. Mittlerweile versorgten ihre Hot-Spots 6.500 bis 7.000 Geflüchtete.

Lernplattformen für Geflüchtete

Asylplus stelle in über 50 Lernzentren mehr als 400 Computer zur Verfügung und unterstütze auf seiner multilingualen Lernplattform Geflüchtete mit Online-Sprachkursen und anderen Bildungs- und Informationsangeboten. In Zusammenarbeit unter anderen mit der Bundesagentur für Arbeit, so Waltraud Haase, biete Asylplus darüber hinaus eine Akademie an, die Angebote in Schulen, Hochschulen und dem Arbeitsmarkt bereithalte. Viele der Nutzerinnen und Nutzer zahlten einen geringen Beitrag dafür.

Ein Mann in blauem T-Shirt hält einen Router in der Hand.

Die App, die zeigt, wo es lang geht

Integreat ist eine App, die Geflüchteten Orientierung im Alltag geben soll. Sie sei im Rahmen einer Kooperation mit der TU München entstanden. Nutzerinnen und Nutzer würden auf verschiedenen Sprachen beispielsweise zu Ärztinnen und Ärzten, Beratungsstellen oder Deutschkursen gelotst. Initiativen und Kommunen füllten die App mit den relevanten Informationen. Die Übersetzung übernähmen unter anderem die Geflüchteten selbst. Ziel sei es, auf lange Sicht über die App auch Praktikumsplätze zu vermitteln.

Herausforderungen vor Ort

Allen drei Initiativen stünden aktuell Herausforderungen gegenüber: sei es die Kommunikation mit Betreibern von Heimen oder das geringe technische Know-how der Ehrenamtlichen vor Ort. Nicht selten entstünden zudem Reibungspunkte etwa durch die Dienstzeiten des Personals in Heimen und die berufliche Verpflichtung von Ehrenamtlichen. Ein weiterer Punkt sei die fehlende Erfahrung von Verwaltung und Politik im Umgang mit Projekten wie Refugees Online, die wiederholt den Mehrwert ihres Angebots rechtfertigen müssten, obgleich sie eine Lücke füllten, die durch die fehlende Bereitstellung von Steuermitteln entstanden sei.

Die Session zeigte, dass lokale Besonderheiten, vor allem die Ausstattung und Leitung der Unterkünfte, die Strategien bestimmten. Die Voraussetzungen in temporären Notunterkünften seien andere als in Heimen für eine langfristige Unterbringung.

In jedem Fall, so waren sich die Sessiongeberinnen und -geber einig, habe es sich als unabdingbar herausgestellt, frühzeitig den Kontakt zu Expertinnen und Experten sowie Geflüchteten zu suchen. So könne schnell ein Netzwerk unterschiedlicher Perspektiven, Ressourcen und Wissens entstehen. Dies erlaube eine nachhaltige Feedback-Kultur, die das Angebot an die sich stetig wandelnden Bedürfnisse der Geflüchteten anpassen könne. Hierfür bedürfe es vor allem der Bereitschaft zur Selbstreflexion in Hinblick darauf, was gebraucht werde, was sich bereits eingespielt und was sich als weniger hilfreich herausgestellt habe. Die Schnelllebigkeit des Angebots spiegle sich auch in den Kommunikationsmitteln wider: Plattformen wie Slack (https://slack.com/) erlaubten es, allen Mitstreiterinnen und Mitstreitern online einen strukturierten Überblick über das aktuelle Geschehen zu verschaffen.

http://www.refugees-online.de/

http://www.asylplus.de/

http://integreat-app.de/

 

Foto: Andi Weiland / openTransfer.de

CC Lizenz

Dieser Text steht unter einer Creative Commons Namensnennung-Nicht Kommerziell-Keine Bearbeitung 3.0 Unported Lizenz.

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.