Nachmachen, aber richtig – Was tun, wenn die Qualität nicht stimmt?

Drei Transfer-Profis erzählen, was sie tun, um die Qualität auch in der Verbreitung zu halten. Zusätzlich stellen wir einen bewährten Prozess aus der Betriebswirtschaftslehre vor, der in fünf Schritten den Weg zu einer besseren Qualität weist.

 

Erfahrungen aus der Praxis

[quote]„Wenn ein Standort den Vertrag tatsächlich nicht erfüllen würde und keine gemeinsame Lösung gefunden werden könnte, ist unser letztes Mittel der Entzug der Marke JOBLINGE. Gleichzeitig müssen wir aber immer das Wohl der Jugendlichen im Auge behalten, die an dem betroffenen Standort gerade an der Maßnahme teilnehmen. Ihnen gegenüber sind wir primär verantwortlich, und ihr Interesse stünde daher bei der Entscheidung, wie die weitere Zusammenarbeit geregelt wird, im Vordergrund. Angesichts der sorgfältigen Auswahl der Projektnehmer erwarten wir solche Probleme allerdings nicht.“[/quote]

Dr. Simone Paar, Projektleiterin JOBLINGE, Eberhard von Kuenheim Stiftung der BMW AG

[quote]„Werden unsere Qualitätsstandards nicht erfüllt, gibt es erst einmal Zeit zum Nachbessern. Wir geben also eine Auflage. Im schlimmsten Fall scheidet der Bunte Kreis aus, wird also nicht mehr von uns akkreditiert. Das ist auch schon geschehen. Oft sind sie [die Projektnehmer] gerade im Umbruch und dann lassen wir uns darauf ein, dass etwas länger gebraucht wird, und bieten weitere Unterstützung an – aber das wird dann individuell geprüft. Wer dann noch gehen muss, dem fehlten grundlegende Kompetenzen und Ressourcen.“[/quote]

Andreas Podeswik, Vorstandsvorsitzender, Bundesverband Bunter Kreis e.V.

[quote]„Der Projektnehmer hat die Möglichkeit, ein sehr erfolgreiches Projekt zu machen, und zwar, weil wir ihn darin stark unterstützen. Aber eben nur, soweit er sich an die Spielregeln hält. Das Übrige tut die öffentliche Aufmerksamkeit in der Region: Lokal sind die EhrenamtMessen immer ein Highlight, die Akteure in der Region erhalten somit auch von ihrem Umfeld und der regionalen Öffentlichkeit ein klares Feedback.“[/quote]

Dr. Michael Eckstein, Vorstandsvorsitzender, BürgerStiftung Region Ahrensburg

 

In fünf Schritten Probleme aus dem Weg räumen

 

Schritt 1: Probleme früh erkennen

Die wichtigste Voraussetzung, um ein Problem frühzeitig zu erkennen, ist ein funktionierendes Monitoringsystem. Überlegen Sie, wie Sie auf dem Laufenden bleiben können und das Monitoring in Ihre Arbeitsroutinen eingebaut werden kann. Mindestens ebenso wichtig ist ein enger und vertrauensvoller Kontakt zu Ihren Projektpartnern.

 

Schritt 2: Ursachen erkennen

Was ist der Grund für den Qualitätsverlust? Fehlt es an Unterstützung? Welche Rahmenbedingungen sind an diesem Standort anders als dort, wo das Projekt funktioniert? Gehen Sie der Sache auf den Grund.

 

Schritt 3: Lösungen finden

Entwickeln Sie gemeinsam mit dem Projektnehmer Lösungen, die künftig eine bessere Qualität ermöglichen. Beziehen Sie hier alle Beteiligten mit ein. Überlegen Sie, ob Sie das Projekt noch stärker an die Gegebenheiten vor Ort anpassen müssen, damit es besser funktioniert. Bieten Sie dem Projektnehmer Unterstützung bei der Neujustierung an.

 

Schritt 4: Maßnahmen umsetzen

Es kann sinnvoll sein, die neuen Maßnahmen erst zu erproben, bevor diese ihren festen Platz im Projektplan bekommen. Nicht immer ist die erste Idee zur Lösung eines Problems auch die beste. Probieren Sie aus und kommen Sie so der optimalen Antwort auf Ihre Herausforderung Schritt für Schritt näher.

 

Schritt 5: Aus Fehlern lernen

Was haben Sie bei der Lösung des Problems gelernt? Können Sie das Gelernte zusätzlich auf andere Handlungsfelder übertragen und so weitere Fehler vermeiden? Prüfen Sie, ob es das Problem auch an anderen Standorten gibt. Wenn das Problem gehäuft auftritt, ist es sinnvoll, die gefundenen Lösungen zunächst an einem Standort zu testen und sie dann an allen Standorten einzuführen.

 

Wenn Gespräche oder Qualifizierungsangebote nicht mehr helfen oder der Vertrag mit Ihrem Projektnehmer sogar mutwillig gebrochen wird, ist die letzte Option, die Zusammenarbeit zu beenden. Je nach Transfermethode gibt es hier unterschiedliche Möglichkeiten. Man kann zum Beispiel die Markenrechte oder bestimmte Leistungen entziehen. Problematisch ist dabei für viele Projektgeber, dass sie auch vor Ort Verantwortung für die Menschen, die von dem Projekt erreicht werden, tragen. Das führt dazu, dass ein Standort nicht ohne Weiteres geschlossen werden kann. Gleichzeitig fehlen dem Projektgeber oft die Ressourcen, um Ersatzstrukturen zu schaffen. Überlegen Sie sich daher so früh wie möglich, wie Ihre Exit-Strategie aussieht, wenn die Zusammenarbeit nicht fortgesetzt werden soll.

 

Der Text basiert auf dem Kapitel „Was tun im Falle eines Qualitätsverlustes?“ in der Publikation „Nachmachen – aber richtig. Qualität im Projekttransfer gestalten“ von Nina Leseberg.

 

 

 

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