Wie das Investment in Sozialunternehmen funktioniert

Dorothee Vogt ist Investment Managerin bei Bonventure – dem ersten Wagniskapitalfonds für Sozialunternehmen in Deutschland. opentransfer wollte von ihr wissen, wie das Modell funktioniert und für wen es sich eignet.

 

Frau Vogt, was ist ein typisches Projekt, das durch soziales Risikokapital wachsen konnte?

Walburga Fröhlich und Klaus Candussi brennen für die Sache der Menschen mit Behinderungen und setzen sich dafür ein, dass jeder die gleichen Entfaltungs- und Beteiligungschancen in unserer Gesellschaft hat. Die beiden Gründer von atempo entwickelten ein Social-Franchise-Modell und verbreiten ihre genialen Konzepte so in anderen Einrichtungen. Mit den Einkünften sichern sie den eigenen Standort und generieren Mittel zur Investition in Qualitätssicherung und die Entwicklung weiterer Angebote. BonVenture und die österreichische Erste Bank haben sich 2012 zusammengetan und finanzieren den Aufbau des Social Franchise über die kommenden sieben Jahre mit einer Summe von ca. 400.000 Euro.

 

Woher kommt das Geld, das als Risikokapital ausgeschüttet wird?

Der erste Soziale Venture Capital Fonds in Deutschland, BonVenture, wurde 2003 auf Initiative von vier philanthropisch motivierten Unternehmerfamilien in München gegründet. Die Idee entwickelte sich aus dem Wunsch, soziale Innovationen auf unternehmerische Weise zu fördern.

 

Was erwarten die Investoren?

Die Projekte müssen auf einem klar beschriebenen Geschäftsmodell basieren, die Lösung eines ökologischen oder sozialen Problems anstreben und Aussicht auf finanzielle Nachhaltigkeit haben. Ist eine positive Entscheidung gefallen, bekommt das Projekt eine maßgeschneiderte Finanzierung.

Im Gegenzug erhält BonVenture beispielsweise einen Sitz im Beirat der Organisation. Verlangt wird außerdem eine regelmäßige Berichterstattung über den Unternehmensverlauf. Die Investoren erwarten, dass der gesamte Fonds am Ende mindestens Kapitalerhalt erzielt. Sollten Gewinne entstehen, spenden sie diese. Sollte der Fonds Verluste machen, beispielsweise weil Unternehmen in die Insolvenz gehen, so verlieren die Investoren ihr eingelegtes Geld. Das ist ihr Risiko. Daher spricht man auch von sozialem „Risikokapital“.

 

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Drei Investment-Varianten

BonVenture stellt Eigenkapital, Gesellschafterdarlehen oder Mezzanine in Start-up- und insbesondere Wachstumsphasen zur Verfügung.

 

Eigenkapital: Wenn eine soziale Organisation mit Eigenkapital finanziert, beteiligt man den Eigenkapitalgeber, also den Investor, im Gegenzug mit Anteilen an dem Unternehmen. Eigenkapital steht vorrangig für nicht gemeinnützige Sozialunternehmen mit erheblichem Wachstums- und Wertsteigerungspotenzial zur Verfügung.

 Darlehen: Für gemeinnützige Organisationen eignet sich eher das Darlehen (Fremdkapital). Dieses wird zu einer vereinbarten Verzinsung über einen vereinbarten Zeitraum zur Verfügung gestellt und muss zurückgezahlt werden.

 Mezzanine: Mezzanine sind eine Mischung aus Eigenkapital und Fremdkapital und werden von BonVenture sowohl an gemeinnützige als auch an nicht gemeinnützige Organisationen vergeben.

 

BonVenture

Organisationen, die unternehmerisch soziale und ökologische Zwecke verfolgen, haben häufig Schwierigkeiten bei der Kapitalbeschaffung: Für die Banken und Wagniskapitalgeber sind sie zu sozial, für die Stiftungen und Spender zu wirtschaftlich. Dabei haben die Sozialunternehmen einen großen Vorteil: Sie machen sich nicht nur abhängig von der unsicheren Finanzierungsquelle Spende, sondern erwirtschaften zumindest teilweise die Mittel für ihr soziales Lösungsmodell und dessen Wachstum.

BonVenture füllt die Finanzierungslücke bis zum Break-even-Point und konzentriert sich auf eine langfristige Zusammenarbeit mit einer begrenzten Anzahl von innovativen Unternehmen, die auch mit einem Netzwerk und Beratung unterstützt werden. Das Kapital wird nicht — wie bei der Spende — aufgebraucht, sondern fließt im Erfolgsfall am Ende einer Zusammenarbeit wieder zurück und steht dann für neue Projekte zur Verfügung. BonVenture ist selbst als Social Business strukturiert: Überschüsse werden gemeinnützigen Organisationen gestiftet.

www.bonventure.de

 

 

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