The Boston Consulting Group GmbH: Digital@business

Manfred Beck und Frauke Uekermann von The Boston Consulting Group GmbH (Büro Stuttgart) beim openTransfer CAMP Digitalisierung am 20 April 2018 in Stuttgart

Ist die Digitalisierung eine Bedrohung oder eine Chance für uns? Vor dieser Frage stand ursprünglich auch die Autoindustrie. Mittlerweile hat sie großen Nutzen aus Digitalisierungsprozessen gezogen. Was können NGOs daraus lernen?

Die Autoindustrie ist bezüglich der Digitalisierung weit vorangekommen und hat bereits stark von Digitalisierungsprozessen profitiert. So werden Fahrzeuge in digitalen Showrooms präsentiert, Crashtests simuliert, Datenbanken zusammengelegt und Sensoren, die Verschleiß melden, reduzieren Produktionskosten. Wie kann sich auch die Zivilgesellschaft die Digitalisierung zu Nutze machen? Die Sessiongeber empfahlen, Digitalisierungsprozesse mit einem ganzheitlichen Ansatz anzugehen, der mit drei Grundsatzfragen beginnt:

Warum? Zunächst muss sich eine Organisation über die eigene Vision klar werden: Wo wollen wir hin und wofür können wir dafür Digitalisierung nutzen.

Was? Die zweite Frage bezieht sich darauf, für welche konkreten Angebote die Digitalisierung genutzt werden kann.

Wie? In einem dritten Schritt geht es um die Umsetzung der Digitalisierungsprozesse: Welche Strukturen sind nötig? Welche Fähigkeiten brauchen die Beschäftigten? Wie kann die IT-Technik angepasst werden?

Die Digitalisierungsprozesse in Politik und Zivilgesellschaft, so die Einschätzung der Sessiongeber, stünden allerdings noch am Anfang. Das liege unter anderem daran, dass in diesen Sektoren weniger Wettbewerbsdruck als in der Industrie herrsche, finanzielle Investitionen schwieriger seien und viele Daten erst einmal grundsätzlich systematisiert werden müssten. Digitalisierungsprozesse könnten an verschiedenen Stellen der „humanitären Wertschöpfungskette“ genutzt werden. Derzeit geschehe dies bei NGOs vor allem beim Fundraising (z. B. über digitales Marketing), beim Programmkonzept (z. B. Lokalisieren von Menschen in Krisengebieten) und bei der Durchführung eines Projekts (z. B. digitale Identifizierung)

Wer finanziert die Digitalisierung?

Eine zentrale Frage, die viele Session-Teilnehmende umtrieb, betraf die Finanzierung von Digitalisierungsprozessen. Digitalisierungskosten seien schwer in den Förderlogiken unterzubringen, in denen sich NGOs bewegen, zudem seien Investitionen im Dritten Sektor nicht in dem Umfang wie in der Industrie realistisch. Die Anwesenden tauschten daher Tipps fürs digitale Fundraising aus, dazu gehören das Nutzen von Online-Marketing, Crowdfunding-Plattformen, Fundraising-Apps und Open source-Angeboten. Virtual Reality könne eingesetzt werden, um Situationen zu simulieren, wo Hilfe besonders benötigt wird.

Gemeinsame Sprache finden!

Ein Punkt, der Digitalisierungsprozesse in der Zivilgesellschaft vorantreiben könnte, wurde direkt in der Session sichtbar: Die Sprache der Digitalisierungspioniere bzw. der Industrie sei für viele nicht nachvollziehbar. Sie müsse insbesondere für den sozialen Bereich übersetzt werden, um Skepsis vor Buzzwords oder Sorge vor einer Technisierung zu nehmen. Weiterdiskutiert werden sollte außerdem die Frage, wie globale Strukturen und Ansätze auf den kommunalen Raum übertragen werden können. Einig waren sich alle darin: Wichtig sei es, genau nachzufragen, wo der Schuh drückt. Digitalisierung solle nicht der Digitalisierung wegen betrieben werden, sondern ganz konkrete Probleme lösen.

Foto: Henning Schacht

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