Inklusive Ferien- und Freizeitangebote

Logo mit 3 Aktenordnern

Prof. Ingo Bosse, TU Dortmund, auf dem openTransfer CAMP Inklusion in Dortmund am 21.03.2015

 

Prof. Ingo Bosse von der TU Dortmund stellte in der Session sein Forschungsprojekt zu inklusiven Ferien- und Freizeitangeboten vor. Dabei lag der Fokus weniger auf Methoden und Theorie als auf der Praxis und den aus dem Projekt heraus entstandenen Fortbildungsmaterialien und -programmen.

Am Anfang stand die Frage: „Was würdet ihr euch unter einer Fortbildung zur inklusiven Freizeit vorstellen?“, der man sich durch zwei fiktive Statements näherte. „Durchführung eines inklusiven Angebots: Allein der Wille zählt!?“ lautete der erste Impuls. Wie zu erwarten, wurde diese Frage von den Teilnehmern verneint. Die Sessionteilnehmenden berichteten von ihren eigenen Erfahrungen, zum Beispiel über die zeitlichen Puffer, die man bei Ausflügen allein schon für die Toilettenpausen einplanen sollte, wenn mehrere Rollstuhl-Fahrer in der Gruppe sind, es aber nur eine rollstuhlgerechte Toilette gibt.

openTransfer CAMP #Inklusion

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der zweite Impuls lautete: „Zu einer inklusiven Gruppe gehören mehr als der Rollstuhl-Fahrer oder das Kind mit Down-Syndrom, weil…“. Auch hier folgte ein regen Austausch. Antworten gingen zum Beispiel in die Richtung, dass eine solche Quotierung wiederum ein exklusiver Ansatz wäre. Schließlich sollten sich Gruppen für Freizeitangebote nach gemeinsamen Interessen zusammensetzen. Gleichzeitig wurde angemerkt, dass durch den derzeit noch exklusiven Charakter vieler Schulen kaum wirklich inklusive und heterogene Freizeit- oder Reisegruppen zustande kämen. Schließlich nähmen Jugendliche oft mit Freunden an Freizeiten teil, die dieselbe Schule besuchten. Dies führe zu der nicht gewünschten Trennung in Menschen mit und ohne Behinderung.

Als Fazit der Diskussion zu den Impulsen kann die finale Anmerkung einer Teilnehmenden der Session dienen, die festhielt, dass nicht Quoten, sondern der Abbau von Teilhabe-Barrieren das Ziel sein sollten, damit alle an einer Freizeit aus reinem Interesse teilnehmen könnten.

Das Fortbildungsprogramm

Der Erfahrungsaustausch stand auch nach den Impulsen im Vordergrund. So wurde zum Beispiel angemerkt, dass Gruppenleiter oft selbst Fußgänger seien. Rollstuhlfahrer in der Gruppenleitung könnten dagegen eine Vorbildfunktion übernehmen, sowohl für andere Rollstuhl-Fahrer als auch für Fußgänger.

Nach dem ausführlichen Erfahrungsaustausch stellte Ingo Bosse noch einige Details des Fortbildungsprogramms vor, das aus dem Forschungsprojekt heraus entstand. Dieses Fortbildungsprogramm ist für einen Tag konzipiert, an dem die auch einzeln wählbaren Module, wie zum Beispiel Aspekte der Finanzierung, der Unterstützung, der Barrierefreiheit und Gruppenprozesse, in Bezug auf inklusiv gestaltbare Freizeiten bearbeitet werden.

Dieses Fortbildungsprogramm sei insbesondere für Anfänger auf dem Gebiet inklusiver Freizeiten sinnvoll, da es sehr breit angelegt sei. Für Fortgeschrittene werde das Programm bereits modifiziert durchgeführt, auch weil man bereits einige Erfahrungen mit dem Programm gemacht habe. So habe sich ergeben, dass rechtliche Fragen nicht erst am Ende des Fortbildungstages auf der Agenda stehen sollten, sondern zu Beginn.

Zu dem Fortbildungsprogramm wird es beim Landschaftsverband Rheinland in Nordrhein-Westfalen eine Handreichung mit Materialien geben, die auch unabhängig vom Fortbildungsprogramm abrufbar und nutzbar sein werden.

Foto: Andi Weiland

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.