Dokumentation des #otc Zusammenhalt in Neustrelitz
Zwei kraftgebende Tage beim openTransfer CAMP in der Alten Kachelofenfabrik
Zwei Tage Austausch, Vernetzung und neue Allianzen für Engagierte aus Ostdeutschland und ihre Verbündeten. Knapp 120 Menschen kamen beim Klassentreffen der ostdeutschen Zivilgesellschaft am 24. & 25. April 2026 in der Alten Kachelofenfabrik in Neustrelitz zusammen. Sie teilten miteinander mutige Ideen, praktisches Wissen und persönliche Erfahrungen in 24 Barcamp-Sessions, 7 Workshops, 2 Exkursionen und unzähligen Gesprächen bei wunderbarem Frühlingswetter.
Tag 1 bot ein dichtes Programm mit 24 Barcamp-Sessions zu zentralen Themen demokratischen Engagements im ländlichen Raum. Wir diskutierten Strategien zur Bürgerbeteiligung und zum Erreichen bisher stiller gesellschaftlicher Gruppen, tauschten uns über digitale Werkzeuge für lokale Demokratiearbeit aus und beleuchteten Herausforderungen bei Diversität, Sicherheit und nachhaltiger Förderstruktur. Besonders im Fokus standen Fragen der Vernetzung und Ressourcenteilung in der Zivilgesellschaft – von Pro-bono-Unterstützung über soziokratische Entscheidungsstrukturen bis hin zu freien Radios und Bürgermedien. Den Abschluss bildete ein Abendprogramm mit Hummustopia im Vereinsheim des Wassersportverein Einheit Neustrelitz e. V. am Zierker See: Beim gemeinsamen Hummus-Essen wurde jede:r Gast einem Gesprächsthema zugelost – mit dem Ziel, über Demokratie, Solidarität und Zusammenhalt ins Gespräch zu kommen.
Tag 2 startete mit einem wissenschaftlichen Impuls von René Lehwess-Litzmann vom SOFI Göttingen und dem Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Es folgten zwei Exkursionen – zum denkmalgeschützten Gelände der ehemaligen Landesirrenanstalt Domjüch sowie zum Verstehbahnhof in Fürstenberg – und parallel dazu Workshops zu Themen wie parlamentarischem Rechtsextremismus, Schutz vor antifeministischen Angriffen, praktischer Solidarität, Instagram-Kommunikation und KI-gestützter Fördermittelbeantragung. Ein weiterer Workshop von „Zusammen bewegen“ vermittelte Haustürgespräche als Methode demokratischer Mobilisierung.
Die wichtigsten Erkenntnisse und Ressourcen aus beiden Tagen haben wir hier zusammengestellt. Sollten Angaben falsch sein oder fehlen, schreibt uns gerne eine E-Mail, damit wir sie korrigieren oder ergänzen können. Viel Spaß beim Stöbern!
Tag 1 – Erster Sessionblock
Organisation
Antje Hinz (MassivKreativ) arbeitet als Prozessbegleiterin für die Initiative Bürgernetzwerk. Die Initiative möchte insbesondere Menschen aus dem sogenannten „unsichtbaren Drittel“ stärker in gesellschaftliche und demokratische Prozesse einbeziehen.
Inhalt der Session
Grundlage der Session war unter anderem die Studie „Die andere deutsche Teilung“ von More in Common Deutschland, die sechs gesellschaftliche Gruppen unterscheidet. Im Fokus standen zwei Gruppen, die in klassischen Beteiligungsformaten kaum auftauchen: die “Pragmatischen” und die “Enttäuschten”. Die Session beschäftigte sich mit der Frage, wie Menschen dieser beiden Gruppen erreicht werden können. Im Mittelpunkt standen mögliche Ursachen für fehlendes Vertrauen, geringe Beteiligung und politische Distanz sowie die Frage, welche Formate und Zugänge helfen können, diese Menschen besser einzubinden – insbesondere im ländlichen Raum.
Wichtigste Erkenntnisse
– Pragmatische sind alltagsfokussiert und leistungsorientiert – sie brauchen keine Überzeugung, sondern Integration: Ansprache dort, wo sie ohnehin sind (Fitnessstudio, Einkaufen, Arbeit), kurze Formate ohne dauerhaftes Commitment, Eventcharakter statt Vereinsstruktur.
– Enttäuschte wünschen sich Gemeinschaft und Wertschätzung, erleben aber Entfremdung. Konkrete Hürden: fehlende Kinderbetreuung, konsumfreie Räume fehlen, Angebote wirken exklusiv für Eingeweihte, Sprachbarrieren. Peer-to-Peer-Ansprache und Leerstand als Begegnungsort (z. B. offenes Foyer im Theater in Weimar, PingPong Salon Neustrelitz) können helfen.
– Weitere Formatideen: Flohmarkt, Kunst auf dem Wasser, Geh-Spräche, Sofa-Couch Geflüster, Dorfdialoge, Erzählcafes mit Übersetzung, Picknicks
– Wer Menschen wirklich erreichen will, muss zuerst zuhören, statt einzuordnen. Vertrauen entsteht nicht durch Einladungen, sondern durch echte Erfahrungen von Wirksamkeit. Niedrigschwellige Formate, persönliche Begegnungen und eine konsequente Orientierung an den Lebensrealitäten der Menschen – nicht an institutionellen Routinen – sind der Schlüssel, um auch jene zu erreichen, die klassischen Beteiligungsformaten fernbleiben
– Besonders im ländlichen Raum sind Beziehung und Vertrauen keine netten Extras, sondern Voraussetzung. Politische Beteiligung braucht Zeit, Beziehungspflege und glaubwürdige Rückmeldungen.
– Tipp: Sessions vom CAMP 2025 zum Thema Dialog & Beteiligung u.a. von metro_polis e.V.
Organisation
Das Projekt „Diversitätsorientierte Demokratiearbeit in Thüringen (DiDem)“ untersucht, wie demokratisches Engagement im ländlichen Raum inklusiver und diversitätsorientierter gestaltet werden kann. Im Fokus stehen die Erfahrungen von Selbstorganisationen marginalisierter Communities sowie die Frage, welche Bedingungen demokratische Teilhabe stärken oder erschweren. Ziel ist es, konkrete Handlungsempfehlungen für eine solidarische und diskriminierungssensible Demokratiearbeit zu entwickeln.
Inhalt der Session
Die Session beschäftigte sich mit den Herausforderungen, denen marginalisierte Gruppen und demokratisch Engagierte im ländlichen Raum aktuell begegnen. Vorgestellt wurden erste Forschungsergebnisse aus dem Projekt „DiDem“, insbesondere zu Sicherheitsbedenken, Rückzugstendenzen und dem Spannungsfeld zwischen notwendiger Sichtbarkeit und persönlicher Unsicherheit. In einem gemeinsamen Gallery Walk diskutierten die Teilnehmenden anschließend Strategien für solidarischere, inklusivere und sicherere demokratische Räume.
Wichtigste Erkenntnisse
– Inklusion und Diversitätsorientierung sind keine Einzelthemen, sondern Grundbedingung demokratischen Engagements. Beteiligung darf nicht exklusiv für bestimmte Gruppen zugänglich sein.
– Im ländlichen Raum steht die demokratische Zivilgesellschaft durch antidemokratische Einflussnahme besonders unter Druck. Demokratisches Engagement zu stärken, Gegenöffentlichkeit zu schaffen und engagierte Menschen zu schützen, ist deshalb besonders wichtig.
– Viele Engagierte berichten von Erschöpfung und Resignation, wollen aber trotz der Belastungen weiterhin demokratische Werte lokal verteidigen.
– Besonders queere, jüdische und migrantische Selbstorganisationen erleben zunehmende Unsicherheit und Sorge gegenüber öffentlicher Sichtbarkeit. Da Sichtbarkeit für Vernetzung und Interessenvertretung jedoch unverzichtbar bleibt, bedeutet Allyship, diese Last kontinuierlich mitzutragen, im Alltag Untersützung und Sichtbarkeit zu bieten.
– Kooperationen mit etablierten lokalen Akteur:innen sowie mit Sicherheitsbehörden können helfen, Vertrauen aufzubauen und gefährdete Gruppen zu schützen.
– Kommunikation auf Augenhöhe wirkt Polarisierung entgegen. Einladungen sollten Diversitätsmerkmale mitdenken und transparent benennen, welche Barrieren bereits berücksichtigt werden und welche noch nicht.
– Stabile, langfristige Förderstrukturen sind zentrale Voraussetzung für nachhaltige Demokratiearbeit.
– Die Entwicklung gemeinsamer Visionen und Werte ist ein verbindender Faktor: „Wofür machen wir das?“
Organisation
Das CORRECTIV Faktenforum ist ein Beteiligungs- und Rechercheprojekt des gemeinnützigen Medienhauses CORRECTIV. Ziel ist es, Menschen darin zu stärken, Desinformation zu erkennen, Fakten kritisch zu prüfen und gemeinsam faktenbasierte Debatten zu fördern. Neben professionellen Faktenchecks setzt das Projekt auf Community-Beteiligung, Bildungsangebote und lokale Vernetzung.
Inhalt der Session
Die Session beschäftigte sich mit der zunehmenden Verbreitung von Desinformation, Deepfakes und Informationsüberlastung sowie den Herausforderungen für Zivilgesellschaft und lokale Medien. Vorgestellt wurden Arbeitsweise und Beteiligungsmöglichkeiten des CORRECTIV Faktenforums – von gemeinschaftlichen Faktenchecks bis hin zu Schulungs- und Förderangeboten. Diskutiert wurde außerdem, wie Vertrauen in verlässliche Informationen gestärkt werden kann und welche Rolle lokale Medien spielen.
Wichtigste Erkenntnisse
– CORRECTIV versteht Faktenchecks nicht nur als journalistische Aufgabe, sondern auch als Bildungsarbeit. Ziel ist es, Menschen dazu zu befähigen, Informationen selbst kritisch einzuordnen und Desinformation besser zu erkennen.
– Im Faktenforum können Falschmeldungen direkt gemeldet und gemeinsam recherchiert werden – etwa per WhatsApp, Mail oder Forum. Vor jeder Veröffentlichung erfolgt ein weiterer letzter Faktencheck.
– CORRECTIV setzt stark auf Ausbildung und Community-Aufbau: Nach einem Onboarding-Workshop werden Teilnehmende in die Community aufgenommen, Missbrauch wird moderiert und sanktioniert.
– Desinformation verbreitet sich oft schneller als ihre Korrektur. Faktenchecks brauchen Zeit, weil Anfragen gestellt, Quellen geprüft und Rückmeldungen eingeholt werden müssen.
– Emotionalität spielt bei der Verbreitung von Falschinformationen eine große Rolle. Menschen suchen häufig eher Bestätigung für bestehende Überzeugungen, während Korrekturen deutlich weniger Aufmerksamkeit erhalten.
– Journalistische Arbeit hat eine Verantwortung: Beiträge sollten überprüfbar sein, Fehler transparent korrigiert und Redaktionsprozesse klar geregelt werden.
– Besonders im ländlichen Raum fehlen häufig starke lokale Medienstrukturen. In Mecklenburg-Vorpommern wurde die geringe mediale Berichterstattung zu politischen Themen als großes Problem beschrieben.
– Mit Projekten wie der Jugendredaktion „Salon 5“ sollen gezielt junge Menschen erreicht und Medienkompetenz früh gestärkt werden.
– Falschmeldungen können direkt bei CORRECTIV gemeldet werden, per WhatsApp, Mail oder über das Faktenforum. Nach einem Onboarding Workshop ist eine aktive Mitarbeit in der Community möglich.
– Bürgerstiftungen können über den „Faktenfonds“ Fördermittel von 500 Euro für lokale Projekte zu Desinformation und Faktenchecks beantragen. Der Antrag läuft über den Verein „Stiften für alle“.
– CORRECTIV bietet Handbücher und Lehrvideos (in Zusammenarbeit mit der Reporterfabrik) sowie konkrete Unterstützung für eigene Lokalmedienprojekte an.
Organisation
Die Pro Bono Allianz Deutschland vernetzt gemeinnützige Organisationen mit kostenfreien Beratungs- und Unterstützungsangeboten von Expert:innen. Die Allianz bündelt unterschiedliche Programme und Initiativen aus Bereichen wie Rechtsberatung, Digitalisierung, Organisationsentwicklung, Kommunikation oder Finanzierung. Ziel ist es, zivilgesellschaftliche Organisationen durch professionelles Fachwissen zu stärken und gleichzeitig Brücken zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen zu bauen.
Inhalt der Session
Die Session drehte sich um Erfahrungen mit Pro-bono-Angeboten und die Frage, welchen konkreten Mehrwert diese für gemeinnützige Organisationen bieten können. Vorgestellt wurden Struktur und Arbeitsweise der Pro Bono Allianz Deutschland sowie Beispiele aus der Praxis, insbesondere im Bereich Rechtsberatung. Diskutiert wurden außerdem Voraussetzungen für gelingende Zusammenarbeit, Unterschiede zwischen gemeinnütziger Praxis und Unternehmenslogiken sowie Potenziale, Pro-bono-Engagement langfristig stärker in Organisationen zu verankern.
Wichtigste Erkenntnisse
– Pro-bono-Angebote ermöglichen gemeinnützigen Organisationen Zugang zu professioneller Beratung und Expertise, die sie sich sonst häufig nicht leisten könnten. Unterstützt wird unter anderem in den Bereichen Recht, Kommunikation, Marketing, Digitalisierung, Coaching oder Organisationsentwicklung.
– Die Beratung wird von Fachkräften aus unterschiedlichen Bereichen übernommen – von Studierenden bis zu erfahrenen Berufstätigen oder Menschen im Ruhestand. Das Engagement erfolgt ehrenamtlich und kostenfrei.
– Pro-bono-Unterstützung richtet sich vor allem an gemeinnützige Organisationen, Vereine, Schulen oder Kitas. Direkte Beratung für Privatpersonen ist meist nicht möglich.
– Auch kostenlose Unterstützung braucht Ressourcen auf Seiten der Organisationen. Gute Zusammenarbeit erfordert Zeit, Planung, Verlässlichkeit und klare Kommunikation.
– Externe Berater:innen können manchmal die Realität ehrenamtlicher und gemeinnütziger Strukturen nur bedingt nachvollziehen. Gute Briefings und gegenseitiges Verständnis sind daher besonders wichtig.
– Die Zusammenarbeit bringt Vorteile für beide Seiten: Berater:innen lernen neue Lebensrealitäten und Arbeitsweisen kennen und entwickeln oft selbst Motivation für weiteres gesellschaftliches Engagement.
– Pro-bono-Arbeit hat eine Brückenfunktion – etwa zwischen Ost- und Westdeutschland oder zwischen Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
– Diskutiert wurde, wie Pro-bono-Angebote noch breiter und nachhaltiger aufgestellt werden könnten. Genannt wurden ganzheitlichere Unterstützungsansätze, die über einzelne Fachthemen hinausgehen.
– Programme wie startsocial bieten zusätzlich längerfristige Begleitung und Stipendienformate an.
Bei Vermittlungsprogrammen wie UPJ Pro wird geprüft, ob tatsächlicher Unterstützungsbedarf besteht und ob die Anfragen ausreichend vorbereitet sind. Teilweise wird ein kleiner Ernsthaftigkeitsbeitrag erhoben, der später zurückerstattet wird.
– Genannt wurden außerdem ergänzende Unterstützungsangebote wie 100xDigital der DSEE oder digitale Plattformen für Crowdfunding und Toolsuche wie AlternativeTo.
Organisation
Der LandFrauenverband Mecklenburg-Vorpommern e.V. setzt sich für die Interessen, Sichtbarkeit und politische Teilhabe von Frauen im ländlichen Raum ein. Im Rahmen des bundesweiten Projekts „Aktionsprogramm Kommune – Frauen in die Politik“ wurden in Vorpommern-Greifswald niedrigschwellige Beteiligungs- und Bildungsangebote entwickelt, um Frauen für kommunalpolitisches Engagement zu gewinnen und langfristig zu stärken.
Inhalt der Session
Die Session gab Einblicke in die Erfahrungen des Aktionsprogramms Kommune im Landkreis Vorpommern-Greifswald. Das „Aktionsprogramm Kommune – Frauen in die Politik“ wurde von 2021 bis Ende 2024 von der EAF Berlin in Kooperation mit dem Deutschen LandFrauenverband durch durchgeführt.
In der Session wurden verschiedene Formate wie der Politikführerschein, frauenpolitische Stammtische und Vernetzungsangebote vorgestellt, die Frauen den Einstieg in kommunalpolitisches Engagement erleichtern sollen. Diskutiert wurden außerdem die Herausforderungen ländlicher Regionen, prekäre Förderstrukturen sowie die Frage, wie Beteiligung langfristig niedrigschwellig und nachhaltig gestaltet werden kann.
Wichtigste Erkenntnisse
– Die Landfrauen verstehen sich als parteipolitisch unabhängig und wollen Brücken zwischen unterschiedlichen politischen Lagern bauen. Im Mittelpunkt stehen konkrete Themen des Alltags im ländlichen Raum, etwa Bildung, Versorgung oder Teilhabe.
– Vorpommern-Greifswald war eine von bundesweit elf ausgewählten Modellregionen im Aktionsprogramm Kommune. Die Umsetzung fand in einem politisch schwierigen Umfeld statt, das als „dunkelblaues Gebiet“ beschrieben wurde.
– Ausgangspunkt war eine Situation mit sehr geringer politischer Beteiligung von Frauen – etwa in Wolgast, wo es zeitweise keine einzige Frau im Stadtrat gab.
– Durch niedrigschwellige Beteiligungs- und Vernetzungsformate konnte der Frauenanteil in politischen Gremien erhöht werden. Auch eine Frau mit Migrationsgeschichte wurde in den Stadtrat gewählt.
– Besonders erfolgreich war der sogenannte Politikführerschein: ein modulares Bildungsangebot, das Frauen Grundlagen zu Kommunalpolitik, Kommunikation und politischer Positionierung vermittelte. Ziel war nicht nur, unmittelbare Kandidaturen, sondern auch langfristige politische Ermutigung zu fördern und Frauen die Teilnahme unabhängig von ihrer aktuellen Lebensphase zu ermöglichen (Flexibilität durch Modulsystem).
– Der Politikführerschein wurde gemeinsam mit Volkshochschulen umgesetzt und später bundesweit als Best Practice vorgestellt.
– Als nachhaltiger Erfolg entstand ein frauenpolitischer Stammtisch in Vorpommern-Greifswald, der bis heute besteht und Austausch sowie gegenseitige Unterstützung ermöglicht.
„Beteiligung fängt da an, wo Menschen zusammensitzen und sich trauen, zu reden.“ Dieses Verständnis prägte viele der vorgestellten Formate.
– Wiederholt wurde die Bedeutung langfristiger Gesprächs- und Vernetzungsräume betont. Gerade Erfahrungswissen und gegenseitige Ermutigung bräuchten Kontinuität und stabile Strukturen.
– Solange Frauen auf politischen Plattformen und in öffentlichen Debatten unterrepräsentiert sind, braucht es gezielte Förderstrukturen – und keine Projektlaufzeiten, die enden, bevor Wirkung entstehen kann.
– TIPP: bundesweite und parteiübergreifende Kontaktstelle Frauen.Vielfalt.Politik –
Organisation
Das Projekt „weitersagen“ sammelt ostdeutsche Umbruchserfahrungen und macht persönliche Geschichten als gesellschaftliche Erinnerungs- und Lernräume sichtbar. Gemeinsam mit der Lehstener Kulturalternative e.V. schafft das Projekt Gesprächsformate, in denen Menschen ihre Erfahrungen, Perspektiven und biografischen Prägungen teilen können. Ziel ist es, gesellschaftlichen Austausch, gegenseitiges Zuhören und neue Perspektiven auf aktuelle Debatten zu ermöglichen.
Inhalt der Session
Der Erzählsalon lud die Teilnehmenden dazu ein, sich anhand zentraler gesellschaftlicher Begriffe wie „Privilegien“ und „Solidarität“ über persönliche Erfahrungen und Prägungen auszutauschen. Ausgangspunkt waren Interviews mit Frauen aus Ostdeutschland und deren Umbruchserfahrungen. In kleinen Gesprächsrunden erzählten die Teilnehmenden jeweils mehrere Minuten lang von eigenen Erlebnissen und Gedanken – ohne Unterbrechung oder direkte Kommentierung durch die anderen.
Wichtigste Erkenntnisse
– Das Erfahrungs-Sammel-Mobil des Projekts „weitersagen“ wurde als Möglichkeit vorgestellt, ostdeutsche Umbruchsgeschichten sichtbar zu machen und für zukünftige gesellschaftliche Debatten nutzbar zu machen.
– Persönliche Geschichten und biografische Erfahrungen schaffen oft einen anderen Zugang zu gesellschaftlichen Themen als klassische Diskussionsformate.
– Die Begriffe „Privilegien“ und „Solidarität“ wurden von den Teilnehmenden sehr unterschiedlich erlebt und mit individuellen Erfahrungen verbunden.
– Das Format lebte davon, dass Menschen ohne Unterbrechung erzählen konnten und das Gesagte nicht direkt bewertet oder kommentiert wurde. Die Gesprächsrunden wurden von den Teilnehmenden als intensiv und berührend erlebt.
– Die Session zeigte, wie wichtig Räume für persönliche Erzählungen und Erfahrungen gerade in gesellschaftlich polarisierten Zeiten sein können.
Organisation
Der Landesverband Soziokultur Mecklenburg-Vorpommern e.V. vernetzt und unterstützt soziokulturelle Akteur:innen und Orte in Mecklenburg-Vorpommern. Der Verband beschäftigt sich mit Fragen kultureller Teilhabe, gesellschaftlichen Zusammenhalts und der langfristigen Stabilität soziokultureller Strukturen – insbesondere im ländlichen Raum. Bundesverband und Landesarbeitsgemeinschaften resp. Landesverbände haben die Aufgabe, die Arbeit der überwiegend freien, unabhängigen, nicht-kommerziellen soziokulturellen Zentren zu koordinieren und zu fördern sowie deren Interessen gegenüber der Öffentlichkeit und den politischen Gremien zu vertreten.
Inhalt der Session
In der Session wurde die Frage besprochen, wie stabile Orte der Soziokultur entstehen und erhalten werden können. Diskutiert wurden Herausforderungen bei gemeinsamer Sichtbarkeit, juristischer Absicherung, Förderbedingungen und der persönlichen Belastung Engagierter. Außerdem ging es um Unterschiede zwischen ländlichen und urbanen Räumen sowie um die Bedingungen für nachhaltiges Engagement vor Ort.
Wichtigste Erkenntnisse
– Zentrale Frage der Session war: „Wie gestalten wir gemeinsame Wirkung und Sichtbarkeit?“ (Beispiel „Rostocker Erklärung“ https://dievielen.de/erklaerungen/rostocker-erklaerung)
Beschrieben wurden „operative große Herausforderungen“ sowie „vielfältige Diskussionen zur Herstellung von Konsens“.
– Es ist eine Herausforderung, sich juristisch abzusichern, unter anderem über Satzungsänderungen.
– „Nicht alle Fälle lassen sich vorbereiten“ – es brauche immer wieder spontanes Krisenmanagement.
– Ein:e Teilnehmer:in berichtete über „verstärkte Kontrollen und Vorgaben zur Freigabe“ im Programm „Demokratie leben“.
– Aus dem Kreis der Teilnehmenden kam der Hinweis auf eine juristische Prüfung, „inwieweit inhaltliche Einmischung im Rahmen einer Förderung erlaubt ist“.
– Es gibt eine „Diskrepanz zwischen Engagement in ländlichen und urbanen Räumen“.
– In der aktuellen politischen Situation – insbesondere in Mecklenburg-Vorpommern und im ländlichen Raum – ist „oftmals die Grenze der persönlichen Belastbarkeit erreicht“.
– Engagement im ländlichen Raum ist nur nachhaltig, wenn es vor Ort entsteht und getragen wird.
Tag 1 – Zweiter Sessionblock
Organisation
Das Projekt Schafe vorm Fenster entwickelt digitale Dorfkalender für ländliche Regionen. Ziel ist es, lokale Veranstaltungen und ehrenamtliche Aktivitäten sichtbar zu machen und dabei bestehende Kommunikationslücken im ländlichen Raum zu schließen. Die Plattform bündelt Veranstaltungshinweise aus unterschiedlichen Quellen und macht sie niedrigschwellig zugänglich – digital und analog.
Inhalt der Session
Die Session stellte den digitalen Dorfkalender „Schafe vorm Fenster“ als Lösung für fragmentierte Kommunikation im ländlichen Raum vor. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie lokale Veranstaltungen sichtbarer gemacht werden können, ohne zusätzliche technische Hürden wie Apps oder Logins aufzubauen. Jan-Henrik Hempel zeigte, wie Veranstaltungshinweise aus sehr unterschiedlichen Quellen – etwa WhatsApp-Flyern, Messengergruppen oder Google-Kalendern – automatisiert gesammelt und veröffentlicht werden können. Diskutiert wurde außerdem, wie sich Kommunikationsstrukturen in Dörfern verändert haben und welche Bedeutung lokale Sichtbarkeit für Gemeinschaft und Ehrenamt hat.
Wichtigste Erkenntnisse
– Im ländlichen Raum läuft Kommunikation heute über viele Kanäle gleichzeitig – Amtsblatt, WhatsApp-Gruppen, Instagram, Aushänge – und trotzdem weiß kaum jemand von Veranstaltungen. Persönliche Netzwerke, die früher Infos weitergaben, sind vielerorts weggefallen.
– Der Dorfkalender bündelt Termine aus verschiedenen Sparten und Quellen an einem zentralen Ort und setzt dabei auf minimale Hürden: keine App, kein Login, nur eine google-bare Website – wer den Ortsnamen sucht, soll direkt Veranstaltungen finden. Analog verlängert er sich über Schaukasten-Ausdrucke mit QR-Code.Veranstaltungen können niedrigschwellig per WhatsApp eingereicht werden – eine KI liest den Flyer und trägt den Termin automatisch ein.
– Digitale Lösungen funktionieren besonders gut, wenn sie bestehende Kommunikationsgewohnheiten ergänzen statt ersetzen.
Organisation
Das Kulturlandbüro unterstützt kulturelle und demokratische Beteiligungsprojekte im ländlichen Raum Vorpommern-Greifswalds. Im Projekt „Spacemaker“ begleitet die Organisation Jugendliche dabei, eigene Jugendorte und Treffpunkte zu gestalten. Ziel ist es, niedrigschwellige Räume für Begegnung, Beteiligung und demokratische Teilhabe zu schaffen.
Die Amadeu Antonio Stiftung setzt sich für eine demokratische Zivilgesellschaft ein, die Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus entschieden entgegentritt. Sie unterstützt Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt und fördert zivilgesellschaftliche Initiativen in ganz Deutschland – besonders im ländlichen Raum. Ihr Fachwissen tragen sie durch Studien, Beratungen, politische Forderungen sowie aktive Presse- und Öffentlichkeitsarbeit in sozialen Medien und anderen Plattformen in die Gesellschaft.
Inhalt der Session
Die Session nahm die wachsende Mobilisierungskraft rechtsextremer Jugendgruppen in den Blick, insbesondere deren erfolgreiche Online-Strategien auf Social Media und fragte: Was können demokratische Akteur:innen dem entgegensetzen? Diskutiert wurden Erfahrungen aus der Praxis der Jugendarbeit, Herausforderungen im Umgang mit radikalisierten Jugendlichen sowie die Bedeutung von Beziehungsarbeit, Schutzkonzepten und niedrigschwelligen Begegnungsorten. Im Mittelpunkt stand die Frage, welche Rahmenbedingungen demokratische Jugendarbeit braucht, um langfristig wirksam zu sein.
Wichtigste Erkenntnisse
– Jugendliche werden am besten über bestehende Alltagsstrukturen erreicht – also dort, wo sie sich ohnehin aufhalten und Beziehungen bereits bestehen. Demokratische Beteiligung funktioniert eher über gemeinsame Interessen und Bedürfnisse als über direkte politische Ansprache.
– Beziehungsarbeit ist die zentrale Grundlage erfolgreicher Jugendarbeit. Dafür braucht es Zeit, Verlässlichkeit und flexible Kommunikationswege, die sich an den Lebensrealitäten junger Menschen orientieren.
– In Förderlogiken und Projektanträgen lässt sich dieser ressourcenintensive Beziehungsaufbau oft nur schwer abbilden. Die Realität der Jugendarbeit passt häufig nicht zu kurzfristigen Projektstrukturen.
– Rechtsextreme Gruppen füllen gezielt Lücken, online über Social Media und offline durch das Angebot von Gemeinschaft, Zugehörigkeit und Anerkennung dort, wo niedrigschwellige demokratische Räume fehlen.
– Demokratische Jugendarbeit muss deshalb funktionale Alternativen schaffen: Jugendliche brauchen Orte, Gruppen und Aktivitäten, die ähnliche Bedürfnisse nach Gemeinschaft, Handlungsfähigkeit und Erlebnissen erfüllen.
– Im Umgang mit radikalisierten Jugendlichen helfen häufig keine direkten Konfrontationen. Stattdessen können Irritationsmomente und alternative Erfahrungen Distanzierungsprozesse anstoßen.
– Da Betroffenenschutz immer Vorrang hat, kann Ausschluss notwendig sein. Nicht jede Einrichtung kann oder soll intensive Täter:innenarbeit leisten.
– Queere oder linksorientierte Jugendliche erleben sich im Alltag häufig als vereinzelt oder sozial isoliert. Demokratische Formate sollten deshalb gezielt Möglichkeiten schaffen, solidarische Netzwerke und sichere Räume aufzubauen.
– Ein diverses Team in der Jugendarbeit hilft dabei, unterschiedliche Lebensrealitäten besser zu verstehen und tragfähige Beziehungen zu jungen Menschen aufzubauen.
Organisation
Artikel1 ist ein offenes Netzwerk von Expertinnen und Experten in den Bereichen Kommunikation, Kreativität, Weiterbildung, Campaigning, Meinungsforschung und Strategie. Expertise wird über den Verein ehrenamtlich nutzbar gemacht, um nachhaltig starke Kommunikation für Demokratie und die Achtung der Menschenwürde aufzubauen. Artikel1 stärkt auch jene, die sich seit langem engagieren und für die gleichen Ziele arbeiten.
Inhalt der Session
Die Session beschäftigte sich mit der Frage, wie zivilgesellschaftliche Akteur:innen besser zusammenarbeiten und vorhandene Ressourcen gemeinschaftlich nutzen können. Vorgestellt wurde die digitale Demokratie-Plattform von Artikel1, die Engagement sichtbar machen sowie Unterstützungsangebote und Bedarfe zusammenführen soll. In der Diskussion ging es unter anderem um bestehende Netzwerkplattformen, Fragen von Vertrauen und Machtverhältnissen sowie darum, wie digitale Tools persönliche Beziehungen sinnvoll ergänzen können.
Wichtigste Erkenntnisse
– Die Plattform von Artikel1 entstand aus der Erfahrung der Coronapandemie heraus, als viele analoge Austausch- und Engagementstrukturen weggebrochen sind. Ziel war es, Verbindung und Zusammenarbeit digital aufrechtzuerhalten. Hier finden auch Menschen, die neue Initiativen oder Vereine aufbauen wollen, wertvolle Informationen
– Zentraler Ansatz der Plattform ist die Sichtbarmachung von Engagement: „Ich suche“ und „Ich kann geben“ sollen unkompliziert zusammenfinden. Ressourcen, Wissen und Unterstützung sollen einfacher geteilt werden können.
– Kleine und größere Initiativen sollen sich stärker vernetzen und gegenseitig in Öffentlichkeitsarbeit und Sichtbarkeit unterstützen.
– In der Diskussion wurde deutlich, dass bereits einige Plattformen und Netzwerke existieren. Wichtig ist deshalb weniger Konkurrenz als vielmehr die sinnvolle Verknüpfung bestehender Angebote.
– Persönliche Beziehungen und Vertrauen bleiben trotz digitaler Plattformen zentral. Mehrere Teilnehmende betonten, dass reines Online-Netzwerken analoge Begegnungen nicht ersetzen könne.
– Thematisiert wurden auch Macht- und Verantwortungsfragen: Wer trägt Verantwortung bei Schäden oder Konflikten? Wie kann Ressourcenteilung fair organisiert werden?
Deutlich wurde der Wunsch nach stärkerer Solidarität, besserer Koordination und nachhaltigen Unterstützungsstrukturen innerhalb der Zivilgesellschaft.
– Tipp: Die DSEE hat einen Technikpool (auf Leihbasis)
Organisation
Die No Hunger Outreach Foundation engagiert sich für Ernährungssicherheit, soziale Teilhabe und gemeinschaftsbasierte Unterstützungssysteme. Die Organisation arbeitet mit lokalen Netzwerken und Bildungsformaten, um Menschen aktiv einzubeziehen und nachhaltige Lösungen gegen Armut und soziale Ausgrenzung zu entwickeln. Ein Schwerpunkt liegt auf niedrigschwelligen Community-Projekten und Empowerment, insbesondere im afrikanischen Kontext.
Inhalt der Session
Die Session beschäftigte sich mit der Frage, wie sozialer Zusammenhalt durch gemeinschaftsbasierte Ansätze gestärkt werden kann. Anhand praktischer Beispiele aus der Arbeit der No Hunger Outreach Foundation wurde gezeigt, wie bereits kleine Initiativen konkrete Verbesserungen für Menschen vor Ort schaffen können. Im Mittelpunkt standen Beteiligung, nachhaltige Lösungen und die Bedeutung lokaler Netzwerke für Ernährungssicherheit und gesellschaftlichen Zusammenhalt.
Wichtigste Erkenntnisse
– Der Mensch ist Teil der Lösung. Gemeinschaften sollten nicht nur unterstützt, sondern aktiv in Lösungsprozesse eingebunden werden.
– Kleine lokale Initiativen können große Wirkung entfalten. Bereits überschaubare Veränderungen – etwa die Reparatur eines Generators in einem Waisenhaus – verbessern den Alltag vieler Menschen unmittelbar.
– Nachhaltige Lösungen brauchen langfristige Perspektiven statt kurzfristiger Einzelmaßnahmen.
Bildungsangebote und Empowerment, insbesondere für junge Menschen, sind eine wichtige Grundlage für starke Communities.
– Outreach-Programme über mehrere Monate helfen dabei, Vertrauen aufzubauen und Menschen dauerhaft einzubinden.
– Ernährungssicherheit wird als soziale Gemeinschaftsaufgabe verstanden. Beispiele wie Brot für die Welt, Acker e.V., Die Tafel oder der Ernährungsrat Berlin zeigen unterschiedliche Ansätze, Lebensmittelversorgung gemeinschaftlich zu organisieren.
– Genannt wurden außerdem lokale Initiativen wie LebensMittelPunkte oder der Food Campus Berlin als Beispiele für vernetzte und gemeinschaftsorientierte Ernährungsarbeit.
Soziale Angebote leisten nicht nur Versorgung, sondern auch können auch Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt stärken.
– Kleine Aktionen schaffen Hoffnung – und Hoffnung kann Ausgangspunkt für langfristige Veränderung sein.
Organisation
Der Verbund Entwicklungspolitischer Nichtregierungsorganisationen Brandenburgs e.V., kurz Venrob, beschäftigt sich mit gemeinschaftlichen Formen der Organisation und Zusammenarbeit im zivilgesellschaftlichen Kontext. Der Verein fördert Kontakte und die Zusammenarbeit von entwicklungspolitischen Nichtregierungsorganisationen im Land Brandenburg und vertritt die Interessen seiner Mitglieder auf Landesebe sowie in verschiedenen Gremien.
Inhalt der Session
In der Session wurden Ansätze aus der Soziokratie vorgestellt – insbesondere kreisförmige Entscheidungsstrukturen und Konsent-Verfahren –, die Zusammenarbeit transparenter, beteiligungsorientierter und nachhaltiger gestalten sollen. Die Session bot Raum für Austausch über Herausforderungen soziokratisch orientierter Gruppen und Initiativen – insbesondere rund um Entscheidungsprozesse, Ressourcenverteilung und Zusammenarbeit unter Druck.
Wichtigste Erkenntnisse
– Viele Initiativen erleben knappe Ressourcen, hohen Erwartungsdruck und gleichzeitig den Wunsch nach stärkerer Zusammenarbeit. Gerade in diesen Zeiten braucht es mehr Vernetzung und gegenseitige Unterstützung statt Konkurrenzdenken.
– Ressourcenteilung setzt funktionierende Entscheidungsstrukturen voraus. Gruppen müssen klären, wer wann welche Entscheidungen treffen kann und wie Verantwortung verteilt wird.
Klassische hierarchische Strukturen (Dreiecksform) führen oft dazu, dass Entscheidungen „oben“ gebündelt werden und dadurch Blockaden entstehen.
– Kreisförmige Strukturen – inspiriert von der Soziokratie – gelten als zugänglicher für ehrenamtliche Arbeit und fördern Beteiligung, inklusivere Kommunikationsräume sowie gemeinsame Verantwortung. Kreisprozesse lassen sich bereits im Kleinen praktizieren, etwa indem in Meetings alle nacheinander sprechen und ausreden dürfen.
– Zusammenarbeit in offenen Prozessen erfordert die Fähigkeit, Unsicherheiten, Spannungen und längere Entscheidungswege auszuhalten. Vertrauen in den gemeinsamen Prozess, transparente Kommunikation und tragfähige Beziehungen gelten als Grundlage dafür.
– Viele Gruppen stehen im Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach klarer Orientierung und dem Bedürfnis nach Offenheit und Beteiligung. Diskutiert wurde, wie sich Struktur geben lässt, ohne Menschen zu überrumpeln.
– Die Session hinterfragte außerdem gesellschaftliche Vorstellungen von Effizienz und Erfolg: Warum verbinden wir Schnelligkeit und Produktivität so stark mit guter Arbeit? Und wie können Gruppen bewusst andere Arbeitsweisen entwickeln?
– Als weiterführende Inspiration wurden unter anderem diese Methoden/ Konzepte genannt: Microsolidarity, Soziokratie 3.0 (S3), Holokratie sowie das Buch „Many Voices, One Song“ von Ted Rau
Organisation
Das Zentrum für Vielfalt und Inklusion M-V der Hochschule Neubrandenburg beschäftigt sich mit Fragen von Teilhabe, Vielfalt und inklusiver Bildung. Im Projekt „Inklusive Bildung M-V“ werden Formate entwickelt, die gesellschaftlichen Zusammenhalt erfahrbar machen und gemeinsame Lernprozesse fördern.
Inhalt der Session
Die Session bestand aus einer praktischen Übung zum Thema gesellschaftlicher Zusammenhalt: Kugeltransport in der Halbröhre (auch bekannt als „Pipeline“ oder „Murmelbahn“). Zwei Teams hatten die Aufgabe, jeweils eine Kugel mithilfe von Halbröhren in ein Ziel zu transportieren. Die Kugel muss immer in Bewegung in eine Richtung bleiben. Personen mit Halbröhre und Kugel müssen stehen bleiben. Anschließend wurden die Erfahrungen aus der Übung gemeinsam ausgewertet und auf gesellschaftliche Prozesse übertragen.
Wichtigste Erkenntnisse
– Als stärkende Faktoren wurden genannt: Teamarbeit, Vertrauen, gegenseitiges Bestärken, Übung, den Weg kennen, Sympathie, gute Fehlerkultur, Frauen*, Ziel und Regeln kennen.
– Als störende Faktoren wurden genannt: Wettbewerbsgedanke, Geschwindigkeit, Kontrollverlust, personelle Unterbesetzung, Performance-Druck, fehlender Überblick und fehlende Vernetzung.
– In der Übertragung auf gesellschaftliche Prozesse wurden genannt: Bewusstwerdung über „unsinnige“ Vorgaben und Mut zu neuen Wegen.
– „Als Team verstehen hilft ungemein.“
– „Gruppen sind keine Mannschaften – miteinander statt gegeneinander.“
– Weitere genannte Aspekte waren: Austausch und Partizipation, Zuhören und Aufmerksamkeit, Geduld, Fehlerkultur, gegenseitige Motivation, Vertrauen sowie „never give up“.
– Ebenfalls genannt wurde: „toxische Männlichkeit überwinden“.
Organisation
Das Betriebliche Beratungsteam (BBT) für eine diskriminierungsfreie Arbeitsstruktur in Mecklenburg-Vorpommern bietet kostenlose Unterstützung für Arbeitgeber:innen und Betriebe an. Das vierköpfige Team arbeitet ESF-gefördert und bietet kostenlose Unterstützung für Arbeitgeber:innen an, unter anderem bei Fragen zu Diskriminierung, Arbeitskultur, Beteiligung und demokratischen Strukturen am Arbeitsplatz.
Inhalt der Session
Die Session beschäftigte sich mit der Frage, was Menschen im Jahr 2026 an ihrem Arbeitsplatz in Mecklenburg-Vorpommern brauchen und welche Rolle demokratische und diskriminierungsfreie Arbeitsstrukturen dabei spielen. Vorgestellt wurden Arbeitsweise und Angebote des BBT sowie Erfahrungen aus der Zusammenarbeit mit Betrieben, Vereinen und Organisationen. Im Mittelpunkt standen Fragen zu Arbeitskultur, Beteiligung, Demokratieverständnis und Veränderungsprozessen in Organisationen.
Wichtigste Erkenntnisse
– Ausgangspunkt der Arbeit sind Lösungen und Ideen aus anderen Bundesländern sowie erfasste Unterstützungsbedarfe aus Mecklenburg-Vorpommern.
– Das Angebot richtet sich aktuell an alle Betriebe mit Interesse am Thema, einschließlich Azubis und Vereinen mit hauptamtlich Beschäftigten. Zusammenarbeit beruht auf dem Prinzip der Freiwilligkeit. Es gibt keinen Zwang zur Auseinandersetzung mit dem Thema.
– Das BBT unterstützt unter anderem beim Aufbau von Beschwerdestellen, bei Präventionsworkshops, Multiplikator:innen-Schulungen und mobilen Beratungsangeboten.
Beratung kann auch „an geschützten externen Orten“ stattfinden.
Ziel sei es idealerweise, „in Begleitprozesse mit Personen, die in verschiedenen Abteilungen arbeiten“, zu kommen.
– Als niedrigschwelliger Einstieg wird zunächst gefragt: „Was ist gut an eurem Arbeitsplatz?“ Erst im zweiten Schritt geht es um die Frage: „Was stört euch an der Arbeit im Betrieb?“
– „Demokratie hört nicht am Werkstor auf!“ Zur gemeinsamen Verständigung wurde die Unterscheidung von Demokratie als „Staatsform, Lebensform, Gemeinschaftsform“ genannt. Diese kann dabei helfen, eine gemeinsame Sprache zu finden, von Handwerksbetrieb bis Demokratieprojekt.
– Recruitingprozesse, Code of Conduct oder Handlungsleitfäden werden in vielen Betrieben bislang nur zögerlich angegangen.
– Das BBT versteht seine Arbeit auch als Vermittlungsarbeit zwischen Geschäftsführung, Abteilungen und Belegschaft.
– Bei gewalttätigen Vorfällen wird unter anderem an Lobbi oder Ausstiegsberatungen verwiesen.
Tag 1 – Dritter Sessionblock
Organisation
Abgeordnetenwatch (abgeordnetenwatch.de) gibt es seit 2004: Bürger:innen können dort öffentlich Fragen an Abgeordnete stellen und Abstimmungsverhalten, Ausschüsse oder Nebeneinkünfte nachschlagen. Ziel der Plattform ist es, Rechenschaftsdruck zu erhöhen. Ergänzend gibt es den Kandidierendencheck (kandidierendencheck.de) zur Orientierung vor Wahlen sowie Bildungsmaterialien für die politische Bildung. Die Plattform ist spendenfinanziert und arbeitet als Open-Data-Projekt – alle Inhalte sind zitierfähig.
Inhalt der Session
In der Session wurden die Angebote von Abgeordnetenwatch vorgestellt und auf Neustrelitz angewendet. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie digitale Transparenz- und Beteiligungstools lokale Demokratiearbeit stärken können. Diskutiert wurde unter anderem, wie Politiker:innen auf öffentliche Fragen reagieren, welche Wirkung Transparenz auf Vertrauen in Politik hat und wie das Tool in Bildungs- und Beteiligungskontexten eingesetzt werden kann. Außerdem ging es um Herausforderungen bei der Datenbeschaffung, insbesondere auf Landesebene.
Wichtigste Erkenntnisse
– Informationen zu Nebeneinkünften gibt es bisher nur auf Bundesebene – auf Landesebene fehlen die Daten, weil die Politik sie schlicht nicht liefert. In Mecklenburg-Vorpommern ist die Datenlage laut Team besonders dünn.
– Die Plattform zeigt transparent an, wie gut Parteien und Politiker:innen auf Bürger:innenfragen reagieren.
– Ein praktischer Hinweis aus der Session: E-Mails an Fraktionen versickern oft still. Öffentliche Fragen über die Plattform erzeugen dagegen Rechenschaftsdruck – das kann gezielt genutzt werden, etwa um Abgeordnete zu fragen, warum sie ein relevantes Projekt ignorieren, oder um ihnen nach einer Veranstaltung Ergebnisse zu schicken und um Rückmeldung zu bitten.
– Beim Kandidierendencheck setzt Abgeordnetenwatch anders als klassische Wahlprüfsteine auf individuelle Antworten einzelner Kandidierender und Abgeordneter.Parteien beantworten pauschale Wahlprüfsteine zunehmend seltener, weil die Menge an Anfragen kaum noch bearbeitbar sei.
– Bekanntheit und Nutzung auf Landesebene könnten noch deutlich stärker sein. Besonders auf Landesebene sind Wahlen Personenwahlen – hier kann das Tool Einschätzung einzelner Kandidierenden mehr leisten als ein Wahl-O-Mat.
– Lernkit mit Methoden und Fragestellungen für Bildungsarbeit und Workshops auf Anfrage bei wahlen@abgeordnetenwatch.de
Organisation
Die FRIEDA 23 ist ein interdisziplinäres Zentrum für Kunst, Medien und Bildung im Herzen von Rostock, untergebracht in einer ehemaligen Plattenbauschule im Szeneviertel Kröpeliner-Tor-Vorstadt. Das Haus bietet Werkstätten, Ateliers, Seminarräume, ein Kino, Tonstudios und Ausstellungsräume für zehn Kunst-, Kultur- und Medieneinrichtungen und versteht sich als zentrale Anlaufstelle für die freie Kulturszene der Stadt. Getragen wird es von der KARO gAG, einer gemeinnützigen Aktiengesellschaft, deren Aktionäre Kulturträger, interessierte Bürgerinnen und Bürger sowie Multiplikatoren aus der Rostocker Zivilgesellschaft sind.
Inhalt der Session
Das Projekt FRIEDA 23 wurde vorgestellt. FRIEDA 23 ist ein interdisziplinäres Kunst-, Medien- und Kulturzentrum im Rostocker Stadtteil Kröpeliner-Tor-Vorstadt. In einer ehemaligen Plattenbauschule vereint das Haus Ateliers, Werkstätten, Seminarräume, Tonstudios, Ausstellungsflächen, ein Programmkino sowie zahlreiche Kultur- und Bildungsinitiativen unter einem Dach. Trägerin ist die gemeinnützige KARO gAG. Ziel der FRIEDA 23 ist es, Freiräume für kreative, gesellschaftliche und kulturelle Projekte zu schaffen sowie Vernetzung, Bildung und kulturelle Teilhabe zu fördern. (FRIEDA 23)
Organisation
Die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) unterstützt bundesweit ehrenamtliches Engagement und zivilgesellschaftliche Organisationen – insbesondere in strukturschwachen und ländlichen Regionen. In der Session wurde das Projekt „Schutz und Prävention im Ehrenamt“ vorgestellt, das Vereine und Initiativen dabei unterstützen soll, sicherere Strukturen für Engagierte aufzubauen und Präventionsarbeit zu stärken.
Inhalt der Session
Die Session gab einen Überblick über Förder- und Unterstützungsangebote der DSEE rund um Schutz, Prävention und sichere Rahmenbedingungen im Ehrenamt. Vorgestellt wurden ein Mikroförderprogramm für kleinere Projekte sowie praktische Hinweise zur Antragstellung. Darüber hinaus ging es um konkrete Unterstützungsangebote wie Workshops und Selbstbehauptungstrainings für Engagierte.
Wichtigste Erkenntnisse
– Die DSEE baut eine zentrale Projektseite zum Thema Schutz und Prävention im Ehrenamt auf und verweist dort auf weiterführende Unterstützungsangebote.
– Über ein Mikroförderprogramm können Projekte mit bis zu 1.500 Euro gefördert werden. Unterstützt werden unter anderem Vorhaben zu Cyberdefense, Anti-Mobbing, Datensicherheit, Awareness oder Achtsamkeit.
– Ziel der Förderung ist es, Engagement sicherer zu machen, neue Zielgruppen einzubinden, Ehrenamtliche langfristig zu binden und Vereinsstrukturen zu stärken.
– Wichtig für erfolgreiche Förderanträge ist eine klare und konkrete Projektbeschreibung: Ziele, Maßnahmen, Laufzeit und Ausgaben sollten nachvollziehbar benannt werden.
– Förderfähig sind in der Regel nur Projekte, die nach Antragstellung beginnen. Rückwirkende Förderungen sind normalerweise ausgeschlossen.
– Die Förderziele müssen erkennbar zur jeweiligen Förderrichtlinie passen. Gleichzeitig helfen konkrete Zahlen und realistische Zielsetzungen dabei, Projekte greifbarer zu machen.
– Auch die Präsentation spielt eine Rolle: Ein verständlicher Aufbau, ein prägnanter Projekttitel und ein sorgfältig formulierter Antrag verbessern den ersten Eindruck.
– Originalität und ein klarer Mehrwert erhöhen die Chancen auf Förderung. Fördermittelgeber möchten verstehen, was ein Projekt besonders macht.
– Die Session vermittelte den Teilnehmenden ausdrücklich Mut zur Antragstellung: „Ihr könnt das.“ Wichtig sei, die eigene Kompetenz sichtbar zu machen und nachvollziehbar zu erklären, warum das Projekt umsetzbar ist.
– Ergänzend bietet die DSEE kostenlose Selbstbehauptungstrainings für Engagierte an. Außerdem ist das Beratungsteam per Mail unter hallo@d-s-e-e.de für Fragen rund um Förderung und Antragstellung erreichbar.
Organisation
Die Initiative Offene Gesellschaft (IOG) schafft Räume, Formate und Netzwerke, die demokratische Teilhabe im Alltag verankern. Sie entwickeln pragmatische Lösungen für Dialog, Beteiligung und Zusammenhalt – von der Nachbarschaft bis zur Kommune. Als Brückenbauerin stärkt die IOG Akteur:innen, die demokratische Kultur vor Ort gestalten: mit niedrigschwelligen Formaten, Aufbau von Allianzen, Strategieentwicklung und Advocacy für bessere Rahmenbedingungen.
Inhalt der Session:
Die IOG entwickelt im Projekt Depolarize derzeit ein modulares Workshopformat zu Polarisierung der Gesellschaft und Gegenstrategien. Zweck der Session war es, einen Entwurf des Workshops vorzustellen, Methoden mit den Teilnehmenden zu testen und ihr Feedback für die Weiterentwicklung einzuholen. Es gab einen kurzen Input über Polarisierung, eine Übung zu “Gemeinsamkeiten finden”, ein „Fehlannahmen-Quiz“ über politisch Andersdenkende, sowie ein Brainstorming zu weiteren Methoden für Empathie, Perspektivwechsel und werbebasierte Gemeinsamkeiten.
Wichtigste Erkenntnisse
Oberflächliche Gemeinsamkeiten sind weniger verbindend als gemeinsame Werte.
Das Quiz funktioniert besser als gemeinsamer Gesprächsöffner, als als kompetitives Spiel.
Es ist wichtig, eine sichere Atmosphäre zu vermitteln, in der man sich traut, eigene biografische Erlebnisse zu teilen.
Viele Menschen haben das Bedürfnis, über eigene Werte und Erfahrungen zu sprechen, statt die Meinungen und Positionen abstrakter oder fremder Personen zu hören. Die persönliche Begegnung macht viel aus.
Wie genau und zu welchem Thema man sich auf Basis von biografischem Erzählen austauscht, hängt stark von Gruppe und Kontext ab.
Es braucht Strategien für den Umgang mit grenzüberschreitenden Aussagen.
Organisation
Radio LOHRO ist ein freies Mitmachradio in Rostock und Teil der freien Bürgermedienlandschaft in Deutschland. In mehr als 30 Wort- und Musikredaktionen engagieren sich Jung und Alt. Hier senden Menschen von 10 bis 80 Jahren, aus unterschiedlichsten Branchen, Ländern und Schichten. Wer mitmachen will wird unterstützt durch Workshops, technische Einführung und gemeinschaftliche Redaktionsstrukturen.
Inhalt der Session
Die Session gab Einblicke in die Arbeit freier Radios und die Möglichkeit, ohne journalistische Vorerfahrung selbst Podcasts oder Radiosendungen zu produzieren. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Menschen – insbesondere marginalisierte Gruppen und junge Menschen – dabei unterstützt werden können, eigene mediale Stimmen zu entwickeln. Diskutiert wurden Einstiegshürden, Unterstützungsangebote freier Radios sowie die Bedeutung von Bürgermedien für lokale Öffentlichkeit und gesellschaftliche Teilhabe.
Wichtigste Erkenntnisse
– Freie Radios bieten niedrigschwellige Möglichkeiten, eigene Medienformate zu entwickeln – auch ohne journalistische oder technische Vorkenntnisse. Viele freie Radios unterstützen Interessierte mit Workshops zu Technik, Storytelling, Moderation und Sendungsaufbau. Dadurch entstehen erste praktische Zugänge zu Medienarbeit.
– Der Bundesverband Freier Radios bietet eine Übersichtskarte mit freien Radios in ganz Deutschland und erleichtert so den Einstieg und die Vernetzung.
– Freie Radios funktionieren häufig kollektiv organisiert. Menschen werden Teil einer Community, in der Austausch, gegenseitige Unterstützung und gemeinsames Lernen möglich sind.
– Es ist wichtig, marginalisierten Gruppen nicht nur Raum für Interviews zu geben, sondern sie dabei zu unterstützen, selbst eigene Sendungen zu gestalten und zu moderieren.
– Radio kann Hemmschwellen abbauen: Durch die vergleichsweise anonyme Form des Mediums fällt es vielen Menschen leichter, persönliche oder schwierige Themen anzusprechen.
– Lokale Medien und freie Radios haben eine hohe gesellschaftliche Bedeutung – gerade in Zeiten, in denen Lokaljournalismus vielerorts verschwindet.
– Einstiegsformate und offene Mitmachangebote sind zentral, um neue Menschen für Medienarbeit zu gewinnen.
– Bei Jugendlichen funktioniert Einstieg oft besser über bestehende Freundesgruppen. Gruppendynamik und gemeinsames Ausprobieren können Unsicherheiten reduzieren.
Das Jugendmedienprojekt „Nah dran – Medien für alle“ führt junge Menschen an journalistische und mediale Arbeit heran.
– TIPP: Wenn Ihr einen Idee für ein Programm habt, oder vielleicht marginalisierten Gruppen eine Stimme geben wollt dann meldet man sich einfach direkt bei den Radios.
Organisation
Das Bundesnetzwerk Zivilcourage vernetzt Vereine, Stiftungen, Organisationen, Institutionen, Trainer:innen und Einzelpersonen rund um die Themen Demokratie und Zivilcourage. Ziel des Netzwerks ist es, demokratische Werte zu stärken und Menschen zu ermutigen, Haltung zu zeigen. Ein zentrales Projekt ist der jährlich am 19. September stattfindende „Tag der Zivilcourage“. Jens Mollenhauer arbeitet als Gewaltpräventionstrainer, unter anderem in Kitas und Grundschulen, teilweise mit Handpuppen.
Inhalt der Session
Die Session stellte den „Tag der Zivilcourage“ und die Arbeit des Bundesnetzwerks Zivilcourage vor. Im Mittelpunkt standen Ideen und Beteiligungsmöglichkeiten für Aktionen rund um den 19. September sowie der Austausch darüber, wie Zivilcourage sichtbar und praktisch erfahrbar gemacht werden kann. Außerdem wurde über Netzwerkarbeit, bestehende Materialien und die Frage gesprochen, wie Menschen Haltung zeigen können, ohne sich selbst zu gefährden.
Wichtigste Erkenntnisse
– Das Bundesnetzwerk Zivilcourage arbeitet rein ehrenamtlich und ist bundesweit organisiert.
Der „Tag der Zivilcourage“ wurde vor etwa zehn Jahren ins Leben gerufen. Ausgangspunkt war laut Jens die häufige Medienfrage: „Wie geht man mit gewaltbereiten Jugendlichen um?“
– Der Fokus sollte nicht nur darauf liegen, „was Leute falsch machen“, sondern auch darauf, „was man gut machen kann“.
– Aus einem Kongress entstand zunächst das Netzwerk, anschließend wurde der 19. September als „Tag der Zivilcourage“ festgelegt. Gleichzeitig wurde betont: „Natürlich sollte man jeden Tag Zivilcourage zeigen.“
– Ziel des Aktionstages ist es, Aufmerksamkeit zu schaffen und Menschen zu bewegen. Das Netzwerk stellt Material für eigene Aktionen zur Verfügung, das teilweise durch Sponsoren finanziert wird. Eigene Aktionen können an das Netzwerk gemeldet werden und erscheinen anschließend auf der Website und der Aktionskarte.
– Genannte Aktionsideen waren unter anderem ein „Zivilcourage-Bingo“, Infostände oder Plakataktionen. Beispiel aus München: Für den Tag der Zivilcourage wurde ein Riesenrad gemietet. Menschen konnten kostenlos fahren, in jeder Gondel saß ein Demokratietrainer.
Das Netzwerk beteiligt sich außerdem am Deutschen Präventionstag.
– Ziel ist es, den Tag der Zivilcourage bekannter zu machen. Auch Polizeibehörden, beispielsweise in Hamburg, beteiligen sich an Aktionen. Regelmäßige Angebote des Netzwerks sind Courage-Stammtische und monatliche Online-Netzwerktreffen.
– In Mecklenburg-Vorpommern und Thüringen ist das Netzwerk bislang noch nicht stark verankert.
– Diskutiert wurde die Frage: „Wie zeigt man sicher Haltung, ohne sich selbst zu gefährden?“
Wichtig sei Begegnung „auf Augenhöhe“, auch mit radikalisierten Personen, „weil es wichtig ist, Beziehungen aufzubauen“. Radikale und gewaltbereite Personen dürfen nicht Teil vom Netzwerk sein.
– Das Netzwerk selbst bietet keine einheitliche Trainerausbildung an, verweist aber auf Angebote einzelner Mitglieder. Es gibt eine „grüne Liste“ mit Zivilcourage-Trainings.
– Die Finanzierung des Netzwerks ist schwierig, insbesondere weil es bundesweit arbeitet und als Dachorganisation organisiert ist. Finanziert wird vieles über Spenden von Betroffenen.
Organisation
Netty organisiert ehrenamtlich einen regionalen Markt in Loitz. Entstanden ist das Projekt aus dem Wunsch, lokale Produkte, sozialen Austausch und gemeinschaftliches Leben in der Kleinstadt zu stärken. Der Markt bringt regionale Anbieter:innen, selbstgemachte Produkte und Begegnungsangebote zusammen.
Inhalt der Session
Die Session gab Einblicke in die Entstehung und Organisation des regionalen Marktes in Loitz. Thematisiert wurden die lokalen Bedingungen vor Ort, Herausforderungen durch kommunale Rahmenbedingungen sowie die Bedeutung von Märkten als soziale Treffpunkte. Außerdem ging es um Fragen von Gemeinnützigkeit, ehrenamtlicher Organisation und konsumfreien Begegnungsformaten.
Wichtigste Erkenntnisse
– Netty organisiert seit über zwei Jahren immer mittwochs von 8–14 Uhr (März bis November) einen regionalen Markt in Loitz. Der Markt fördert den Betrieb regionaler und ökologischer Produkte, ist aber zugleich auch ein sozialer Treffpunkt für Menschen aus Loitz und den umliegenden Orten.
– Nach Änderung der Marktsatzung wurden Standgebühren erhoben, die über dem MV-Durchschnitt vergleichbarer Märkte liegen. Die Stadt lehnte Kostenreduzierungen ab. In der Folge wurde der Markt auf den Kirchhof bzw. im Sommer an den Hafen/Campingplatz verlegt. Seitdem ist das Verhältnis zur Stadt angespannt, der Markt steht in der Kritik, einige Besucher:innen blieben fern. Die Organisator:innen wollen trotzdem weiter den Markt ermöglichen.
– Diskutiert wurde, wie konsumfreie Angebote und Erweiterungen (z. B. Coffee-Bike, Sitzgelegenheiten, die durch Förderungen angeschafft werden konnten) den Markt als sozialen Treffpunkt, unabhängig vom Kaufanlass stärken können.
– Als Impulse genannt: kostenlose oder spendenbasierte Formate, z. B. „Sprechen und Zuhören“ (Antje Hinze) – Beispiel: Kreativgesellschaft Hamburg.
Tag 2 – Workshops & Exkursionen
Die Amadeu Antonio Stiftung engagiert sich gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus sowie für demokratische Kultur. Das Kompetenzzentrum Rechtsextremismus und Demokratieschutz entwickelt Strategien zum Umgang mit rechtsextremen Bedrohungen und zur Stärkung demokratischer Strukturen. Es beobachtet und analysiert aktuelle Entwicklungen im Rechtsextremismus, unterstützt Präventionsarbeit und begleitet zivilgesellschaftliche Akteur:innen dabei, handlungsfähig zu bleiben. Ziel ist es, praxisnahe Ansätze für Demokratieschutz und den Umgang mit Rechtsextremismus bereitzustellen.
Im Workshop wurden Strategien parlamentarischer rechtsextremer Akteur:innen vorgestellt sowie verschiedene Gegenstrategien aus Perspektive der Zivilgesellschaft diskutiert. Thematisiert wurden unter anderem Rechtspopulismus, gesellschaftliche Ursachen für den Zulauf zu rechtsextremen Parteien, Strategien der Raumnahme (besonders in ländlichen Räumen) sowie Möglichkeiten von Gegenöffentlichkeit und Vernetzung.
Wichtigste Erkenntnisse
– Rechtspopulismus nutzt zwei zentrale Abgrenzungen: „wir hier unten gegen die da oben“ sowie „wir gegen die anderen“.
– Rechtsextreme treten rechtspopulistisch auf, aber nicht alle Rechtspopulisten sind rechtsextrem-
Erklärungsansätze für die Wahl rechtsextremer Parteien: Benachteiligungsgefühle, Abstiegsängste und politisch-kulturelle Einstellungen.
– Es gibt nicht die eine Strategie, sondern verschiedene Handlungsoptionen, die je nach Situation kombiniert und angepasst werden müssen.
– Bei rechtsextremer Einflussnahme und Angriffen auf kommunaler Ebene:
Gegenöffentlichkeit schaffen, Vernetzung, alternative Finanzierungsmodelle sowie Beratungs- und Unterstützungsangebote.
– Erkenntnis einer Teilnehmerin: „Wir dürfen nicht vor lauter Entsetzen ins Schweigen verfallen.“
Genannt wurde außerdem: „Briefe an Abgeordnete und Medien bringen etwas.“
Lola für Demokratie e.V. macht sich stark gegen Antifeminismus und für eine geschlechtersensible Auseinandersetzung mit Rechtsextremismus. Als bundesweite Meldestelle dokumentiert LOLA antifeministische Vorfälle, macht antifeministische Zustände sichtbar und setzt sich für den Abbau von Diskriminierung, Geschlechtergerechtigkeit und Selbstbestimmung ein.
Feministische und gleichstellungspolitische Errungenschaften bzw. -forderungen, queere Emanzipationsbestrebungen und Geschlechtervielfalt werden durch politische Strategien der autoritären und extremen Rechten gezielt und massiv angegriffen.
Gerade bei öffentlich angekündigten Veranstaltungen mit feministischen oder queeren Inhalten besteht ein erhöhtes Risiko für Angriffe – etwa durch gezielte Online-Mobilisierung, Shitstorms oder Störungen und Bedrohungen vor Ort.
Der Workshop gab konkrete Anregungen, wie zivilgesellschaftliche Akteur*innen Sicherheit in der Planung und Durchführung von Veranstaltungen von Anfang an mitdenken können.
Wichtigste Erkenntnisse
– Gute Vorbereitung und präventive Entwicklung von Handlungsstrategien und -konzepten können zu einem besseren Schutz vor und Umgang mit Angriffen und Störversuchen beitragen.
– Es ist ein Prozess, bei der Veranstaltungsplanung Sicherheitsaspekte und Gefährdeanalysen in Bezug auf antifeministische Angriffe generell mitzudenken.
– Hilfreich sind Checklisten, Beratung und frühzeitiges Vernetzen mit anderen Organisationen, die sich im Bereich von Sicherheitsaspekten und Gefährdeanalysen auskennen, z.B. auch Security oder andere Anbieter empfehlen können
– Gute antifeministische Security-Firmen sind eine Marktlücke. Oft ist rechtes Gedankengut in den Firmen-Strukturen oder bei den Security-Angestellten verankert.
– Gut ist, wenn man im Vorfeld herausfindet, ob Störungen von außen geplant sind und gegen wen sie sich richten (hier auch alle Gruppierungen mitdenken: Gäste, Orga Team, etc)
– Falls es zum Störfall kommt: vorher festlegen, wer welche Rollen übernimmt. Wer im Team macht was?
– Störfälle können unterschiedlich aussehen: Auch wenn jemand das Mikro nimmt und die Diskussion in eine andere Richtung lenkt, kann das eine Störung sein. TIPP: nie das Mikro aus der Hand geben, Moderation besser durch Externe regeln.
– Wichtig vorab zu klären: Wer hat das Hausrecht beim Ort der Veranstaltung. Wer darf Menschen aktiv rausschmeissen? Einlassvorbehalt und Ausschlussklausel sollten vorher kommuniziert werden, damit rechtlich vom Hausrecht Gebrauch gemacht werden kann.
– Nach dem Störfall: Vorfall bei antifeminismus-melden.de melden. Den Störenden keine Bühne geben, indem man die Störung 1-1 nacherzählt in den eigenen Medien. Vielleicht gibt es eine andere Art den Fall zu diskutieren? Gegebenenfalls rechtliche Schritte einleiten, z.B. mit HIlfe von Gegenrechtsschutz
Zusammen bewegen ist ein Zusammenschluss aus hunderten engagierten Einzepersonen, Vereinen und Sozialverbänden aus Mecklenburg-Vorpommern. Das landesweite Netzwerk bündelt die Kräfte vieler, um sichtbare Veränderungen anzustoßen, schafft Räume für Begegnung und fördert echte Gemeinschaft. Zusammen bewegen tritt für eine offene und lebenswerte Gesellschaft ein, die die Zukunft in Mecklenburg-Vorpommern aktiv mitgestaltet.
Haustürgespräche haben sich in Wahlkämpfen und Mobilisierungskampagnen immer wieder als sehr erfolgreich erwiesen. Wenn wir unsere Mitmenschen von progressiv-demokratischen Haltungen überzeugen und sie für die Zivilgesellschaft aktivieren wollen, sollten wir diese Methode beherrschen. Max von Zusammen Bewegen erzählte im Workshop von seinen persönlichen Erfahrungen, die er bei der Kampagne für eine solidarische Nachbarschaft in Rostock-Toitenwinkel sammeln konnte und gab den Teilnehmenden einen Leitfaden für eine erfolgreiche Gesprächsführung mit an die Hand.
Wichtigste Erkenntnisse
– Persönliches Miteinander wird heutzutage wieder mehr wertgeschätzt. Haustürgespräche werden auch in der Politik immer mehr eingesetzt.
– Hilfreich für ein gutes Gelingen von Haustürgesprächen sind ein guter Einstieg, mehr Zuhören als selber Reden, Mitschreiben, freundliche und aufmerksame Ausstrahlung, sich auf das Gegenüber einlassen.
– Es empfiehlt sich, sich zu zweit ein Wohnhaus aufzuteilen, an der Tür aber allein das Gespräch zu führen.
– 5 Minuten Gesprächszeit sind ausreichend, wenn das Gespräch zu nichts führt, kann es auch abgebrochen werden.
– Jede dritte bis fünfte Tür öffnet sich. In einem Beispiel wurde für die Gründungsveranstaltung eines Nachbarschaftszentrum geworben, 4% aller Türen kamen, 12% aller geöffneten Türen.
– Haustürgespräche können Spaß machen und man kann viel dabei lernen. Bei Zusammen bewegen z.B. gibt es eine Anquatsch-AG, wo gemeinsam geübt, vorbereitet und ausgetauscht wird.
Jan-Henrik Hempel ist Gründer und technischer Leiter von Schafe vorm Fenster UG und arbeitet seit über 20 Jahren als Entwickler und Softwarearchitekt. Mit seinem Projekt, einem digitalen Dorfkalender für ländliche Regionen, erprobt er, wie Open Data und generative KI das Ehrenamt praktisch unterstützen können.
Der Workshop zeigte praxisnah, wie KI als digitaler Mitarbeiter für komplexe Aufgaben wie Fördermittelbeantragung eingesetzt werden kann – von der ersten Projektidee über die Recherche passender Förderprogramme bis hin zum fertig ausformulierten Antragsformular. Dabei erläuterte Jan-Henrik Hempel, wie KI mühsame Aufgaben wie Transkriptionen oder Textanpassungen übernehmen kann, damit mehr Zeit für die strategische und inhaltliche Projektarbeit bleibt.
Hier klicken für Präsentation und Handout zum Workshop
Wichtigste Erkenntnisse
– KI hat die Fördermittelbeantragung verändert: weg von repetitiven Schreibaufgaben und langen Korrekturschleifen, hin zu dem, was wirklich zählt: mehr Zeit für Gespräche mit Partner:innen, kreative Ideenentwicklung, strategische Ausrichtung.
– Gespräche mit Beteiligten, Partnern und Zielgruppen werden am besten als Audioaufnahme und nicht handschriftlich festgehalten. Die Aufnahmen können z.B. mit diesem Prompt per KI transkribiert und strukturiert werden: Du bist ein effizienter Redakteur. Analysiere den folgenden Text und wandle ihn in ein übersichtliches Dokument um: Extrahiere Kerninformationen, entwickle eine logische Struktur mit Kapiteln und Unterpunkten, verwende klare, neutrale Sprache und hebe wichtige Begriffe fett hervor.
– Die KI schlägt anschließend eine Gliederung vor (Hintergrund, Ziele, Zielgruppen, Maßnahmen, Kosten, Zukunftssicherung) und formuliert daraus ein vollständiges Projektkonzept aus, welches dann überarbeitet und angepasst werden kann.
– KI kann die Recherche nach Förderprogrammen strukturieren: Thema, Region und Projektzusammenfassung als Prompt eingeben, Programme nach Relevanz und Komplexität bewerten lassen, Schlüsselwörter je Förderer ausgeben lassen.
– Alle verfügbaren Dokumente zum ausgewählten Programm sammeln (Richtlinien, Webseite, geförderte Projekte) mit KI analysieren lassen und anschließend sprachlich anpassen
Formularstruktur von der KI analysieren lassen – Feldtypen, Zeichenlimits, inhaltliche Schwerpunkte. Dann Textbausteine generieren lassen, z.B. mit diesem Prompt: Fülle jedes Textfeld ausschließlich mit Inhalten aus dem Projektkonzept. Halte Zeichen- und Wortbegrenzungen EXAKT ein. Formuliere präzise und überzeugend, spiegle dabei die Schlüsselwörter des Förderprogramms wider.
– Wichtig: Das KI-Ergebnis immer manuell mit dem Originalformular abgleichen und die Texte selbst übertragen.
– Möglicher KI-Prompt für Absichtserklärung/Letter of Intent (LOI): Erstelle einen LOI und ein Anschreiben. Inputs: angepasstes Projektkonzept, Infos zum Kooperationspartner, Notizen aus Vorgesprächen. Gliederung: Interesse des Partners – Begründung der Unterstützung – Art der Zusammenarbeit. Ton: formal, aber unverbindlich.
– KI kann für die Kalkulation nur unterstützend helfen – Angebote einholen und rechnen bleibt manuelle Arbeit. Sinnvoll einsetzbar für: Kostenschätzungen recherchieren, den Finanzplan gliedern, Begründungen für einzelne Kostenpositionen formulieren. Auch hier: Prüfen nicht vergessen!
Serkan und Becci sind politische Medienbildner:innen bei CiviLink, einer Beratungsstelle für mehr Demokratie auf Plattformen. CiviLink unterstützt Demokratieprojekte im ländlichen Raum dabei, ihre Social-Media-Präsenz zu stärken und ihr Engagement sichtbar zu machen. Das Angebot umfasst praxisnahe Beratung, Workshops und eine wachsende Wissensplattform für wirkungsvolle Online-Kommunikation.
Im Workshop wurde erklärt, wie mit einfachen Mitteln und wenig Aufwand ansprechende Inhalte auf Instagram erstellt werden können – ganz ohne teure Tools oder Profi-Kenntnisse.
Wichtigste Erkenntnisse
– Instagram-Formate im Überblick: Stories, Reels und klassische Beiträge wurden als zentrale Formate genannt; besonders spannend seien Reels und Memes.
– Content-Anlässe aus dem Alltag nutzen: Gute Inhalte entstehen aus konkreten Momenten der Arbeit – nicht nur aus Endergebnissen oder Highlights, sondern auch aus Prozessen, Alltag und echten Einblicken. Dinge, die intern nicht besonders relevant erscheinen, können für die Community besonders spannend sein.
– Typische Content-Anlässe: Veranstaltungen, Projekte, Arbeitsalltag, Menschen, aktuelle Themen, Jahreszeiten und Interaktionen.
– Ressourcenschonend arbeiten: Rollen verteilen, Tonalität und Gestaltung festlegen, Redaktionsplan und feste Formate nutzen, Inhalte vorplanen, Tools/KI zur Ideenfindung einsetzen und Content recyceln (z. B. Blogbeitrag → Reel/Post).
– TIPP: Content-Anlässe für ein bis zwei Monate im Voraus sammeln und regelmäßig darauf zurückgreifen, damit Social Media im Alltag mitgedacht wird und nicht zur Zusatzaufgabe wird
BetterPolice e.V. ist ein Netzwerk und Verein, der sich für eine demokratische, diskriminierungskritische und menschenrechtsorientierte Polizeiarbeit einsetzt. BetterPolice bringt Menschen aus Polizei, Zivilgesellschaft und Betroffene polizeilichen Handelns zusammen, um über Sicherheit, Polizeikultur und Reformen ins Gespräch zu kommen.
Der Workshop begann mit einer Aufstellung im Raum zu Fragen nach Vertrauen in die Polizei und zur Aussage „All Cops Are Bastards“. Anschließend wurde aus dem Buch „Gegen das Klima der Gewalt. Unser riskanter Einsatz zwischen Polizei und Aktivismus für eine lebenswerte Zukunft“ gelesen und über Inhalte diskutiert. Thema waren unter anderem Polizei, Klimaaktivismus, gesellschaftliche Konflikte sowie Perspektiven auf demokratische Konfliktfähigkeit und staatliche Institutionen. Zum Abschluss wurde der neu gegründete Verein BetterPolice e.V. vorgestellt.
Wichtigste Erkenntnisse
– Bei der Aufstellung und auch im Gespräch zeigte sich, dass es viele Vorbehalte und wenig Vertrauen in die Polizei gibt.
– Das vorgestellte Buch wurde von Chiara und Hannah geschrieben geschrieben, zwei Freundinnen, einer Klimaaktivistin und eine Polizistin. Das Buch beschreibt Spannungen zwischen Klimakrise, Protestbewegungen, staatlichen Institutionen und gesellschaftlicher Polarisierung sowie Perspektiven an der Schnittstelle von Aktivismus, Polizei und gesellschaftlicher Verantwortung.
– Fragen aus der Runde waren unter anderem: „Wie geht es dir bei Aufgaben, mit denen du dich moralisch nicht wohlfühlst, wie z.B. Abschiebungen? Welche Möglichkeiten haben Polizist:innen da?
– Chiara hat den Verein BetterPolice e.V. mit gegründet und stellte diesen vor. „Alle sind eingeladen, mitzumachen.”
– Ziel des Vereins ist es, Räume für Austausch, Kritik und gemeinsame Lösungsansätze zu schaffen sowie Fragen von Vertrauen, Fehlerkultur, Transparenz und demokratischer Kontrolle der Polizei öffentlich zu diskutieren.
Lobbi MV (Ost) berät seit 2001 Betroffene, Angehörige und Zeug:innen rechter Gewalt in Mecklenburg-Vorpommern, führt eigenes Vorfallsmonitoring durch und stärkt die Stimmen gefährdeter Gruppen im öffentlichen Diskurs.
Im Workshop vermittelten die Berater:innen Wissen zu Auswirkungen rechter Gewalt, beleuchteten Hürden beim Einschreiten aus Zeug:innenperspektive und erarbeiteten mit den Teilnehmenden handlungspraktische Ansätze zur Unterstützung Betroffener.
Wichtigste Erkenntnisse
– Definition Gewalt: körperliche Angriffe oder vehemente Sachbeschädigung
– Lobbi arbeitet täglich mit Medien- und Polizeimeldungs-Screenings und führt eigenes Vorfallsmonitoring durch, da die Polizeistatistik unzureichend ist. 2025 neuer Höchststand: 175 rechte Angriffe in MV, rund ⅓ der Angegriffenen waren Kinder (meist wegen rassistischer Motive)
Rostock und Schwerin sind Hotspots rechter Gewalt (stärkere Meldenetzwerke, aber auch mehr Gelegenheiten)
– Die Website Kein Vergessen MV erinnert an Todesfälle durch rechte Gewalt. Auf dieser Website des Verbands der Beratungsstellen für Betroffene rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt sind alle Opferberatungsstellen in Deutschland aufgeführt.
– Was bedeutet Solidarität: die eigene Position nutzen und zur Verfügung stellen, damit Betroffene mehr Gehör finden und stärker, weniger marginalisiert und besser geschützt sind.
– Mechanismus von Hate Crimes: Angreifende vergrößern ihren Raum und verkleinern den der Angegriffenen. Solidarische Interventionen können diesen Mechanismus aufbrechen.
– Nervensysteme reagieren unterschiedlich auf Gefahrensituationen. Klassisch ist das Fight-Flight-Freeze-Modell, mittlerweile wird auch die Kategorie Fright/Faint (sich unterwerfen, ohnmächtig werden oder totstellen) benannt.
– In Angriffssituationen zeigen sich Menschen weniger solidarisch, wenn andere sich unsichtbar machen. Einen besonders negativen Effekt hat es, wenn (vermeintliche) Autoritäten nicht eingreifen (Uniformierte, Schaffner, Bürgermeisterin o. ä.)
TIPP: Wichtige Fragen, die wir uns stellen können, wenn wir Angriffssituationen beobachten:
– Was verliere ich/andere, wenn ich nicht interveniere?
– Wie weit bin ich bereit zu gehen – laut oder leise?
– Geht es um mein Unbehagen oder um die betroffene Person?
– Wie baue ich Verbindung auf und vergrößere deren Handlungsspielraum?
– Wie kann ich mich mit anderen verbünden?
Organisation
Der Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V. engagiert sich für den Erhalt und die kulturelle Nutzung des historischen Domjüch-Geländes am Rand von Neustrelitz. Die ehemalige Landesirrenanstalt aus dem Jahr 1902 ist heute ein denkmalgeschützter Ort mit bewegter Geschichte – von der Psychiatriegeschichte über die NS-Zeit bis zur sowjetischen Nutzung nach 1945. Der Verein organisiert Ausstellungen, Führungen, Konzerte und Kulturveranstaltungen und arbeitet die Geschichte des Ortes öffentlich auf. Ziel ist es, das Gelände als Erinnerungs-, Kultur- und Begegnungsort langfristig zu erhalten.
Bericht
– Die Exkursion zum Gelände der ehemaligen „Landesirrenanstalt“ Domjüch verband auf eindrückliche Weise Geschichte und Gegenwart. Bei einer Führung erfuhren Interessierte mehr zu diesem Ort – vom einstigen medizinischen Vorzeigeprojekt über seine Rolle in der NS-Zeit bis hin zur heutigen Nutzung.
– Die Vorsitzende Christel Lau gab Einblick in die Arbeit des seit 2011 auf dem Gelände der ehemaligen „Landesirrenanstalt“ aktiven Vereins. Der Verein kümmert sich nicht nur um den Erhalt und die Denkmalpflege des Geländes, sondern fördert auch die Erinnerungsarbeit, historisch-politische Bildung, Kunst und das zivilgesellschaftliches Engagement an diesem Ort.
– Ein Besuch der ehemaligen “Landesirrenanstalt” Domjüch ist in der Saison bis zum 3. Oktober immer Sonntags 14-17 Uhr zu öffentlichen Führungen (Start jeweils 14:30 Uhr) möglich. Es können auch Foto-Touren oder Einzel- und Gruppenführungen individuell vereinbart werden. Christel Lau kümmert sich mit einem Team aus 15 Ehrenamtlichen um die Pflege des Geländes und die Gästebetreuung. Auch für private Veranstaltungen sowie für Kunst- und Kulturprojekte oder Jugendangebote kann der Verein für die Nutzung des Geländes angefragt werden.
Kontakt: Verein zum Erhalt der Domjüch – ehemalige Landesirrenanstalt e.V.
Domjüchsee 1 bei Strelitz Alt
info@domjuechsee.eu
Tel. 03981 206195
Mobil. 0163 3841064
Organisation
Der Verstehbahnhof in Fürstenberg an der Havel ist ein Bildungs-, Kultur- und Makerspace im ehemaligen Bahnhofsgebäude von Fürstenberg/Havel in Brandenburg. Betrieben vom Verein havel:lab e.V., verbindet das Projekt digitale Bildung, gemeinschaftliches Lernen und offene Werkstattarbeit – insbesondere für Kinder und Jugendliche im ländlichen Raum. Im Verstehbahnhof können Menschen programmieren, reparieren, Medien produzieren, mit 3D-Druck oder Lasercuttern arbeiten und sich mit gesellschaftlichen Fragen rund um Digitalisierung austauschen. Ziel ist es, einen offenen Ort für Teilhabe, Kreativität und gemeinschaftliches Lernen zu schaffen.
Bericht
– Der Verstehbahnhof in Fürstenberg/Havel umfasst mit Co-Learning-Space, Werkstatt, Studio und Umsonstladen ein ganzheitliches Konzept verschiedener Orte in der Stadt, um gemeinsam zusammenzukommen.
– An den verschiedenen Orten gibt es Aktivitäten für alle: Reperaturcafé, Kinderdisco, gemeinsames Kochen → gemeinsame Aktivitäten verbinden Menschen aus Fürstenberg und der Umgebung
– Die Macher:innen vor Ort geben ehrliche Einblicke: Wie wurde der Ort aufgebaut, wie wird er getragen – und welche Erfahrungen haben sie dabei gemacht?
– TIPP: Um ein Angebot in einer Region zu etablieren, hilft es, nicht nur Menschen zu sich einzuladen, sondern vor allem auch die bereits bestehenden Angebote im Ort zu besuchen und so Interesse an bereits bestehenden Strukturen zu zeigen.
– Alle Interessierten sind eingeladen, sich das Angebot auf der Website des Verstehbahnhofs anzuschauen oder direkt Kontakt aufzunehmen: verein@havellab.org.
📷 Fotoalbum
Die Fotos können unter dieser Lizenz verwendet werden: CC BY-NC-SA 4.0. Diese umfasst die Verwendung für unkommerzielle Zwecke bei Namensnennung. Fotocredit: „Foto: Jasmin Valcarcel | Stiftung Bürgermut“.
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Wer wir sind?

Das openTransfer CAMP Zusammenhalt fand im Rahmen des Programms openTransfer Zusammenhalt der Stiftung Bürgermut statt.
openTransfer Zusammenhalt bietet eine Plattform für alle, die mit ihrer Arbeit den gesellschaftlichen Zusammenhalt im Osten Deutschlands stärken.
Zum Team openTransfer Zusammenhalt gehören: Friederike Petersen, Hannah Vongries, Josefa Baum & Lao Mälzer.
Die Veranstaltung findet im Rahmen des Programms openTransfer Zusammenhalt statt. openTransfer Zusammenhalt ist ein Programm der Stiftung Bürgermut und wird gefördert durch die Stiftung Mercator.
Hauptpartner:innen des openTransfer CAMP Zusammenhalt sind die Amadeu Antonio Stiftung und das Bündnis Zusammen Bewegen in Mecklenburg-Vorpommern.
Netzwerkpartner:innen: Artikel 1 – Initiative für Menschenwürde e.V. und RAA Mecklenburg-Vorpommern
Medienpartner: CORRECTIV

