Präsenzworkshop in Hamburg I Digital Ordnung schaffen, KI sinnvoll nutzen: Daten, Prozesse und Qualität im Mentoring

Wie bringe ich Struktur in meinen Projektalltag – und wie kann KI mich dabei sinnvoll unterstützen?

In diesem praxisnahen Workshop schauten wir uns an, wie digitale Tools und Künstliche Intelligenz helfen können, Daten, Kontakte und Prozesse übersichtlich zu organisieren und die Qualität im Mentoring zu stärken. Gemeinsam arbeiten wir an konkreten Anwendungsbeispielen, von Projektübersichten über Dokumentation bis hin zu KI-gestützten Zusammenfassungen und Routinen.

Mit einem Praxisimpuls zu codo – Das Daten-Tool für Mentoringprojekte (in Kooperation mit der BürgerStiftung Hamburg) sowie einem interaktiven Fachinput unserer Referentin Nevena Nikolajevic vom Civic Data Lab verbanden wir Strukturarbeit mit Ausprobieren. In Gruppenphasen testeten die Teilnehmenden eigene Anwendungsfälle und entwickelten erste Schritte für ihren Projektalltag.

Ergänzt wurde der Workshop mit einem bundesweit offenen 90-minütigen digitalen Meet-Up am 3. Juni zum Workshopthema.

Referentin Nevena Nikolajevic

Fotocredit: Civic Data Lab

Das Civic Data Lab unterstützt organisierte und nicht-organisierte Akteur*innen der Zivilgesellschaft dabei, gemeinwohlorientierte Ziele durch die Nutzung von Daten und KI besser zu erreichen. Teil des Angebotes (neben Kompetenz- und Netzwerkaufbau) ist es, die praktische Umsetzung von Datenprodukten zu unterstützen und dabei übertragbare Ergebnisse i.S.v. Open Source Code, Open Data, Checklisten und Anleitungen, Erfahrungsberichte usw. entstehen zu lassen. Auf diese Weise soll ein Beitrag geleistet werden, langfristig die Bedingungen für die Nutzung von Daten für die Zivilgesellschaft zu erleichtern. Dem Team ist es ein Anliegen, stets ein offenes Ohr an den realen Herausforderungen zivilgesellschaftlicher Organisationen zu haben, um so bedarfsgerechte Lösungswege zu entwickeln und aufzuzeigen.

Fotocredit: Civic Data Lab


Dokumentation des Workshops und des digitalen Meet-Ups

Wie können digitale Tools, gute Datenstrukturen und Künstliche Intelligenz den Projektalltag in Mentoring- und Patenschaftsprojekten entlasten und zugleich Qualität stärken? Mit dieser Leitfrage beschäftigte sich unser Workshop „Digital Ordnung schaffen, KI sinnvoll nutzen: Daten, Prozesse und Qualität im Mentoring“ am 28. Mai 2026 in Hamburg. Das Ziel des Workshops war, zu veranschaulichen: Digitalisierung und KI sollten nicht noch mehr Komplexität schaffen, sondern Orientierung, Entlastung und bessere Strukturen für die eigentliche Beziehungsarbeit im Mentoring ermöglichen.

codo – Das Daten-Tool für Mentoringprojektevorgestellt, welches Stiftung Bürgermutgemeinsam mit der BürgerStiftung Hamburg entwickelthaben. Hier wurde begreifbar, warum digitale Ordnung im Mentoring relevant ist: Sie kann den Projektalltag entlasten, Qualität sichern und Professionalisierung unterstützen. Besonders hilfreich war dabei der Blick in die Praxis anderer Organisationen aus der codo-Community. So wurde deutlich, dass gute Datenstrukturen nicht nur Verwaltungsaufwand reduzieren, sondern auch Matching, Begleitung, Überblick und Weiterentwicklung im Projektalltag erleichtern können. codo erschien dabei nicht als abstraktes Tool, sondern als eine Lösung „von der Community für die Community“, die aus realen Bedarfen im Mentoring entstanden ist. Nutzerbetonten, dass so z.B. ihr Büro ordentlicher wurde, da mit codo etwa Papierlisten verlässlich digitalisiert werden können.

Am Nachmittag vertiefte Nevena Nikolajević vom Civic Data Lab den Blick auf KI im zivilgesellschaftlichen Kontext. Ihr Workshopteil „KI – von Algorithmen zu Alltagshelfern“ verband Grundlagenwissen mit praktischer Anwendung. Thematisch reichte der Bogen von der Frage, was KI und maschinelles Lernen eigentlich sind, über neuronale Netze und KI in der Zivilgesellschaft bis hin zu gutem Prompting, Vibe Coding zur Verbesserung von Datenqualität und den Risiken von KI. Ziel war nicht nur ein technisches Grundverständnis, sondern vor allem ein Gefühl dafür, welche Anwendungen und Tools für die Arbeit in Non-Profit-Organisationen sinnvoll sein können und wie große Sprachmodelle effektiver und reflektierter eingesetzt werden können.

In Austauschphasen im Workshop tauschten sich die Teilnehmenden zu verschiedenen Fragen aus: Wo kostet der Projektalltag aktuell am meisten Zeit oder Nerven, und wo könnten Digitalisierung oder KI sinnvoll unterstützen? Dabei zeigten sich viele Bedarfe aus der Arbeitspraxis der Teilnehmenden: Datenbereinigung, Datenvisualisierung, Recherche, mehr Überblick über bereits vorhandene Tools oder das Anstoßen konkreter Prozesse zur besseren Nutzung von KI-Anwendungen. Zugleich blieben Fragen offen, die ins digitale Meet-Up mitgenommen wurden: Welche konkreten KI-Anwendungen nehmen wirklich administrative Arbeit ab? Welche lokalen oder datenschutzsensiblen Programme eignen sich? Welche Tools helfen auch kleineren Projekten weiter? Damit wurde deutlich, dass der Workshop nicht bei einem einmaligen Aha-Moment endete, sondern bewusst in einen längeren Lern- und Erprobungsprozess hineinführte.

Präzises Prompting hilft für digitale Ordnung

Das digitale Meet-Up am 3. Juni 2026 griff diese offenen Fragen auf und öffnete die Hamburger Inhalte zugleich für eine bundesweite Community. In 90 Minuten wurden zentrale Themen aus dem Workshop noch einmal verdichtet: ein kurzes Wrap-up, KI in der Zivilgesellschaft, Risiken von KI und vor allem die Frage, wie gutes Prompting in der Praxis helfen kann. Nevena machte deutlich, dass präzises Prompting Mitarbeitenden in zivilgesellschaftlichen Organisationen dabei helfen kann, bessere und gezieltere Ergebnisse für Recherchen, Übersetzungen, Textentwürfe, Datenanalyse oder Kampagnenarbeit zu erhalten. Das gilt gerade dort, wo mit knappen Ressourcen gearbeitet werden muss. Der gemeinsame Austausch im Meet-Up zeigte, welche Anwendungen bereits genutzt werden und wo weiterer Unterstützungsbedarf besteht. Dabei nannten Teilnehmende „roten Linien“, die besonders wichtig bei der Anwendung von KI sind: Datenschutz ist oberstes Gebot, persönliche Daten und Namen gehören nicht in KI-Tools, sensible Ergebnisse müssen fachlich geprüft werden, und möglichst EU-basierte oder offenere Tools werden bevorzugt. Das Meet-Up vernetzte die Teilnehmenden bundesweit, war ein Ort für kollegiale Beratung und gemeinsames Weiterlernen.

Workshop und Meet-Up haben zusammen gezeigt: Digitale Ordnung und KI-Unterstützung werden im Mentoring dann besonders wertvoll, wenn sie an realen Arbeitsprozessen ansetzen, konkrete Entlastung schaffen und mit einem klaren Blick auf Datenschutz, Qualität und Alltagstauglichkeit verbunden werden. Gerade in einem Feld wie Pat:innenschaften und Mentoring, die von Beziehungen leben, ist nicht die technisch spektakulärste Lösung entscheidend, sondern dass Mitarbeitende Anwendungen nutzen können, die ihnen im Projektalltag tatsächlich helfen.


Der Workshop findet im Rahmen des Programms openTransfer Patenschaften statt. openTransfer Patenschaften fördert die Vernetzung, den Wissenstransfer und die Verbreitung von Patenschafts-, Tandem, und Mentoring-Initiativen bundesweit. Alle Angebote des Programms sind kostenfrei. Mehr Informationen unter http://opentransfer.de/projekte/patenschaften/.

openTransfer Patenschaften ist ein Programm der Stiftung Bürgermut, gefördert durch das Bundesprogramm “Menschen stärken Menschen” des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

Daniel Männlein

Daniel Männlein ist Programmmanager im Programm openTransfer Patenschaften und gestaltet bundesweit Angebote für Patenschafts-, Mentoring- und Tandemprojekte. Er hat Sozialwissenschaften in Augsburg, Spanien und Berlin mit Schwerpunkt auf Stadt- und Migrationsforschung studiert. Vor seiner Tätigkeit bei der Stiftung Bürgermut sammelte er wertvolle Erfahrungen in der Projektförderung bei der Robert Bosch Stiftung, in der Projektarbeit bei zivilgesellschaftlichen Trägern und als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung (WZB).