Präsenzworkshop in Köln I KI verantwortungsvoll einsetzen: Diversität, Sprache und Fairness im Mentoring
Wie nutzen wir KI so, dass sie Teilhabe stärkt und nicht bestehende Ungleichheiten reproduziert?
In diesem praxisnahen Workshop setzten wir uns mit einer diskriminierungssensiblen und verantwortungsvollen Perspektive auf Künstliche Intelligenz auseinander. Gemeinsam schauten wir darauf, wie Bias, Machtstrukturen und gesellschaftliche Ungleichheiten in KI-Systemen vorkommen und wie sie sich im Mentoringkontext auswirken können. Gleichzeitig erprobten wir konkrete Anwendungsfälle und überlegen, wie KI gezielt eingesetzt werden kann, um Kommunikation inklusiver, zugänglicher und wirkungsvoller zu gestalten.
Mit einem Praxisimpuls aus der Initiative ‚Haltung zeigen – Vielfalt stärken‘ sowie einem interaktiven Fachinput unseres Referenten verbanden wir Reflexion mit Anwendung. In Übungsphasen testeten die Teilnehmenden Text-KI, arbeiteten an sensiblen Prompt-Formulierungen und entwickelten Leitlinien für euren eigenen Projektkontext. Ziel des Workshops war es, dass die Teilnehmenden besser einschätzen können, wo KI Risiken birgt und wo sie Potenziale für Empowerment, Barriereabbau und gerechtere Kommunikation eröffnet.
Ergänzt wurde der Workshop mit einem bundesweit offenen 90-minütigen digitalen Meet-Up am 23. Juni zum Workshopthema.
Referent

Christoph Hassler unterstützt, als selbstständiger Berater, Organisationen, KI- und digitale Produkte so zu gestalten, dass sie vertrauenswürdig, bias-arm und nutzerzentriert sind. Er ist ebenfalls als Dozent für Design-Strategie und Ethik tätig.
Fotocredit: Tobias Carl
Dokumentation des Workshops und des digitalen Meet-Ups
Wie kann Künstliche Intelligenz im Mentoringkontext so eingesetzt werden, dass sie Teilhabe stärkt und nicht bestehende Ungleichheiten reproduziert?
Mit dieser Leitfrage beschäftigte sich unser Workshop „KI verantwortungsvoll einsetzen: Diversität, Sprache und Fairness im Mentoring“ am 11. Juni 2026 in Köln. Der Workshoptag sollte sich darum drehen, dass es bei der Nutzung von KI nicht nur um Effizienz oder neue Tools, sondern auch um Sprache, Teilhabe, Repräsentation und Verantwortung geht. Dies gilt besonders im Kontext von Mentoring und Pat:innenschaften, also in einem Feld, das von Beziehung, Vertrauen und Kommunikation lebt. Entsprechend stand die Frage im Raum, wie KI in einem solchen Kontext genutzt werden kann, ohne Ausschlüsse, Stereotype und gesellschaftliche Ungleichheiten zu verstärken.
Ein kontininuierlicher Lernprozes: Diskriminierung mit Haltung begegnen
Den inhaltlichen Auftakt setzte Cheyenne Schellein von der ,Menschen stärken Menschen‘ Trägerorganisation Initiative ,Haltung zeigen – Vielfalt stärken‘ mit ihrem Praxisimpuls „Bilder, Sprache & KI – Eine kollektive Verantwortung“. Dabei ging es nicht nur um einzelne problematische Outputs von KI, sondern um die dahinterliegenden gesellschaftlichen Strukturen. Diskriminierung wurde beschrieben, als ein Phänomen, das sich in Bildern, Sprache und digitalen Räumen fortsetzt und gerade deshalb nicht losgelöst von KI betrachtet werden kann. Dabei kann es auch zu Mehrfachdiskriminierung (Intersektionalität) kommen. Wissen, Haltung und Verhalten sind die drei Ebenen, auf denen Individuen Diskriminierung im Alltag begegnen können. Die Auseinandersetzung mit Diskriminierung und diskriminierenden Strukturen ist ein fortlaufender Lernprozess von allen an Mentoringprozessen beteiligten Personen und über diesen Kontext hinaus individuelle Verantwortung.
In der anschließenden Peer-to-Peer-Phase richteten die Teilnehmenden den Blick auf ihre eigenen Arbeitsrealitäten. Im Mittelpunkt stand die Frage, wo Diskriminierung, Ausschluss oder Unsensibilität im Umgang mit KI im eigenen Arbeitsfeld bereits sichtbar werden. Dabei ging es um Sprache in Texten, Bilder und Darstellungen, Zielgruppenansprache, Recherche, aber auch um Unsicherheiten im alltäglichen Umgang mit KI. Der Austausch machte deutlich, dass viele Organisationen KI bereits neugierig erproben, zugleich aber noch nach Orientierung suchen, wie Prompts besser formuliert werden können und wie sich problematische Reproduktionen vermeiden lassen.

Hinter den Kulissen von KI stecken Menschen, das müssen wir bedenken
Am Nachmittag vertiefte dann unser Referent Christoph Hassler diese Fragen in seinem Workshopblock „Hinter den Kulissen von KI“. Dort ging es zunächst um rassistischen Bias in KI. Denn KI ist nie neutral, sondern KI-Anwendungen basieren auf Daten und auf Trainings durch Menschen. Das bedeutet, dass verzerrte und diskriminierende Wahrnehmungen von Menschen sich in KI-Anwendungen wiederfinden. Dahingehend bot der Vortrag von Christoph und die Praxisarbeitsphase viel Raum zur Reflexion. Teilnehmer:innen probierten selbstDatenlabeling undttikettierung aus und schließlich ging es um den Code of Conduct Demokratische KI. Die Teilnehmenden arbeiteten an konkreten Beispielen und setzten sich damit auseinander, wie maschinelle Zuschreibungen entstehen, wie sehr Daten, Kategorisierungen und dominante Perspektiven die Ergebnisse prägen und warum KI keineswegs neutral „denkt“. Gerade durch die Verbindung von Input, Übung und Reflexion wurde sichtbar, dass Bias nicht nur ein abstraktes Problem ist, sondern sich ganz konkret in Bildern, Sprache, Bewertung und Repräsentation niederschlägt.
Besonders wertvoll war dabei, dass der Tag nicht bei der Problembeschreibung stehen blieb. In der Transferphase ging es im Anschluss darum, die Erkenntnisse des Workshops in konkrete Handlungsmöglichkeiten zu übersetzen. Unter der Überschrift „Vom Aha zum Alltag der ethischen KI-Nutzung“ entwickelten die Teilnehmenden erste Leitlinien für ihre eigene Praxis. Dabei wurde der Code of Conduct Demokratische KI als Orientierungspunkt genutzt, um über persönliche Verantwortung, organisationale Regeln und sinnvolle nächste Schritte nachzudenken. So entstanden erste Ideen für kleine Codes of Conduct, für bewusstere Sprachentscheidungen, für den reflektierten Umgang mit Bildern und für klare Abwägungen dazu, wann KI im Projektalltag hilfreich sein kann und wann eben auch nicht.

Bias-sensivites Prompting ist keine „silver bullet“
Das digitale Meet-Up am 23. Juni 2026 knüpfte an diese Fragen an und vertiefte sie in einem bundesweit offenen Format mit einem besonderen Fokus auf bias-sensitives Prompting für sensible Zielgruppen. Gemeinsam mit Christoph Hassler wurden zentrale Aspekte aus dem Workshop weitergeführt. Christoph verdeutlichte, dass die Datengrundlagen, dominante Normen und Perspektiven der sog. „WEIRD-Länder“ die Antworten von KI-Systemen dominieren. Prompts lassen sich zwar so formulieren, dass sie sensibler, reflektierter und kontextbewusster mit Vielfalt, Repräsentation und Sprache umgehen, jedoch sind die zugrundeliegenden Daten nie frei von Bias, weswegen bias-sensibles Prompting zwar hilft, um bessere Ergebnisse zu bekommen,dieMethode ersetzt jedoch nicht das eigene kritische Denken und machtsensible Reflektieren der Nutzenden. Bias-sensitives Prompting ist demnach keine „silver bullet“. Das Meet-Up verband fachliche Impulse mit konkreten Beispielen und Austausch über den Projektalltag der Teilnehmenden. Ergänzt wurde das Format durch eine umfassende Linksammlung mit weiterführenden Ressourcen zu Bias, Repräsentation, offenen Sprachmodellen, machtkritischen Perspektiven und verantwortungsvollem KI-Einsatz.
Workshop und Meet-Up haben gemeinsam deutlich gemacht: KI verantwortungsvoll einzusetzen bedeutet nicht nur, Tools zu kennen, sondern auch, die eigenen Annahmen, Routinen und Kommunikationsweisen kritisch zu hinterfragen. Gerade im Mentoringkontext braucht es dafür Sensibilität, Reflexionsbereitschaft und den Willen, technologische Entwicklungen so zu gestalten, dass sie Menschen stärken, anstatt bestehende Ungleichheiten zu verstärken.
Die Worksfindet im Rahmen des Programms openTransfer Patenschaften statt. openTransfer Patenschaften fördert die Vernetzung, den Wissenstransfer und die Verbreitung von Patenschafts-, Tandem, und Mentoring-Initiativen bundesweit. Alle Angebote des Programms sind kostenfrei. Mehr Informationen unter http://opentransfer.de/projekte/patenschaften/.
openTransfer Patenschaften ist ein Programm der Stiftung Bürgermut, gefördert durch das Bundesprogramm “Menschen stärken Menschen” des Bundesministeriums für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

