Hamburger Hauptschulmodell – die Rolle von Netzwerken

Anfangs durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreitet, hat sich inzwischen ein Bundesnetzwerk gebildet, das die Skalierung des Modells organisiert. Davon profitieren neue wie auch etablierte Standorte.

 

Das Hamburger Hauptschulmodell zielt darauf ab, Jugendlichen mit Hauptschulabschluss einen Ausbildungsplatz zu vermitteln. Schulen, die Agenturen für Arbeit und Partner-Unternehmen arbeiten eng zusammen, um Jugendliche bei dem Übergang von der Schule in den Beruf zu unterstützen. Lehrer und Berufsberater begleiten Schüler ein Jahr lang und helfen ihnen bei der Berufswahl, der Ausbildungsplatzsuche und bei der Bewerbung. Personaler von Unternehmen wiederum führen mit den Jugendlichen simulierte Vorstellungsgespräche.

Der Erfolg des Hamburger Hauptschulmodells an 10 Pilotschulen im Jahr 2000 führte dazu, dass das Modell auf Wunsch des Hamburger Senats systematisiert und auf ganz Hamburg ausgeweitet wurde. Zwei weitere Phasen der Skalierung folgten: zunächst die offene Verbreitung in andere deutsche Regionen wie Frankfurt, Berlin und Nürnberg, dann die kooperative Verbreitung im Rahmen eines 2012 gegründeten Bundesnetzwerk Schule und Ausbildung. In der Diskussion mit Petra Lölkes, die das Hauptschulmodell für Frankfurt adaptierte und im Vorstand des Netzwerkvereins ist, stand vor allem die Frage nach der Rolle des Netzwerks bei der Verbreitung des Modells und nach den aktuellen und künftigen Herausforderungen im Vordergrund.

Petra Lölkes berichtete, welche Beweggründe zur Abkehr vom offenen Wissenstransfer hin zu einer kooperativen Verbreitungsstrategie durch die Gründung des Netzwerkvereins geführt haben. Die Idee des Netzwerkvereins entstand bereits 2007. Ein Grund waren die vielen Anfragen und wachsenden Koordinierungsaufgaben der Skalierung, die ohne eine zentrale Geschäftsstelle immer schwieriger zu bewältigen waren. Ein weiterer Grund war das Interesse der Akteure an einem organisierten Austausch. Sie wollten voneinander lernen, die Qualitätssicherung sowie die Weiterentwicklung und Verbreitung des Modells vorantreiben. Durch die finanzielle Förderung der Privat Equity Foundation aus Großbritannien konnte 2012 der Verein Bundesnetzwerk Schule und Ausbildung mit einer eigenen Geschäftsstelle gegründet werden. Die Geschäftsstelle des Vereins fungiert einerseits als Servicestelle und Austauschgremium für die Mitglieder des Vereins und koordiniert andererseits als zentrale Anlauf- und Beratungsstelle die Verbreitung des Hauptschulmodells.

Auf die Frage, worin ihrer Einschätzung nach die größten Herausforderungen für die Arbeit des Netzwerks bestehen, erklärte Petra Lölkes, eine zentrale Herausforderung seien die fördertechnischen Schwierigkeiten. Diese beträfen insbesondere die Frage, wer von den sehr unterschiedlichen kooperierenden Akteuren formal-rechtlich überhaupt Mitglied des Vereins werden darf. Auch die Strukturen des Vereins seien noch im Entstehen. Herausfordernd für die Skalierung des Modells seien darüber hinaus die unterschiedlichen Schulsysteme der einzelnen Bundesländer. Dies erfordere entsprechende Anpassungen des Modells und mache die Zusammenarbeit komplizierter, weil teilweise sehr unterschiedliche Strukturen und Agreements der Zusammenarbeit an den einzelnen Standorten bestünden. Generell sei die Zusammenarbeit mit den Schulaufsichtsbehörden ein wichtiger Erfolgsfaktor für die Skalierung des Modells. Eine dritte Herausforderung, vor der das Bundesnetzwerk Petra Lölkes zufolge steht, sei der Aufbau einer nachhaltigen Finanzierung. Derzeit finanziert sich das Netzwerk über eine zweijährige Anschubfinanzierung der Privat Equity Foundation und teilweise über Mitgliederbeiträge. Bis 2015 soll die Geschäftsstelle ein nachhaltiges Finanzierungskonzept entwickeln.

Das Lehrvideo zur Skalierungsstrategie vom Bundesnetzwerk Schule und Ausbildung:

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.