Dokumentation: Wie die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen gelingt

In Patenschafts- und Mentoringprojekten ist hauptamtliche- ebenso wie ehrenamtliche Arbeit entscheidend für das Gelingen des Projektes. Die Zusammenarbeit hat viel Potenzial: Die starke persönliche Motivation und individuellen Fähigkeiten der Ehrenamtlichen kombiniert mit der verbindlichen und fachlichen Expertise der Hauptamtlichen ermöglicht Synergien. Andererseits bestehen auch Herausforderungen: Unterschiedliche Erwartungen treffen aufeinander, die Ressourcen und Verfügbarkeiten sind verschieden. Dies birgt viel Konfliktpotenzial.

Das Digitale Training „Wie die Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen gelingt“ mit Jonas Harder konzentrierte sich auf die Berücksichtigung der jeweiligen Motivation, die Begleitung durch den Lebenszyklus des Engagements und den Umgang mit Konflikten. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Punkte haben wir hier zusammengestellt.

Motivation 

Bei der Aufnahme eines Ehrenamts greifen meist verschiedene Motive ineinander. Beispielsweise spielt die Identifikation mit den Werten und der Vision der Organisation, für die das Engagement erfolgt, eine Rolle. Weiter sind persönliche Erfahrungen gebraucht zu werden, etwas für andere zu tun oder in Kontakt mit anderen Menschen zu kommen Motive für die Aufnahme eines Ehrenamts.

Auch Hauptamtliche schöpfen ihre Motivation aus der Vision ihrer arbeitgebenden Organisation und der Verbundenheit mit anderen. Allerdings spielen auch Faktoren wie Gehalt, Karriere und zeitliche Ressourcen eine Rolle. Aufgrund der unterschiedlichen Motive, der Verfügbarkeit von Zeit, des Wissensvorsprungs und der Prioritätensetzung kann es zu Reibungen in der Zusammenarbeit kommen. Dies liegt u.a. daran, dass Faktoren wie zeitliche Ressourcen und Aufgabenpriorisierung bei Hauptamtlichen bzw. in Bezug auf Lohnarbeit anders gewichtet sind als im Ehrenamt.

Diese Gemeinsamkeiten und Unterschiede anzuerkennen und zu adressieren, bildet die Grundlage für eine gelingende Gestaltung der Zusammenarbeit. 

Um die Motivation hoch zu halten und die Verbundenheit zu verstetigen, bedarf es einer aufmerksamen und wertschätzenden Begleitung von Ehrenamtlichen.

Lebenszyklus des Ehrenamts 

Die Begleitung von Ehrenamtlichen von anfänglichem Interesse bis hin zur Beendigung/Unterbrechung des Engagements gilt es in Bezug auf die Zusammenarbeit zu berücksichtigen. Beispielsweise ist besonders der Übergang von der Gewinnung von Ehrenamtlichen hin zur Eingliederung in eine Onboardingstruktur entscheidend. Hierbei ist es wichtig, frühzeitig Commitment aufzubauen, indem Erfolgsgeschichten geteilt werden, Wissensvorsprünge minimiert und Verbundenheit durch einheitliche bzw. strukturierte Einarbeitungspläne gefördert wird. Angebote zum Austausch mit anderen Ehrenamtlichen und eine Abstimmung der Aufgaben auf die Interessen und Fähigkeiten der Engagierten können dabei z.B. hilfreich sein. Der Einsatz von digitalen Tools wie offen einsehbaren Kalender zur Terminplanung kann praktisch für beide Seiten sein. Die Beendigung bzw. Unterbrechung des Engagements sollte ebenfalls von Anfang an klar geregelt sein, etwa durch ein abschließendes Gespräch, bei dem gegenseitiges Feedback ausgetauscht wird. Solch eine Begleitstruktur soll gewährleisten, dass von Anfang an gegenseitige Erwartungen, Grenzen und Bedarfe wahrgenommen werden und auch nach Beendigung der Zusammenarbeit nicht Unmut und Unverständnis zurückbleiben.

Umgang mit Konflikten 

Konflikte lassen sich im zwischenmenschlichen Zusammenleben und -arbeiten nicht immer vermeiden. Wie im Fall der Fälle auf Konflikte reagiert wird, sollte klar geregelt sein und entsprechende Strukturen bzw. Maßnahmen greifen.

Um konkrete Handlungskompetenzen für alle aufzubauen, können Konflikttrainings angeboten werden, um bspw. einordnen zu können, um welche Art Konflikt es sich handelt. Geht es um eine Auseinandersetzung in der persönlichen Beziehung oder in der Zuteilung von Aufgaben und Rollen? Regelmäßige Feedbackgespräche helfen außerdem, Konflikte frühzeitig zu erkennen.

Der Umgang mit Konflikten erfordert Achtsamkeit, Verständnis und die Bereitschaft, Feedback konstruktiv anzunehmen und zu geben. Deshalb spielt es auch eine wichtige Rolle, mit Emotionen zu arbeiten, diese anzuerkennen und zu verstehen, wie sie das Verhalten beeinflussen.

Praxis-Tipp: Feedback-Burger

Wie kann ich wertschätzend ansprechen, was mir nicht gefällt?

Der Feedback-Burger kommt aus der gewaltfreien Kommunikation und beinhaltet die WWW-Methode: Wahrnehmung, Wirkung, Wunsch

Insgesamt betonte das Digitale Training die Bedeutung von unterschiedlichen Motiven, klaren Begleitstrukturen und konstruktivem Konfliktmanagement für eine erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Haupt- und Ehrenamtlichen.

Referent:

Jonas Harder ist systemischer Coach, kreativer Prozessbegleiter und Trainer für Mentoring und Teamarbeit. Er unterstützt sinnorientierte Organisationen dabei, mit digitalen Trainings, Moderationen und Prozessbegleitungen ihre Wirkung und Zusammenarbeit zu optimieren.


Dieses Angebot findet im Rahmen des Programms openTransfer Patenschaften statt. openTransfer Patenschaften fördert die Vernetzung, die Verbreitung und den Wissenstransfer von Patenschafts-, Tandem-, und Mentoring-Initiativen bundesweit. Alle Angebote des Programms sind kostenfrei.

Logo des Projektes openTransfer Patenschaften

openTransfer Patenschaften ist ein Programm der Stiftung Bürgermut mit Unterstützung durch das Bundesprogramm “Menschen stärken Menschen” des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.

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Christine Langer

Christine Langer ist bei der Stiftung Bürgermut als Projektkoordinatorin bei openTransfer #Patenschaften tätig. Sie studierte Internationale Entwicklung und Koreanologie in Wien und Seoul (Südkorea) sowie Gender Studies in Berlin (MA Gender Studies). Während ihrem Studium begann sie beim Lesben- und Schwulenverband Berlin-Brandenburg (LSVD) zu arbeiten wo sie nach ihrem Abschluss das Mentor:innen Programm für queere Geflüchtete leitete. Privat engagiert sie sich im Bereich (Queer-)Feminismus und Fußball.