Heimatstern e.V.: Hilfe für Geflüchtete in Griechenland

Icon__btn_Dokumentation_grossTilman Haerdle, Heimatstern e. V., auf dem openTransfer CAMP Refugees am 30.04.2016 in München

 
Wie sieht es eigentlich in den Flüchtlings-Camps an den europäischen Grenzen aus? Und wie kann man helfen? Diese und andere Fragen wurden in der Session des Heimatstern e. V. beantwortet.

Der Heimatstern e. V. hat es sich zur Aufgabe gemacht, zum einen geflüchteten Menschen das Ankommen in München zu erleichtern und zum anderen gemeinsam mit Kooperationspartnern Lebensmittel, Kleidung, Hygieneartikel, Medikamente und medizinische Hilfsmittel in Camps außerhalb Deutschlands zu bringen. Seit der Schließung der sog. „Balkanroute“ ist Griechenland zu einem Schwerpunkt der Aktivitäten geworden.

Von den Anfängen bis heute
Tilman Haerdle und eine Kollegin stellten zunächst dar, wie die Situation in den Flüchtlingscamps in Griechenland gerade sei und was es für Möglichkeiten gebe, sich vor Ort, aber auch von zu Hause aus zu engagieren. Haerdle beschrieb die derzeitige humanitäre Situation als katastrophal: Im September letzten Jahres habe es begonnen. Die Menschen kamen über die Balkanroute nach Deutschland. Damals sei es noch relativ einfach gewesen zu helfen, erinnerte sich Haerdle: „Die Menschen spendeten Kleider. Sie haben sich in kleinen Gruppen organisiert, sind einfach runter in die Länder entlang der Fluchtrouten gefahren und haben die Spenden verteilt.“ Sicherlich habe es auch damals die eine oder andere Hürde gegeben, meistens bürokratischer Art, aber die seien noch gut zu meistern gewesen. Dann seien die Grenzen dicht gemacht und ein Deal mit der Türkei ausgehandelt worden. Für die Helferinnen und Helfer vom Heimatstern e.V., aber auch für die geflüchteten Menschen habe sich ein Gefühl des sich rückwärts Bewegens eingestellt. Die Menschen sollten nun in die Türkei abgeschoben werden. Dagegen wehren sich viele vehement.

Ein Mann mit grauem Bart und Brille sitzt vor einer Schultafel und erklärt etwas.

Idonemi, das Camp an der griechisch-mazedonischen Grenze
Idomeni sei ein – im Unterschied zu den vom Militär geführten Camps in Griechenland – selbstorganisiertes Lager, das gerade in den letzten Wochen und Monaten viel mediale Aufmerksamkeit erhalten habe. Das Camp mit noch immer ca. 9.000 Bewohnern solle geschlossen und die Menschen in die vom Militär geführten Camps gebracht werden. Das Problem: In diesen fänden sich zu wenig freiwillige Helferinnen und Helfer. Nicht weil diese nicht bereitstünden, sondern weil vielen NGOs der Zugang zu den Camps verweigert werde. Das hänge damit zusammen, dass zwischen den Helferinnen und Helfern und dem Militär inzwischen ein großes Misstrauen entstanden sei. Ein wesentlicher Auslöser dürften die Ausschreitungen im April 2016 gewesen sein.

Eine neue Generation von Geflüchteten
Das Ergebnis dieses Konfliktes werde, so sei abzusehen, die Abschaffung selbstorganisierter Lager sein. Die Präsenz des Militärs sei dabei – anders, als ein Teilnehmer in der Session vermutete – für die geflüchteten Menschen gar nicht das grundsätzliche Problem. Sicher komme es auch in diesen Camps zu Randale. Dies habe aber weniger mit den Uniformierten zu tun als mit den katastrophalen Zuständen in diesen Camps. Zudem fände man hier eine neue Generation von Geflüchteten. Die Menschen in den Camps seien nicht mehrheitlich junge Männer, von denen medial immer wieder berichtet werde, sondern man fände hier verstärkt ganze Familien. Die Integration dieser vor Ort stelle sich jedoch als äußerst schwierig heraus. Das Problem seien dabei nicht zuletzt die Asylberater, die den Menschen weiterhelfen sollen. Diese befänden sich nicht in den Camps und müssten umständlich über Skype kontaktiert werden.

Humanitäre Hilfe statt Aktionismus
Die beschriebene Situation verlange nach einem gemeinsamen Vorgehen von Polizei, Militär und NGOs. Nur so könne den Menschen wirklich geholfen werden. Die großen Spannungen zwischen den Organisationen und der staatlichen und militärischen Gewalt müssten gelöst werden. Aktionismus helfe in den Augen der Sessiongeber hier nicht weiter. Vielmehr brauche es humanitäre Hilfe. Dabei müsse stark auf die tatsächlichen Bedürfnisse der Menschen geachtet werden. Das Problem sei nicht gelöst, indem man den Menschen Kleidung bringe. Die Sessiongeberin konnte sich noch gut an die Kleidungskonvois erinnern, die unbeirrt zu den Camps gefahren seien. Kleidung, die nicht gebraucht wurde, sei, wie ein Teilnehmer aus eigener Erfahrung berichten konnte, in einigen Camps aufgrund der schieren Masse verbrannt worden. Ressourcen, die anders sicherlich sinnvoller hätten eingesetzt werden können. Es sei wichtig, auf die Organisationen vor Ort zu hören. Die wüssten am besten, was benötigt werde. So habe Heimatstern zum Beispiel zeitweise Kochtöpfe gesammelt, da diese gebraucht wurden. Sie bedeuteten eine gewisse Autonomie für die geflüchteten Menschen. Empowerment sei hier das Stichwort, dem auch alle Teilnehmenden der Session zustimmten. Dies sei ein zentraler Baustein der Unterstützung vor Ort. Es sei wichtig, den Menschen die Möglichkeit zu geben, selbstständig Dinge in die Hand zu nehmen – sei es in Form von Kochzelten oder Bildungsangeboten.

Wie kann konkret geholfen werden?
Heimatstern sammle Sachspenden, die konkret gebraucht würden. Durch ihre Partner und Kooperationen vor Ort bekämen sie die genauen Bedarfe zeitnah gemeldet und könnten die Koordination in Deutschland durchführen. Sie sammelten die Sachspenden ein, stellten Transporte zusammen und brächten die Spenden in die Lager. Aber Heimatstern organisiere nicht nur die Koordination von Sachspenden, sondern auch von Zeitspenden. Wer sich direkt vor Ort engagieren möchte, könne dies mit ihrer Hilfe tun.

http://www.heimatstern.org/

Foto: Andi Weiland / opentransfer.de

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