Mit dem PIKSL-Team ins Gespräch kommen

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Das PIKSL-Labor auf dem openTransfer CAMP Inklusion in Dortmund am 21. März 2015

 

In Düsseldorf-Flingern hat das PIKSL-Labor seinen Sitz. Dort bieten Menschen aller Altersgruppen mit und ohne Lernbehinderung Computerkurse für Senior/innen an. In der lebendigen Session berichtete das PIKSL-Team von seiner Arbeit und stellte sich den Fragen des Publikums.

Neun Leute aus dem Team des PIKSL-Labors waren nach Dortmund gekommen, um in einer Session ihr Projekt vorzustellen. Dabei waren PIKSL-Mitglieder, die schon von Anfang an Teil des Projekts sind genauso wie „Neulinge“, die gerade ein erstes Praktikum bei PIKSL machen.

In Form eines Interviews stellte die Gruppe im  ersten Teil der Session die Arbeit von PIKSL gemeinsam vor. So enstand ein spannender Vortrag, der einen guten Einblick in das Projekt gab.

3 Mitglieder des PIKSL-Teams während der Session

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

PIKSL steht als Abkürzung für „Personenzentrierte Interaktion und Kommunikation für mehr Selbstbestimmung im Leben“. Es will Menschen mehr digitale Teilhabe ermöglichen. Daher werden im PIKSL-Labor Computerkurse zu vielen verschiedenen Themen angeboten. Außerdem werden gemeinsam mit Kooperationspartnern, z. B. mit der Uni Dortmund oder der Fachhochschule Düsseldorf, Forschungsprojekte durchgeführt. Daraus sind in einem Projekt Piktogramme entstanden, die in der Unterstützten Kommunikation für Menschen genutzt werden, die nicht lautsprachlich kommunizieren können. Ein anderes Projekt ist der Avatar Billie, ein virtueller Assistent für alte Menschen, der bei PIKSL getestet und weiter entwickelt wird.

Das Projekt PIKSL ist 2010 entstanden. Die Idee wurde in einem Workshop der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW in Düsseldorf-Kaiserswerth entwickelt. Von Anfang an waren die späteren Nutzerinnen und Nutzer des Labors an der Entwicklung beteiligt. Das Projekt ist an die Firma IGL („In der Gemeinschaft leben gGmbH“) angeschlossen.

Das Labor befindet sich in Düsseldorf, im Stadtteil Flingern. Es wird von Lernbehinderten genauso wie von Menschen ohne Behinderung besucht. Es ist also ein Ort für alle. Die Team-Mitglieder kommen dorthin, weil sie dort Freunde haben, weil sie gerne Computerspiele machen oder dort Facebook und andere Netzwerke nutzen. Außerdem bieten sie dort Kurse und Beratungen an. Sie erklären alten und jungen Leuten, wie PCs funktionieren, wie man auf Facebook kommt oder wie Computerspiele gehen. Es gibt dabei ein spezielles Angebot für Senioren. Die PIKSL-Experten setzen sich mit ihnen zusammen und fragen, was sie lernen möchten. Dann bringen sie es den Senioren bei. Dafür bekommen die Experten ein Honorar.

Seit September 2014 gibt es das Angebot PIKSL Mobil, um auch Menschen mit schwerer Mehrfachbehinderung zu erreichen. Menschen, die nicht ins Labor kommen können, werden per Bus in ihrem Stadtteil aufgesucht. Experten von PIKSL zeigen ihnen dann mit Tablets die digitale Welt und helfen ihnen dabei, sich diese zu erschließen. So können auch diese Leute am digitalen Leben partizipieren.

3 Mitglieder des PIKSL-Teams während der Session

Im zweiten Teil der Session stellte sich das PIKSL-Team den Fragen des Publikums. Ein Sessionteilnehmer wollte wissen, wie die Zusammenstellung bei den Seniorenkursen läuft, da ja manchmal die Pärchen aus Senioren und PIKSL-Experten vielleicht nicht zusammenpassen. Dazu erklärte das PIKSL-Team, dass die Senioren in einem ersten Gespräch ganz konkret gefragt werden, was sie lernen wollen (z. B. Online-Banking oder -Einkaufen). Daraus wird dann ein Plan erstellt, so dass die Zusammenarbeit immer recht gut läuft.

„Woher habt ihr diese Computer-Kenntnisse?“ lautete eine weitere Frage an die PIKSL-Experten. Sie berichteten, dass sie die Dinge auch im Labor gelernt haben. Das Projekt wurde zunächst für drei Jahre von der Stiftung Wohlfahrtspflege NRW finanziert. In diesem Rahmen wurden auch die PIKSL-Experten ausgebildet.

Mit der Finanzierung sieht es jetzt so aus, dass sich das PIKSL-Labor hauptsächlich durch Spenden trägt. Außerdem zahlen die Senioren eine geringe Gebühr für das genutzte Angebot. Davon wird die Ehrenamts-Aufwandsentschädigung an die PIKSL-Experten gezahlt. Es gibt auch Ideen für einen Beschäftigungsansatz, bei dem Unternehmen die Finanzierung übernehmen könnten. Ein Problem ist dabei allerdings, dass PIKSL als  Integrationsunternehmen nicht mehr dieselbe Offenheit hätte – z. B. bei der Zahlung von Ehrenamtsgeldern. Das Projekt steht also aktuell vor der Herausforderung, hier eine gute Form zu finden.

Auf die Frage, wie die Senioren zum PIKSL-Labor finden, erzählten die Teammitglieder von einigen Anlaufschwierigkeiten. Erst hatten sie Flyer im Stadtteil verteilt, woraufhin sich aber niemand gemeldet hat. Erst nach einem Artikel in der Rheinischen Post haben Leute bei PIKSL angerufen. Seitdem besteht eine sehr große Nachfrage nach den Angeboten. Daher sucht das Labor auch nach weiteren Leuten, die sich beteiligen möchten.  Was momentan besonders gut ankommt, ist das Tablet-Café. Hier wird den Leuten erklärt, wie ihre Tablets funktionieren. Denn es gibt viele ältere Menschen, die von ihren Kindern oder Enkeln ein Tablet geschenkt bekommen, aber damit gar nicht umgehen können. Deshalb haben sich die PIKSL-Experten in die verschiedenen Betriebssysteme eingearbeitet und können diese jetzt gut erklären. Wie gut das Angebot läuft, zeigt sich auch daran, dass die Menschen immer wieder kommen, wenn sie noch weitere oder neue Fragen zu ihrem Tablet haben.

Die PIKSL-Experten wurden außerdem gefragt, ob sie die ganze Woche im PIKSL-Labor sind, was sie sonst machen und wie sie dorthin kamen. Wie sie berichteten, sind manche von ihnen an fünf ganzen Tagen die Woche dort, andere arbeiten vormittags in einer Werkstatt und sind dann nachmittags bei PIKSL. Sie kamen zum Projekt, weil sie von Freunden davon gehört haben – es verbreitet sich also über Weitersagen. Elisabeth von PIKSL erklärt ihre Motivation zur Mitarbeit so: „Ich kann nicht lesen und schreiben, aber ich kann mit Computern umgehen.“

Die Ausstattung des PIKSL-Labors haben alle mitgestaltet. Besonders ist ein Schreibtisch, den die Mitglieder selbst entwickelt haben. Es ist ein Computertisch, der höhenverstellbar und so auch für Rollstuhlfahrer/innen gut nutzbar ist. Das Modell dieses Tisches wird mittlerweile von anderen Projekten und Einrichtungen angefragt und wird dann über PIKSL angefertigt.

Auf die Frage nach einem möglichen Transfer des Projekts an andere Orte, wurde geantwortet, dass es zwar viel Interesse daran gibt, dass aber die Finanzierung sehr schwierig sei. In Bielefeld gibt es ein ähnliches Projekt, das im Frühjahr eröffnen wird. Es ist mit Unterstützung von PIKSL entstanden und läuft über denselben Träger. Die Struktur ist aber etwas anders, da es an ein großes Forschungsprojekt gebunden ist.

Zum Ende hebt ein Mitglied des PIKSL-Teams noch einmal hervor, dass die Selbstverantwortung im Projekt ein besonderer Baustein sei. PIKSL funktioniere so gut, weil sich alle sehr mit dem Projekt identifizieren und daher gut auf ihren Ort achten. Es gibt zum Beispiel ein freies WLAN-Netz und es gab damit noch nie Probleme.

Links:

Ein Bericht über das openTransfer CAMP Inklusion vom PIKSL-Team: http://piksl.net/blog-vollansicht/items/pikslteam-besucht-opentransfer-camp-inklusion.html

zur PIKSL-Webseite: http://www.piksl.net/

PIKSL auf Facebook: https://www.facebook.com/PIKSLTEAM

Foto: Andi Weiland

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