Drachenboote bauen und dabei Deutsch lernen

Gerd Placke, Bertelsmann Stiftung, und Lucas Nördemann, Jugendhilfe Bethel, beim openTransfer CAMP #Ankommen am 24.09.2016 in Düsseldorf

Gerd Placke und Lucas Nördemann stellten das Projekt Sprachcamp „Drachenboot“ vor, erklärten das Konzept und diskutierten mit den Teilnehmenden über Möglichkeiten der Adaption.

Geflüchtete unterschiedlicher Herkunftsländer bauten im Sommer 2016 gemeinsam Drachenboote und verbesserten ganz nebenbei ihre Sprachkenntnisse. Hinter dem Projekt steht eine Kooperation der Jugendhilfe Bethel und der Bertelsmann Stiftung. In einem Pilotprojekt haben während der zweiwöchigen Projektlaufzeit insgesamt 28 Jugendliche an der Maßnahme teilgenommen und in zwei Gruppen jeweils ein Drachenboot gebaut. Bei den jungen Geflüchteten handelte es sich um Jugendliche zwischen 14 und 19 Jahren, die 2015 über die Balkanroute nach Deutschland gekommen sind.

Ein blonder junger Mann erklärt den um ihn Herumsitzenden etwas.

Auf dem Foto: Lucas Nördemann

Ablauf und Gelingensfaktoren
Jugendliche aus verschiedenen Heimatländern kommen zusammen, bringen verschiedene Muttersprachen und Niveaus der deutschen Sprache mit – und doch funktioniert es, dass alle miteinander Deutsch sprechen. So beschreiben es Gerd Placke und Lucas Nördemann, die das Projekt in kürzester Zeit von der ersten Idee zur Umsetzung gebracht hatten.
Und so sollte das Ziel erreicht werden: Gemeinsam werde ein Drachenboot gebaut, das dann auf Seetüchtigkeit geprüft werde, schließlich gebe es eine Exkursion auf nächstgelegenen See.
Selbst die Werkzeugkunde orientiere sich am Konzept des Projekts: Hammer, Säge und Schraubenzieher seien mit Beschriftungen auf Deutsch versehen worden. An dem Piloten hätten nur männliche Jugendliche teilgenommen, die von Erlebnispädagogen bei den praktischen Tätigkeiten begleitet und in das Handwerk eingeführt worden seien. Der Spaß stehe klar im Vordergrund, genauso wie das Kennenlernen untereinander.

Ist ein Transfer möglich und wie wichtig ist der Integrationscharakter?
Die Teilnehmenden an der Session hatten viele Fragen zur Konzeption und vor allen zu den Kosten des Projekts. Dazu erklärte Gerd Placke, dass vor allem die Produktorientierung eine tragende Rolle spiele: Während des Camps entstünde ein Produkt, das einen ganz konkreten Nutzen erfülle. Das Produkt sei dabei letztlich austauschbar. Die Maßnahme koste rund 15.000 € für Materialien, Personal sowie Unterkunft und Verpflegung.
Diese Kosten überschritten die finanziellen Möglichkeiten vieler anwesender Initiativen und Vereine, sodass gemeinsam überlegt wurde, wie Kooperationsmodelle aussehen könnten. So liege eine Kooperation mit Schulen nahe: Ein Beispiel sei eine Projektwoche, während der ein Drachenboot gebaut werden könne. Das gemeinsame Tun könne die Klassenbindung stärken.

Einig in der Session war man sich darüber, dass das Projekt einen wichtigen Beitrag zur Integration leisten könne. Dennoch bedürfe es auch Maßnahmen, die sich dem Übergang von Schule und Beruf widmeten. An dieser Stelle bestünde in Städten und Ballungsgebieten eine besonders hohe Nachfrage und fehlten Förderungen, die diesen Bereich dringend notwendig seien.

Foto: Thilo Schmülgen

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