Strategien im Überblick

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Welche Wege zur Verbreitung gibt es?

Für gesellschaftliche Probleme gibt es erfolgreiche Lösungsansätze. Allerdings schaffen es nur wenige, ihre Ansätze auch über ihre Ursprungsregion hinaus zu verbreiten. Es braucht aber erfolgreiche Ansätze, die möglichst viele Menschen erreichen. Transfer- und Skalierungsstrategien bieten hierzu Antworten, auch wenn es sicherlich keine Patentlösungen gibt.

 

Eines vorab: Skalierung und Transfer sind kein Selbstzweck und schon gar nicht zu jeder Zeit und für jeden Ansatz ein sinnvolles Unterfangen. Es gilt daher, sich vorab die Frage zu stellen, ob Zeit und Ansatz reif für die Verbreitung eines Projektes und damit die Entwicklung einer Transferstrategie sind.

Die Ziele sind bei allen Skalierungsstrategien gleich: Möglichst viele Menschen mit einem erfolgreichen Ansatz zu erreichen, um die Wirkung zu vergrößern. Dies kann in Form von Kooperationen, der Weitergabe von Wissen oder der Vergrößerung der bestehenden Organisation erfolgen. Zwei wichtige Aspekte helfen dabei, eine erste Richtung für eine Strategie zu entwickeln.

Partner und Kontrolle

Welche Rolle möchte ich als Organisation bei der Verbreitung spielen? Die Antwort auf diese Frage hängt im Wesentlichen davon ab, ob ich meinen Ansatz auch an Partner weitergeben möchte. Jede Form der Kooperation mit Partnern setzt voraus, dass ich bereit bin, Kontrolle an Partner abzugeben. Insofern ist eine der wichtigsten Fragen vorab: Bin ich bereit, meinen Ansatz mit anderen zu teilen und damit auch notwendigerweise Kontrolle abzugeben? Oder ist es für meinen Ansatz wesentlich, selbst die uneingeschränkte Kontrolle zu behalten?

Transferkosten

Der Transfer und die Skalierung von Ansätzen kosten Zeit und Geld. Ein Handbuch muss geschrieben, neue Partner müssen angesprochen und oft Verträge geschlossen werden. Es stellt sich die Frage: Welche Kosten und andere Ressourcen bin ich bereit, für den Transfer zu investieren? Die Rede ist hier von Transferkosten. Aber wie soll man diese bestimmen?

Transferkosten können eine sehr unterschiedliche Größenordnung haben: Zumeist entstehen Personal- und Reisekosten für die Suche nach dem Partner; es entstehen Kosten für die Vertragseinigung, eine mögliche Anpassung des Modells an die regionalen Bedingungen sowie Kosten für die Qualitätskontrolle, mögliche Schulungen sowie das Monitoren des Transfers. Auch wenn die genaue Höhe nicht immer im Voraus kalkuliert werden kann, so muss man sich im Vorfeld fragen, ob man für den Transfer eher geringe oder hohe Kosten investieren möchte.

Die Vier-Felder-Matrix verdeutlicht, welche Form der Transferstrategie zu einem passt, wenn man sich im Klaren darüber ist, wie viel Kontrolle man behalten und welche Kosten man investieren will:

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Diese vier Verbreitungsstrategien lassen sich unterscheiden

1. Wissenstransfer:

Die Tafelbewegung, die Montessori-Pädagogik oder das Hamburger-Hauptschulmodell haben es vorgemacht. Sie wurden anfangs durch die Weitergabe von Wissen verbreitet. Das heißt weitgehend ungesteuert, per Mund-zu-Mund-Propaganda, informelle Treffen und ohne einheitliche Materialien. Die soziale Wirkung wird hier also maximiert, ohne dass zwangsläufig die Organisation vergrößert oder langfristige vertragliche Bindungen eingegangen werden müssen. Diese Form ist im gemeinnützigen Sektor weit verbreitet, da sie die geringsten Kosten mit sich bringt und den Ansatz auf diese Weise in kurzer Zeit verbreitet. Auf der anderen Seite habe ich bei der Form des offenen Wissenstransfers auch nur eine sehr eingeschränkte Kontrolle über die Geschwindigkeit, die Umsetzung und deren Qualität.

Weitere Informationen zum Thema Wissenstransfer finden Sie hier.

2. Kooperationen mit Partnern:

Für Projektgeber, die ihre Ansätze gezielt verbreiten wollen und dabei auf klar definierte Qualitätsstandards nicht verzichten wollen, ist die Weitergabe per Kooperationsvertrag eine Möglichkeit. Der Projektgeber kann durch die Gestaltung der Verträge festlegen, wie und ob der eigene Ansatz vom Partner angepasst werden darf – also wie viel Gestaltungsspielraum dieser hat – und welche Rechte und Pflichten damit verbunden sind. Der Vorteil dieser Strategie ist, dass die Partner auch an den entstehenden Kosten des Transfers beteiligt werden können, das betrifft das Finanzielle ebenso wie den Einsatz von Manpower. Die Weitergabe an Partner kann durch vier Vertragsarten geregelt werden: Neben der Weitergabe innerhalb von Netzwerkvereinen bzw. -verbänden kann die Weitergabe durch Lizenzverträge, Social-Franchise-Verträge oder Joint-Venture-Verträge geregelt werden.

Die genauen Unterscheidungsmerkmale finden Sie hier: Kooperation mit Partnern

Für die Verbreitung eines Ansatzes innerhalb einer bestehenden Organisation gibt es zwei Strategien:

3. Kapazitäten erweitern:

Diese Form wird häufig vergessen, auch wenn sie im gemeinnützigen Sektor sehr häufig angewandt wird. Das vorrangige Ziel ist hierbei, mehr Menschen in einer Region zu erreichen, ohne gleich an eine überregionale Verbreitung zu denken. Die Organisation wächst also regional oder gestaltet die eigenen Prozesse effizienter. Viele Pilotvorhaben beginnen mit diesem Schritt, bevor über eine überregionale Verbreitung nachgedacht wird.

4. Geographische Expansion einer Organisation:

Die wohl bekannteste Form der Skalierung ist die geografische Expansion einer Organisation. Zumeist werden Filialen bzw. Büros in anderen Regionen gegründet, um auch dort Menschen zu erreichen. Die Organisation muss bei dieser Strategie aus eigener Kraft wachsen. Sie trägt die Kosten für die Skalierung und behält dafür aber auch die wesentliche Kontrolle. Partner müssen nicht gesucht, ausgewählt oder geschult werden.

 

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