Partner – ein Überblick

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Für einen Projekttransfer braucht es zwei Partner: Einen, der die Idee hat und verbreiten will und einen, der sie aufnehmen und an einem Ort umsetzen möchte. Dass hier die richtigen Leute und Organisationen zusammenkommen, ist für den Erfolg des Transfers entscheidend. Auf dem Weg vom ersten Flirt bis zum Eheversprechen.

Projektpartner können auf ganz unterschiedlichen Wegen zusammenkommen. Dabei besteht ein grundsätzliches Spannungsverhältnis, wenn es um die Verteilung von Rechten und Pflichten geht. Will der Projektinitiator die Fäden in der Hand behalten, kostet ihn das Geld und Manpower, beispielsweise für die Überwachung von Qualitätsstandards oder ein zentralisiertes Fundraising. Der Wunsch mancher Projektgeber, die volle Kontrolle zu behalten und dabei nicht übermäßig Zeit und Geld zu investieren, geht meist nicht in Erfüllung. Erhält der Projektnehmer hingegen mehr Spielräume, muss dieser auf mehr Ressourcen zurückgreifen.

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Praxisbeispiel 1 – die Lagerfeuermethode

Der Wiesbadener Kunstkoffer ist ein Projekt, das bei der Verbreitung einen eher unkonventionellen Weg der Partnersuche und -wahl genommen hat. Die Kunstkoffer sind eine Idee des Künstlers Titus Grab, der Kindern in benachteiligten Wohnquartieren ein offenes Kunstangebot machen wollte. Er baute ein Haltestellensystem auf, das er zu festen Zeiten mit seinem „Kunstkoffer“, einem Wagen voll mit Mal- und Bastelutensilien, abfährt. Die Kinder wissen genau, wann er da ist und sie unter freiem Himmel und ganz ohne Anleitung loslegen können. Die Idee wurde inzwischen in mehreren anderen deutschen Städten etabliert. Meldet jemand Interesse an, das Projekt in seine Stadt zu holen, dann gibt es ein erstes Gespräch per Telefon, im nächsten Schritt trifft man sich auf dem Gartengrundstück von Titus Grab. Dort verbringt man mit anderen Engagierten einen gemeinsamen Abend am Lagerfeuer, kocht gemeinsam, schnitzt und bastelt, lernt sich kennen. Ob man die gleiche Wellenlänge hat, stellt sich hier relativ schnell heraus. Um das „operative doing“ kennenzulernen, hospitiert der Kandidat zwei Wochen in Wiesbaden bei Titus Grab und lernt seinen Ansatz des freien Kunstangebots kennen.

Praxisbeispiel 2 – der Kritierienkatalog

Der Bunte Kreis unterstützt deutschlandweit in mehr als 70 Nachsorgeeinrichtungen Familien mit chronisch krebs- und schwerstkranken Kindern. Als Voraussetzung für den Projekttransfer hat der Bundesverband Bunter Kreis e.V. eine Reihe von Aufnahmekriterien entwickelt. Unter anderem dürfen ausschließlich Einrichtungen Mitglied werden, die entweder bereits an ein Krankenhaus angebunden sind oder mit einem Krankenhaus kooperieren. Diese Voraussetzung basiert auf den Vorgaben der Krankenkassen, über die sich die Nachsorgeeinrichtungen finanzieren. Zudem wird eine ausreichende Infrastruktur vor Ort garantiert. Um die Eignung eines Partners zu prüfen, werden Gespräche geführt sowie Informations- und Fortbildungsveranstaltungen angeboten. Die dauerhafte Mitgliedschaft im Bundesverband erfolgt erst nach der Akkreditierung, das heißt dem Nachweis, dass nach dem Modell Bunter Kreis gearbeitet wird. Dafür wird den Einrichtungen viel Unterstützung und Zeit zur Entwicklung gegeben.

Der passende Partner. Woran muss ich denken?

Eigenschaften

„Drum prüfe, wer sich ewig bindet“ – auch wenn eine Projektpartnerschaft selten für die Ewigkeit ist, sollte man sich im Klaren sein, was für einen Partner man wählen will. Machen Sie eine persönliche Liste. Besonders attraktive Eigenschaften könnten sein:

 

Sobald Sie eine Liste mit Kriterien erstellt haben, gewichten Sie diese. Überlegen Sie dann, wie und ob Sie mögliche Defizite der potenziellen Projektnehmer ausgleichen können. Vielleicht ist es wichtiger, dass der Projektnehmer in lokalen Netzwerken verankert ist, als dass er betriebswirtschaftliche Kenntnisse hat, wenn Sie dafür eine Schulung anbieten können.

Stimmt das Bauchgefühl?

Auch wenn die formalen Voraussetzungen für einen Projekttransfer gegeben sind, so muss doch auch die berühmte Chemie zwischen den Partnern stimmen. Letztendlich entscheidet häufig das Bauchgefühl: Sind Sie mit dem Projektnehmer auf einer Wellenlänge? Können Sie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit mit ihm aufbauen?
[quote]„Wenn sie dieselbe Idee im Kopf haben, dann klappt es – wenn nicht, dann hilft auch kein Vertrag.“ Dr. Michael Eckstein, BürgerStiftung Region Ahrensburg[/quote]

In welcher Region ist ein weiterer Standort sinnvoll?

Ein weiteres Kriterium für die Auswahl des Projektnehmers ist der Standort. Überlegen Sie: Welche Region ist für Sie strategisch wichtig – zum Beispiel weil dort der Bedarf am höchsten ist, sich das Projekt dort leicht finanzieren lässt oder weil Sie dort auf mehr öffentliche Aufmerksamkeit und Unterstützung hoffen können? Ein anderes Kriterien kann eine regional gleichmäßige Verteilung der Standorte sein.

Mit welchem Organisationstyp können wir gut zusammenarbeiten?

Bei der Wahl des Transferpartners sollten Sie sich überlegen, mit welchem Organisationstyp Sie kooperieren wollen. Möchten Sie mit bereits existierenden oder neu gegründeten Organisationen zusammenarbeiten? Beide Varianten haben ihre Vor- und Nachteile:

Bei bereits bestehenden Organisationen gibt es idealerweise schon Strukturen wie etwa funktionierende Marketing- oder Fundraising-Abteilungen. Damit können wertvolle Erfahrungen und Entwicklungsvorschläge eingebracht werden. Etablierte Organisationen sind vielfach schon in Netzwerke eingebunden. In ihrer Organisationsgeschichte können allerdings bestimmte Strukturen und Arbeitsweisen begründet sein, welche die Aufgeschlossenheit gegenüber neuen Ideen hemmen, sodass es möglicherweise einer stärkeren Anpassung des Projekts an den Projektnehmer bedarf, als der Sache guttut.

Junge, sich noch entwickelnde Organisationen können sich dagegen oft besser auf neue Arbeitsprozesse einlassen. Hier gibt es häufig noch keine eingespielte Organisationskultur, die mit der des Projektgebers kollidieren könnte. Allerdings können jungen Organisationen beispielsweise wertvolle Netzwerke fehlen.

„Wir müssen reden“ – Fragen, über die beide Partner sprechen sollten:

Text: Henrik Flor unter Verwendung von Inhalten der Broschüre „Nachmachen – aber richtig!“ des Projekts Effektn

Foto: Ryan McVay

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