Fuck up-Sesion: Was lief schief? Woraus können wir lernen?

Janne Dörge, von der VILLA, beim openTransfer CAMP #Patenschaften am 4. November 2017 in Leipzig

Die zentrale Frage der Session hatte ihren Ursprung im openTransfer PITCH FOR GOOD am Vorabend des Barcamps. Während ihrer Präsentation wurde Janne Dörge nach einem „ertragreichen Fehler“ gefragt. Dies nahm sie in ihrer Session auf und fragte nach „Fails“ und „Learnings“.

Um selbst den Anfang zu machen, erzählte Janne Dörge ohne Umschweife von völlig überfrachteten Pressemitteilungen, in denen sie viel zu viele Informationen untergebracht hatte – und die wenig Resonanz erzeugten. Heute weiß sie, dass gute Pressearbeit viel mit der Konzentration auf das Wesentliche zu tun hat – mit dem Effekt, dass Zeitungen und anderen Medien jetzt häufiger über ihr Projekt berichten.
Hartmut Fuchs von der Initiative „Willkommen in Döbeln“ stellte fest, dass sich die Probleme der Geflüchteten verändert haben, die Initiative aber nicht gleich darauf reagiert hat. Viele Teilnehmende der Session bestätigen, dass Kurse und andere Angebote oft an den realen Bedarfen vorbei gehen. Umfragen und Nachhaken im persönlichen Gespräch sind deshalb elementar wichtig ebenso wie der Austausch mit Projekten im Umfeld.

Die richtige Paarung
Eine weitere Herausforderung ist das richtige Matching von Patinnen und Paten sowie Geflüchteten. Dazu ein Beispiel aus dem Teilnehmendenkreis: Ein junger Geflüchteter wurde in ein Sprachtandem mit einer älteren Frau vermittelt. Die Chemie stimmte nicht, und der Altersunterschied war groß. Offen wurde das jedoch nicht ausgesprochen. Auch mit der neuen, jüngeren Tandempartnerin lief es nicht gut. Eher zufällig stellte sich heraus, dass die Freundin des Geflüchteten etwas gegen die Treffen mit der Studentin hatte, sodass diese nicht regelmäßig stattfanden. Eine mögliche Idee könnte eine Art „Speed Dating“ sein, bei dem man in kurzer Zeit viele mögliche Tandempartnerinnen und -partner kennenlernen kann. In diesem Format merken alle Beteiligten direkt, ob man sich sympathisch ist oder irgendwelche Barrieren den Lernerfolg bremsen. Ein Teilnehmer steuerte ein Beispiel bei, bei dem sich ein Geflüchteter beschwerte, dass sein Lernpate zu starkes Sächsisch sprach, worunter die Verständigung litt.

Eine junge Frau spricht in ein Mikro und gestikuliert.

Thema Wohnraum
Ein weiteres Negativbeispiel fand sich in Leipzig, wo es der „Kontaktstelle Wohnen“ zunehmend schwer fällt, Wohnraum für Geflüchtete zu finden. Vor allem für große Familien ab fünf Personen ist es fast aussichtslos, eine dauerhafte Unterkunft zu finden. Erschwerend kommen ungerechtfertigte Leistungskürzungen vom Jobcenter hinzu, wenn die betroffenen Familien nicht aus den Gemeinschaftsunterkünften ausziehen. Eine Idee des Leipziger Projekts ist nun die Gründung einer Dachgenossenschaft, die Wohnraum anmietet und dann an Geflüchtete weitergibt. Noch steckt dieses Vorhaben aber in der Anfangsphase.

Verträge und Fehlerkultur
Eine Vertreterin der Organisation Singa Deutschland schilderte, dass beim internationalen Transfer des Projekts keine Verträge geschlossen wurden und mangels Absprachen einige Dinge schief gingen. Inzwischen sichert die gemeinnützige UG ihre Marke vertraglich ab, bevor ein neuer Standort diese nutzen darf.
Ein grundlegendes Problem sehen die Teilnehmenden auch in der zwiespältigen Außenwirkung von Fehlern. Die Presse berichtet meist über positive Beispiele, die Realität zeigt aber, dass Tandems und Patenschaften auch scheitern können. Grundsätzlich macht es Sinn, regelmäßig zu überprüfen, inwieweit es noch Bedarf für ein Projekt gibt und welche Wirkung dieses überhaupt erzielt. Entsprechende Tools bietet zum Beispiel das gemeinnützige Analyse- und Beratungshaus Phineo mit dem Portal wirkung-lernen.de.

https://villa-leipzig.de/

Foto: Thilo Schmülgen / opentransfer.de

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